29.11.2019, 14:55 Uhr

VR-Brillen für Kühe: Landwirte der Region winken ab

Kühe im Emsland und der Grafschaft werden in absehbarer Zukunft keine Virtual-Reality-Brillen (VR) bekommen, um mehr MIlch zu geben. Das sagten einige Vertreter dem ems-vechte-surfer.

Ein Mann hält eine Kuh, die eine VR-Brille trägt. Russische Kühe sollen in Zukunft mithilfe von Virtual-Reality-Brillen (VR) und digitalen Bildern von grünen saftigen Wiesen mehr Milch produzieren. Foto: Pressestelle des 6. Internationalen Agrarindustrie- und Milchforums/dpa-Bildfunk

Ein Mann hält eine Kuh, die eine VR-Brille trägt. Russische Kühe sollen in Zukunft mithilfe von Virtual-Reality-Brillen (VR) und digitalen Bildern von grünen saftigen Wiesen mehr Milch produzieren. Foto: Pressestelle des 6. Internationalen Agrarindustrie- und Milchforums/dpa-Bildfunk

Es könne sich „allenfalls maximal um eine Studie oder Überlegung handeln“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann dem ems-vechte-surfer. Stegemann ist zudem Landwirt in Ringe. Ihm stellt sich auch die Frage nach dem Tierwohl: „Es geht um Tragekomfort und darum, ob die Kuh so eine Brille überhaupt duldet“, so Stegemann. Kosten und Nutzen der VR-Brillen für russische Kühe stünden in keinem Verhältnis. Zudem seien Kühe und Menschen gar nicht so verschieden. „So ein visueller Reiz kann doch nur vorübergehend Wohlbefinden auslösen, aber sicher nicht auf Dauer,

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes, Lambert Hurink, sagt auf Nachfrage: Für Landwirte in der Region sei der Einsatz von VR-Brillen für Kühe noch „absolute Zukunftsmusik“. Generell würden Kühe im Boxenlaufstall eher mehr Milch geben, als auf der Wiese oder Weide. Im Stall könne „qualitativ hochwertiges Futter“ gefüttert werden, im Freien würden die Kühe dagegen viel Gras fressen, das vielleicht nicht ganz so viele Nährstoffe liefere. Stegemann fügte hinzu: Ob Kühe, die auf einer Weide gehalten werden, mehr Milch geben, als im Stall, „das kann man nicht pauschal beantworten.“ Futter sei ausschlaggebend und andere Fragen, wie zum Beispiel ob es sich um einen modernen Stall mit viel Auslauf handele.

Auch Dirk Albers von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nimmt auf Anfrage Stellung zu dem Thema. Zur Frage, ob Kühe mehr Milch auf der Weide oder im Stall geben, antwortet der Experte: „Grundsätzlich geben Kühe mit Weidegang, die also auch frisches Gras fressen, nicht mehr Milch als Kühe, die ganzjährig im Stall gehalten werden. Der Vorteil der Stallhaltung ist, dass die Kühe jederzeit mit ausreichend Futter gleicher Qualität (Nähr- und Mineralstoffen, Spurenelementen und Energie) versorgt werden können und daher in der Regel mehr Milch geben.

Daher füttern auch sehr viele Betriebe mit Weidehaltung ihre Kühe in der Vegetationsperiode im Stall zu.“ Seines Wissens nach halten die Landwirte vom Einsatz der VR-Brillen für Kühe „nichts“. Begründung: „Schon wegen der Größe der Brille und der Fixierung am Kopf des Tieres ist der Einsatz in heute üblichen Laufställen mit Fressgittern, rotierenden Bürsten für die Fellpflege und so weiter eher unrealistisch.“

Um Tiere zu entspannen, hätten Landwirte im Emsland und der Grafschaft positive Erfahrungen mit Musik im Stall gemacht. Bei den Tieren sei tatsächlich Entspannung zu spüren gewesen, fügt Hurink hinzu.

Im kalten russischen Winter könnten die Tiere simulierte Weideflächen sehen und so besser entspannen. Dadurch könnte die Milchproduktion angekurbelt werden, teilte das Landwirtschaftsministerium des Gebiets Moskau mit. Ein Prototyp der Brillen werde bereits an einem Bauernhof nahe der russischen Hauptstadt getestet. Die Brillen seien speziell an die Kopfform der Kühe angepasst, hieß es aus Moskau. Den Tieren sollen Schattierungen in Rot, Grün und Blau gezeigt werden. Erste Tests zeigten bereits Erfolge.

Die Kühe spürten weniger Angst, und die Herde sei insgesamt friedlicher. Einige russische Betriebe setzen nach Angaben des Ministeriums bereits auf klassische Musik, um die Milchproduktion bei Kühen anzuregen. Russland investiert seit einigen Jahren stärker in die heimische Milchindustrie, weil seit den Sanktionen auf diverse EU-Lebensmittel das Angebot von Milchprodukten eingebrochen ist. Das Land solle durch neue innovative Methoden auf dem internationalen Markt mithalten können, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

Mit VR-Brillen kann man in virtuelle Realitäten eintauchen. Sie werden sowohl für Computerspiele als auch in anderen Branchen genutzt. So üben zum Beispiel Polizisten oder Feuerwehrleute mit dieser Technik Einsätze bei Notfällen und Terrorangriffen. dpa/ago

Ems-Vechte