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08.10.2019, 12:00 Uhr

Musikalische Nordhorner Textilsaga geht weiter

Der Startschuss zu dem Nordhorner Theaterereignis der Spielzeit 2019/2020 ist gefallen: Mit dem Probenbeginn zum zweiten Teil des Erfolgsmusicals „Goodbye Klein-Amerika“ hat der Vorverkauf begonnen.

Seit September laufen die Proben zu „Goodbye Klein-Amerika II“ in der Alten Weberei. Das Bild zeigt eine Probenszene mit Merlin Räntsch, Regisseur Nils Hanraets (Mitte) und Paul Scholand. Foto: Werner Westdörp

Seit September laufen die Proben zu „Goodbye Klein-Amerika II“ in der Alten Weberei. Das Bild zeigt eine Probenszene mit Merlin Räntsch, Regisseur Nils Hanraets (Mitte) und Paul Scholand. Foto: Werner Westdörp

Ab sofort können die Tickets für die Premiere der Uraufführung von „Goodbye Klein-Amerika II“ am Sonnabend, 18. Januar, und sechs weitere Vorstellungen im Kulturzentrum Alte Weberei an den bekannten Vorverkaufsstellen und online erworben werden.

Regisseur Nils Hanraets und sein 40-köpfiges Schauspiel-, Tanz- und Musikensemble, die mit der Neuinszenierung des ersten Teils im vergangenen Januar rund 3500 Theaterbesucher begeisterten, kündigen an, mit dem abschließenden Teil der Nordhorner Textilsaga noch „eins drauf setzen“ zu wollen. „Wir bringen keinen Aufguss oder Abklatsch des erfolgreichen ersten Teils“, verspricht der Chef des Theaterpädagogischen Zentrums (TPZ) in Lingen: „Die Textilsaga ist noch längst nicht auserzählt. Es ist eine völlig neue und spannende Geschichte mit einer eigenständigen und zeitgemäßen Musik.“

In seinem zweiten Teil verhandelt Autor und Komponist Thomas Kriegisch über Stilmittel des Musiktheaters die erstaunliche Erfolgsstory der Stadt, die weitgehend aus eigener Kraft ihre wirtschaftliche Strukturkrise meisterte. Suchten die Protagonisten in Teil I noch nach Wegen, die goldene textile Vergangenheit der Stadt am Baumwollfaden zu bewahren und die Textilindustrie erfolgreich durch die Krise zu steuern, so durchtrennt die Fortsetzung endgültig den Baumwollfaden und schlägt den Bogen von der Stunde Null zum Aufbruch zu neuen Ufern. Dabei sind Aspekte der Stadtgeschichte frei in eine zeitgemäße Bühnengeschichte eingebettet.

„Es geht nicht mehr ums Bewahren“, sagt Hanraets, „jetzt muss man sich entscheiden, welchen Weg man gehen will.“ Die Strukturkrise mit all ihren Verwerfungen vertrauter Lebensentwürfe stellt für Hanraets auch viele aktuelle Gegenwartsbezüge auf: „Zu jammern, nach einfachen Lösungen zu suchen oder den Rattenfängern hinterherzulaufen, sind keine Lösung. Es geht letztlich um die Frage: Wofür stehen wir? Was wollen wir? Wie soll unserer Zukunft aussehen? Wie können wir es schaffen, selbstbestimmt unser Leben in die Hand zu nehmen und zu gestalten?“

Das alles spielt als Musical im genretypischen Spannungsfeld der großen Gefühle, befeuert von einer stimmungsvollen, an Rock und Pop orientierten Musik, zu der wieder Nordhorns stellvertretender Musikschulleiter Ivo Weijmans die Arrangements für Sänger, Chor und Musiker schreibt und als musikalischer Leiter auch die Liveband dirigiert. Choreografien und Leitung des TPZ-Tanzensembles liegen wieder in den bewährten Händen von Irina Kempel. Ein erneut markantes Bühnenbild verspricht der Künstler Ansgar Silies.

Kooperationspartner sind TPZ, Musikschule Nordhorn, Stadt Nordhorn, das Kulturzentrum Alte Weberei und der Förderverein Kulturzentrum Alte Weberei als Träger der Produktion. Maßgeblich gefördert wird die Produktion wieder von Grafschafter Sparkassenstiftung, der Stadt Nordhorn und der Emsländischen Landschaft.

Die inhaltliche Tiefe in Form mitreißender Musicalunterhaltung auf die Bühne zu bringen, sieht Hanraets als große Herausforderung für Inszenierung und Ensemble. Auch Teil II ist ein Ensemblestück, in dem jeder Akteur wichtiger Mosaikstein eines atmosphärisch dichten Gesamtbildes ist. Hanraets baut dabei auf ein „starkes Ensemble mit tollen Menschen“. Dass die meisten bereits im ersten Teil dabei waren, stelle sich jetzt als großer Vorteil heraus: „Wie haben zwar noch viel Arbeit vor uns. Aber die ersten Proben sind sehr positiv und intensiv. Auch die neuen Ensemblemitglieder wurden offen aufgenommen.“

Mit dem gescheiterten Textilerben und jetzt als Bürgermeister agierenden Robert van Arnheim (Mark Stouwdam) und der zur eiskalten Lady verbitterten Christy Ladrett (Natalia Scherrmann) tauchen nur noch zwei Figuren aus Teil I auf. Auch wenn alte Rechnungen noch offen sind: Ihr dramatischer Showdown ist nur ein Aspekt der Geschichte. Neue Schwerpunkte setzen neue Figuren, und dennoch sind alle auf tragische wie komische oder wunderbare Weise miteinander verbunden.

Jede Zeit schafft ihre eigenen Herausforderungen, überraschenden Wendungen und neue Helden, die vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen ins Rampenlicht treten und die Zukunft der Stadt wie ihr persönliches Schicksal verhandeln: Etwa die Exponenten einer jungen, tatkräftigen und willensstarken Generation, die an die Stärke der Menschen in der Stadt und die eigene Gestaltungskraft glauben (Merlin Ränsch als Sophie, Elke Breuer-Tieke als Anna und Brian Lüken als Paul Kuipers); oder die profitorientierten Investoren der Finanzwirtschaft (Chananja Schulz als Lizzy Top, Thomas Schulz als Camillo Flott und Paul Scholand als Dr. Karl Schlächter); oder den Populisten einer verführerischen Politik unter Führung des Ratsvorsitzenden Hermann Schröder (Jörn Eggers). Prozesshaft werden die Charaktere der Figuren zurzeit in den Proben erarbeitet und profiliert. Diese offene Art der Regie, die die Akteure nicht nach den Ideen des Regisseurs von einer Ecke in die andere schickt, sondern auf die Kreativität der Schauspieler baut, kommt im Ensemble sehr gut an. „Wir sind keine Spielfiguren, sondern wir spielen Figuren“, sagt Brian Lüken aus Lingen, der sein Nordhorner Debüt 2013 als junger Helmut Newton in dem Musical „Yva“ von Thomas Kriegisch gab (Regie: Tom Kraus, TPZ). Auch Mark Stouwdam schätzt besonders die Freiräume, sich selbst auf der Bühne zu entdecken. Und dem erfahrenen Sänger aus den Niederlanden gefällt der Teamgeist: „Es gibt keine Konkurrenz, jeder unterstützt den anderen.“ Für Elke Breuer-Tieke, von Anfang an dabei, ist das Ensemble zu einer „Familie“ zusammengewachsen.

Ihr Debüt auf der Musicalbühne gibt die aus der „Sinfonic Rock Night“ und der „Berrytones Bigband“ bekannte Soulsängerin Chananja Schulz. „Ich freue mich als Wahl-Nordhornerin darauf, in die Geschichte der Stadt über das Musical einzutauchen“, sagt sie. Dass Christy in der Fortsetzung keine Kopie des ersten Teils wird, ist für Natalia Scherrmann eine ganz besondere Herausforderung – auch Stouwdam arbeitet intensiv daran, die Wandlung des gescheiterten Textilbarons zum Bürgermeister als Konkursverwalter einer ganzen Stadt zu entwickeln. Und Merlin Ränsch aus Nordhorn, die in Teil I die mittlerweile verstorbene Lara spielte, gibt nun in der Rolle der Sophie einer jungen starken Frau von heute ganz neues Profil und Stimme.

Für den Nordhorner Paul Scholand, der bereits in „Goodbye Klein-Amerika“ 1999 auf der Bühne stand, hat die Fortsetzung eine ganz persönliche Bedeutung: „Wenn man Nordhorn mit anderen Städten vergleicht, in denen Ähnliches passiert ist, dann wurde hier Großes geleistet. Was in den vergangenen 20 Jahren passiert ist, das wollen wir erzählen.“ Und Schauspieler Thomas Schulz, dessen Parade-Rolle als Zack aus dem ersten Teil vom Autor zu Grabe getragen wurde, verspricht: „Wir werden noch eine Schippe drauflegen.“

Die Uraufführung des Musicals „Goodbye Klein-Amerika II“ ist am Sonnabend, 18. Januar 2020, im Kulturzentrum Alte Weberei an der Vechteaue 2. In der Folge stehen fünf Aufführungen auf dem Spielplan sowie eine Vorstellung im Rahmen des Theater-Abonnements der Stadt Nordhorn. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr: Sonntag, 19. Januar; Freitag, 24. Januar; Sonnabend, 25. Januar; Freitag, 31. Januar; Sonnabend, 1. Februar. Die Vorstellung im Rahmen des städtischen Theater-Abos, zu der auch Einzelkarten erworben werden können, ist am Donnerstag, 21. Januar, in der Alten Weberei.

Kartenvorverkauf: Tickets im Vorverkauf, (20 Euro), gibt es ab sofort bei den Nordhorner Vorverkaufsstellen der Alten Weberei: Georgies Plattenladen, Stadtring 33 – 35, Telefon 05921 2930; Grafschafter Nachrichten, Coesfelder Hof 2, Telefon: 7070; Reisebüro Berndt, Firnhaberstraße 2, Telefon: 8960; Reisebüro Richters, Bentheimer Straße 27, Telefon: 88430, VVV-Stadtmarketing, Firnhaberstraße 17, Telefon: 8039.

Online läuft der Vorverkauf über die GN: www.gn-ticketshop.de; den Ticketshop der Alten Weberei: www.alteweberei.de; Rersevix: www.reservix.de; Pro Ticket: www.pro-ticket.de.

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