19.11.2020, 12:11 Uhr

Mehr Pflegefälle: Fledermausstation in Meppen zieht Bilanz

Die Zweifarbfledermaus lässt sich ihre Mahlzeit schmecken. Foto: Schaad

Die Zweifarbfledermaus lässt sich ihre Mahlzeit schmecken. Foto: Schaad

Nordhorn Bis Ende September hat die Fledermausstation des Naturschutzbundes (NABU) in Meppen bereits mehr als doppelt so viele Pfleglinge aufgenommen wie im vergangenen Jahr. Die 46 Fledermäuse stammen aus der gesamten Region Emsland/Grafschaft Bentheim. Das berichtet die ehrenamtliche Leiterin der Station, Karin Schaad. „Die starke Zunahme der Pflegefälle wirft einige Fragen auf. Die Entwicklung könnte daran liegen, dass unsere Station in der Öffentlichkeit immer bekannter wird und die Bereitschaft der Finder steigt, sich um ein hilfebedürftiges Tier zu kümmern. Das würde uns freuen“, führt Schaad aus. „Vielleicht wird aber auch das Überleben für Fledermäuse durch verschiedene Ursachen immer schwieriger.“ Etwa die Hälfte der Tiere konnte wieder ausgewildert werden. Die übrigen waren schon verstorben, als sie in die Station ankamen oder zu stark verletzt oder geschwächt, sodass sie nicht überlebt haben.

Viele Flügelverletzungen

Bei zwei Fünftel der Findlinge handelte es sich Schaad zufolge um Zwergfledermäuse. Jeweils ein Fünftel waren Rauhaut- und Breitflügelfledermäuse, und die übrigen Pfleglinge gehörten zu anderen Arten. „Besonders hervorzuheben ist der Fund einer Zweifarbfledermaus. Für diese Art gab es bisher im Emsland nur zwei Nachweise“, hebt die Stationsleiterin hervor. „Die Ursache für die Pflegebedürftigkeit lag bei knapp der Hälfte der eingelieferten Tiere an Flügelverletzungen im weitesten Sinn“, führt sie weiter aus. „Fledermausflügel sind sehr filigran und empfindlich und nehmen deshalb leicht Schaden. Gut ein Viertel der Fledermäuse war abgemagert und entkräftet. Besonders kurz nach dem kräftezehrenden Winterschlaf wurden solche Tiere gefunden.“ Aber auch der Insektenrückgang spielt laut Schaad bei den Insektenfressern eine große Rolle. „Bei einigen Fledermäusen bestand auch der Verdacht auf ein Barotrauma. Dabei platzen die Lungen und die inneren Organe, sodass die Tiere innerlich verbluten. Dies kann geschehen, wenn die Fledermäuse in den Rotorbereich von Windkraftanlagen mit den dort herrschenden besonderen Luftdruckverhältnissen geraten. Deshalb ist es wichtig, passende Standorte für solche Anlagen zu wählen“, erläutert die Tierschützerin.

Fledermaus gefunden – Was nun?

„Wird eine Fledermaus tagsüber an einer offen zugänglichen Stelle gefunden, kann man davon ausgehen, dass sie Hilfe benötigt. Dafür versieht man eine kleine Pappschachtel mit Luftlöchern, zerknülltem Küchenpapier zum Verstecken und einem Schraubdeckel mit Wasser. Dann setzt man die Fledermaus mithilfe von Handschuhen oder einem Handtuch vorsichtig hinein und verschließt die Schachtel ausbruchsicher mit Klebeband“, rät Schaad. Anschließend sollten die Helfer schnellstmöglich Kontakt mit der Fledermausstation über den Fledermausnotruf unter Telefon 0151 15902708 aufnehmen und die Fledermaus bis zur Übergabe an einer kühlen Stelle lagern. „Keinesfalls sollte versucht werden, eine Fledermaus durch Hochwerfen zum Abfliegen zu bringen. Fledermäuse können darauf nicht schnell genug reagieren und verletzen sich dann beim Aufprall auf dem Boden“, warnt die Fledermauskennerin.

Diese Teichfledermaus ist abgemagert und kraftlos. In der Fledermausstation soll sie wieder aufgepäppelt werden. Foto: Hübner

Diese Teichfledermaus ist abgemagert und kraftlos. In der Fledermausstation soll sie wieder aufgepäppelt werden. Foto: Hübner

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