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25.08.2020, 14:59 Uhr

Linda Wilken verlässt „Emsländische Landschaft“

Viel zu tun gab es in den vergangenen vier Jahren für Linda Wilken. Etliche Projekte wurden dabei initiiert, um die plattdeutsche Sprache in der Region zu erhalten. Foto: Engelken

Viel zu tun gab es in den vergangenen vier Jahren für Linda Wilken. Etliche Projekte wurden dabei initiiert, um die plattdeutsche Sprache in der Region zu erhalten. Foto: Engelken

Von Matthias Engelken

Meppen Nach vier Jahren kehrt Linda Wilken der „Emsländischen Landschaft“ den Rücken. In kürzester Zeit hat die Volkskundlerin dabei viel erreicht für die plattdeutsche Sprache in der gesamten Region. Als die Emsländische Landschaft 2016 die Fachstelle Plattdeutsch einrichtete, ging für Landschaftspräsident Hermann Bröring ein besonderes Anliegen in Erfüllung. „Die Emsländische Landschaft setzt sich bereits seit ihrer Gründung 1979 für die Förderung der plattdeutschen Sprache ein. Es fehlte allerdings ein hauptamtlicher Ansprechpartner, der sich ausschließlich um die Vernetzung und Initiierung neuer Projekte und Aktionen kümmerte“, erzählt Bröring.

Eine Leitung für die Fachstelle war mit der Volkskundlerin Linda Wilken gefunden. Die gebürtige Vreeserin ist mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen und hat in den vergangenen vier Jahren ein großes Netzwerk an plattdeutschen Künstlern, engagierten Ehrenamtlichen und Pädagogen sowie Kultur- und Bildungseinrichtungen aufgebaut, die sie bei ihren Vorhaben unterstützen. Erfolgreiche Formate wie das Kulturfestival „PlattSatt“ wurden dabei entwickelt und etabliert. Diese Veranstaltungsreihe findet seit 2017 im Herbst statt und spricht mit Konzerten, Lesungen und Mitmach-Angeboten alle Altersgruppen an. „Mit gefällt an ,PlattSatt‘ vor allem der Mix aus überregional bekannten Platt-Künstlern und dem Einsatz regionaler Gruppen und Ehrenamtlicher“, sagt Wilken. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie kommt die plattdeutsche Kultur nicht zu kurz: Die Veranstaltungen des Festivals werden im Oktober über das Internet und das Radio gesendet.

Ebenso wurden zahlreiche Angebote für Schulen geschaffen. Dazu gehört der „Schoolmesterdag“ genauso wie die „Schooltheaterdage“ oder die Organisation des plattdeutschen Lesewettbewerbs. Auch viele Unterrichtsmaterialien wurden seitdem entwickelt und zur Verfügung gestellt. Lehrkräfte, die Plattdeutsch auf den Stundenplan setzen möchten, können sich in regelmäßigen Arbeitskreisen zusammenfinden und gemeinsame Aktionen planen. „Ich war überrascht, wie viele Schulen im Emsland und der Grafschaft Bentheim bereit sind, Plattdeutsch in ihren Schulalltag zu integrieren“, meint die Emsländerin.

Auf überregionaler Ebene ist die Landschaft ebenfalls gut vernetzt. 2018 wurde Wilken zur Delegierten des Landes Niedersachsen in den Bundesrat für Niederdeutsch gewählt. Dieser setzt sich mit seinen Mitgliedern aus acht Bundesländern auf sprachpolitischer Ebene für die plattdeutsche Sprache ein. Auch in der Arbeitsgemeinschaft „Platt is cool“ ist Wilken aktiv. Die Arbeitsgemeinschaft besteht aus Vertretern der niedersächsischen Landschaften und Landschaftsverbände und möchte Plattdeutsch vor allem für Kinder und Jugendliche attraktiv machen. Dafür entwickelt sie jedes Jahr kostenlose Materialien wie modern gestaltete Postkarten und Bücher. Weitere Angebote sind die Septemberaktion „Freedag is Plattdag“ sowie der Bandcontest „Plattsounds“, der in diesem Jahr bereits zehnjähriges Jubiläum feiert.

„Die Fachstelle Plattdeutsch hat einen Nerv getroffen, wie ich es mir zu Beginn meiner Tätigkeit erhofft habe“, bilanziert die 36-Jährige. Den Erfolg erklärt sie sich mit einem Bedürfnis nach Gemeinschaft und innerer Verortung. „Plattdeutsch ist eine hochemotionale Angelegenheit, das habe ich immer wieder festgestellt.“ Ihr sei es immer ein Anliegen gewesen, die Sprache mit frischen und zeitgemäßen Ideen zu verknüpfen, ohne jemandem vor den Kopf zu stoßen. Auf diese Weise bestünde eine Chance, dass Platt auch wieder von jüngeren Menschen in den Mund genommen werde.

Nun gibt Linda Wilken den Staffelstab weiter, sie wird eine Stelle als Kulturmanagerin bei der Stadt Dülmen antreten und kehrt damit zu ihrem privaten Lebensmittelpunkt zurück. Der Personalwechsel berge die Chance für neue Impulse, meint sie und verspricht: „Auch, wenn es mich nun nach Westfalen zieht, bleibe ich immer mit der Region und der plattdeutschen Sprache verbunden und werde mich für ihren Erhalt einsetzen.“ Zudem möchte sie bei der Einarbeitung ihrer Nachfolge behilflich sein.

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