16.04.2019, 09:00 Uhr

NABU: Fledermäuse beziehen Sommerquartiere

Die Flugkünstler der Nacht ziehen nun von ihren Überwinterungsorten in die Sommerquartiere. Ihren Winterschlaf verbrachten die Tiere vor allem in Höhlen, Stollen, Bunkern oder Kellern: Orte mit konstant kühler Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit.

Es ist wieder soweit: Die Fledermäuse sind aktiv und in der Dämmerung zu beobachten. Foto: NABU/Dietmar Nill

© Dietmar Nill

Es ist wieder soweit: Die Fledermäuse sind aktiv und in der Dämmerung zu beobachten. Foto: NABU/Dietmar Nill

Auf dem Zug zwischen Winterquartier und Sommerquartier können sehr weite Strecken zurückgelegt werden, bekannt ist eine Rauhautfledermaus mit einer Zugstrecke von über 1900 Kilometern. „Viele Menschen wissen inzwischen, dass bei uns einige Fledermausarten an Gebäuden leben. Weit verbreitet ist dabei der Irrglaube, dass es sich hierbei ausschließlich um alte Gebäude handelt. Tatsächlich machen vor allem spaltenbewohnende Fledermäuse, wie die Zwergfledermaus, keinen Unterschied zwischen alten und neuen Gebäuden. Wichtig ist nur, dass sie einen passenden Spalt finden, der ihnen genug Platz lässt und auch die passenden klimatischen Bedingungen für die Jungenaufzucht bietet“, berichtet Ralf Berkhan, Fledermausexperte des Naturschutzbundes (NABU). Im Sommer wollen es Fledermäuse warm und trocken. Solche Bedingungen können ebenso hinter einer Holzverschalung an einem alten Bauernhaus herrschen wie an einem Plattenbau in der Großstadt.

Anders ist dies bei solchen Arten, die sich lieber direkt im Dachboden aufhalten. Diese Arten brauchen große und nicht ausgebaute Dachböden, die zugleich möglichst zugluftfrei sind. Solche Dachböden sind an modernen Häusern kaum noch zu finden, weshalb das Große Mausohr oder auch die beiden Langohrfledermaus-Arten (Braunes und Graues Langohr) häufig in Kirchen oder anderen historischen Gebäuden zu finden sind.

Viele Quartiere werden vom Menschen unbewusst zerstört. Besonders höhlenreiches Altholz wird noch immer aus dem Wald entfernt. Dachböden werden renoviert und mit Holzschutzmitteln behandelt, Hohlräume ausgeschäumt und Fugen versiegelt. „Wichtige Lebensräume unter Dächern oder hinter Fassadenverkleidungen gehen so verloren“, stellt Ralf Berkhan fest. Es gibt also zahlreiche Ursachen für die Bedrohung der Fledermäuse. Von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten sind vier Arten vom Aussterben bedroht. Drei Arten gelten als stark gefährdet und weitere fünf Arten sind als gefährdet eingestuft.

Jeder kann selbst mit geringem Einsatz zum Schutz der Fledermäuse beitragen. Die Bereitstellung eines Fledermauskastens als potenzielles Quartier ist hier eine bewährte Methode. Fledermauskästen gibt es für spalten- wie auch höhlenbewohnende Arten. Diese können selbst gebaut oder aus dem Fachhandel bezogen werden. Wer bei Dämmmaßnahmen am Haus Rücksicht auf Fledermäuse nehmen möchte, kann aber auch einen der vom NABU Niedersachsen ausgebildeten „Fledermaus-Botschafter“ zurate ziehen. Mit der Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ trägt der NABU Niedersachsen dazu bei, die Akzeptanz für Fledermäuse in der Nähe des Menschen zu erhöhen sowie bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen. Menschen, die sich für Fledermäuse engagieren und in ihren Häusern dulden, werden vom NABU deshalb mit der Plakette ‚Hier sind Fledermäuse willkommen‘ ausgezeichnet.

Bewerben können sich Hauseigentümer oder auch Verwalter von öffentlichen Gebäuden, die die Quartiere dieser heimlichen Hausbewohner dulden und fördern. Ganz gleich, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohnhaus, Hotel, Bauernhof, ein Fabrikgebäude, eine Schule oder eine Kirche handelt. Auch Winterquartiere können ausgezeichnet werden! 300 Plaketten „Hier sind Fledermäuse willkommen“ wurden von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert, um das Engagement von Hauseigentümern oder anderen „Gebäudeverwaltern“ zu belohnen. Weitere Informationen und einen Bewerbungsbogen gibt es unter www.NABU-niedersachsen.de/fledermaushaus