04.03.2022, 16:15 Uhr

Landkreis arbeitet mit Partnern an der Gestaltung der Pflege

Haben die Bündelung von Kompetenzen im pflegerischen Bereich zur Hauptaufgabe eines Arbeitskreises erklärt (von links): Gitta Mäulen (scheidende Dezernentin des Landkreises Grafschaft Bentheim), Dr. Annegret Hölscher vom Gesundheitsamt des Landkreises, Landrat Uwe Fietzek sowie Hanna Reurik vom Pflegestützpunkt und der Gesundheitsregion Euregio. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Haben die Bündelung von Kompetenzen im pflegerischen Bereich zur Hauptaufgabe eines Arbeitskreises erklärt (von links): Gitta Mäulen (scheidende Dezernentin des Landkreises Grafschaft Bentheim), Dr. Annegret Hölscher vom Gesundheitsamt des Landkreises, Landrat Uwe Fietzek sowie Hanna Reurik vom Pflegestützpunkt und der Gesundheitsregion Euregio. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Nordhorn „Herausforderungen in der pflegerischen Versorgung älterer Menschen gestalten“ – unter diesem Motto zieht der Landkreis Grafschaft Bentheim gemeinsam mit regionalen Partnern aus Pflegeeinrichtungen, Ausbildungsstätten und Politik zur Verbesserung der pflegerischen Situation bereits seit 2019 an einem Strang. In Arbeitsgruppen wurden erste Ansätze und Strategien entwickelt. Zahlreiche Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Pflege und Gesundheit brachten ihre Erfahrungen in den Prozess ein. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie Personal für die Pflege gewonnen und gehalten werden kann.

„Schon heute die Pflege von morgen stärken“

Das Thema Pflege ist ein Teil des Gesamtprozesses „Lebensqualität und Wirtschaftsstandort stärken“, den der Landkreis auf den Weg gebracht hat. Laut Landrat Uwe Fietzek steht die Pflege angesichts des demografischen Wandels ganz oben auf der Agenda. Aus diesem Grund hatte der Landkreis 2020 den Handlungsschwerpunkt „Pflege“ gewählt und damit einen Entwicklungsprozess in Gang gesetzt: „Ein großes Problem ist der Mangel an pflegerischen Kräften, da sich immer weniger junge Menschen für einen Beruf in der Pflege von Seniorinnen und Senioren entscheiden. Dem gegenüber steht eine wachsende Zahl an Pflegebedürftigen. Diese Diskrepanz müssen wir in Zukunft bewältigen. Das heißt konkret, dass wir schon heute die Pflege von morgen stärken müssen“, betonte Landrat Uwe Fietzek.

Zwar sei die Grafschaft im Hinblick auf die pflegerische Versorgung aktuell gut aufgestellt, doch die gesellschaftlichen Veränderungen seien auch hier spürbar. Nach Angaben des Landkreises hat sich die Anzahl der als pflegebedürftig eingestuften Menschen in der Grafschaft innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Waren es 1999 noch 4298 Personen, so belief sich die Zahl in 2019 schon auf 8980 Personen. Von den knapp 9000 Pflegebedürftigen in der Grafschaft befinden sich 16 Prozent in stationärer Pflege. Heute stehen in der Grafschaft Bentheim 1559 stationäre Pflegeplätze zur Verfügung. Der Wunsch der Grafschafter sei es laut Landrat Fietzek, möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit zu verbleiben. Im Jahr 2019 befanden sich 84 Prozent der Pflegebedürftigen in häuslicher Betreuung. Nicht einmal 3000 Menschen wurden von einem Pflegedienst unterstützt. „Die Pflege wird zu einem großen Teil durch die Angehörigen geleistet“, stellt Fietzek fest.

Zukünftig steigende Herausforderungen

Bei der Bewältigung der sich künftig noch verschärfenden Herausforderungen seien nun alle Kompetenzen und Kräfte gefragt. „Wir haben viele Vertreter aus dem Pflegebereich in den Entwicklungsprozess eingebunden. In der Grafschaft verfügen wir über eine Vielzahl an Kompetenzen, die es zu bündeln galt“, erläutert Fietzek. So beteiligen sich das Dezernat Soziales und Gesundheit, Sozialeinrichtungen des Landkreises, der Senioren- und Pflegestützpunkt, die Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim, das Büro für Selbsthilfe und Gesundheitsförderung, die Pflegetische, die Bildungsstätte für Gesundheitsberufe, alle Fraktionen der Grafschafter Politik, Pflegeeinrichtungen aus der Ober- und Niedergrafschaft sowie ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen und Kirchen.

Bereits im Frühjahr 2020 nahmen die Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit auf, die jedoch pandemiebedingt immer wieder beeinträchtigt wurde. Im ersten Schritt ging es darum, neben der aktuellen Pflegesituation auch zu ermitteln, welche Bedürfnisse die Menschen in der Grafschaft im Hinblick auf die Pflege haben, welche Entlastungsmöglichkeiten vorhanden sind oder eventuell geschaffen werden müssen. Mit eingebunden ist auch das „Regionale Pflegekompetenzzentrum“ (ReKo) der Gesundheitsregion Euregio, das gemeinsam mit dem Landkreis umgesetzt wird und sich bereits in der Grafschaft etabliert habe.

Gewinnung von Pflegekräften entscheidend

Wie Elisabeth Eistrup von der Arbeitsgemeinschaft Pflege erläutert, sehen die Beteiligten im Entwicklungsprozess die große Herausforderung vor allem in der Gewinnung und Bindung von Pflegekräften: „Wenn es sie nicht gäbe, würde die pflegerische Versorgung auf Dauer zusammenbrechen. Umso wichtiger ist es, den Beruf wieder attraktiver zu gestalten und das positive Bild nach außen darzustellen, um mehr Menschen davon zu überzeugen, wie erfüllend eine Tätigkeit in der Pflege sein kann. Wie viel Freude eine Arbeit in der Pflege und mit älteren hilfebedürftigen Menschen macht, bestätigen uns auch immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege. Der Beruf hat eben auch viele schöne Seiten.“