24.10.2019, 11:00 Uhr

Kulturfestival „PlattSatt“ begeistert zum Auftakt

Das Kulturfestival „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft mit 15 Veranstaltungen für alle Altersgruppen startete in Freren.

Gerd Spiekermann präsentierte in der Alten Molkerei in Freren seine gewohnt trockenen Alltagsbeobachtungen. Foto: Emsländische Landschaft

Gerd Spiekermann präsentierte in der Alten Molkerei in Freren seine gewohnt trockenen Alltagsbeobachtungen. Foto: Emsländische Landschaft

Im Kulturzentrum Alte Molkerei begeisterte Entertainer Gerd Spiekermann mit seinen gewohnt trocken präsentierten Alltagsbeobachtungen die rund 80 Zuschauer, während Jochen Wiegandt mit bekannten Stücken zum Mitsingen animierte. Doch auch andere Akteure des Festivals waren eingeladen und präsentierten in kleinen „Appetithappen“, was die Besucher des Festivals in den kommenden Tagen noch erwarten würde.

Maria Lögering berichtete in einer von Gerlinde Schmidt-Hood moderierten Talkrunde vom geplanten Erzählcafé im Professorenhaus in Lingen und hatte sogar ihre alte Kaffeemühle mitgebracht, um die sich viele Geschichten ranken. „Wir werden uns unter anderem darüber unterhalten, wie es früher war, wenn es sonntags Bohnenkaffee gab und das ganze Haus danach duftete.“

Gerd Lübben von Groafschupper Plattproater Kring informierte über den Leseabend in Itterbeck, an dem sich über 20 Vereinsmitglieder beteiligen und Texte Grafschafter Autoren vortrugen. Gerd Spiekermann präsentierte nicht nur Geschichten aus seinem Bühnenprogramm, sondern berichtete auch über seine Mitwirkung am Zeichentrickfilm „Ritter Trenk op Platt“. Dort schlüpfte er in die Rolle eines alten, gediegenen Grafen.

„Das passt“, fand Spiekermann. Der erste und mit dem plattdeutschen Jugendpreis „Lüttjepütt“ ausgezeichnete plattdeutsche Film wird am kommenden Sonntag zweimal im Rahmen von PlattSatt aufgeführt, im Hasetor-Kino in Haselünne und im Jugendhaus „Treff 10“ in Bad Bentheim.

Auch in die Alte Molkerei gekommen waren Tim Mahn und Hermann May, die am kommenden Freitag gemeinsam im Ludmillenhof Sögel einen „Hümmlinger Abend“ gestalten. Hermann May hat 2016 mit seiner Anthologie „Hüügen un Haefst“ den Preis „Plattdeutsches Buch des Jahres“ gewonnen und präsentierte seine unsentimentale und vielschichtige Lyrik.

Aber auch eine unterhaltsame Kurzgeschichte darüber, was einem auf einer Autobahnraststätte widerfahren kann, hatte er im Gepäck. Zusammen mit Tim Mahn ist er bereits im vergangenen Jahr in Börger aufgetreten und mittlerweile sind der Autor und der Musiker ein eingespieltes Team. So hat Mahn aus dem Gedicht „Maemme-Blues“ von May eine mitreißende Version komponiert und wagte sich auch an plattdeutsche Varianten von „Let it be“ und „Imagine“ heran.

Dabei gab der Werlter Mahn zu, dass er sich damit vor einem Jahr auf ungewohntes Terrain begeben hatte. Eigentlich ist er mit eigenen hochdeutschen und englischen Songs unterwegs und hat erst im September erfolgreich am Musikwettbewerb „Hümmstar“ der Stadt Werlte teilgenommen. Den ersten Platz belegte er dort mit seiner Band „Bourbon Connection“, den dritten Platz als Solokünstler. In Freren anwesend war auch Helena Brune vom Historisch-ökologischen Zentrum in Papenburg. Sie veranstaltet dort ein plattdeutsches Vorlesefrühstück, bei dem Plattproater aus drei Generationen ihre Lieblingstexte vorlesen.

Dazu gibt es ein leckeres Frühstück mit selbst gebackenem Brot und regionalen Produkten. Auch in der Alten Molkerei war für die Verpflegung mit Weggen und Spiegeleiern bestens gesorgt. Organisatorin und Vorsitzende des Vereins Kulturkreis Impulse Bärbel Bründermann betonte bei ihrer Begrüßung, wie sehr sie sich freue, dass die Alte Molkerei als Veranstaltungsort für die Eröffnung von PlattSatt ausgewählt worden wäre, da das Festival zur Förderung der Sprache beitrüge.

Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft hat bereits mit den Planungen für „PlattSatt“ 2020 begonnen. „Die Mitmachangebote wie das Vorlesefrühstück und das Erzählcafé waren in diesem Jahr sehr schnell ausverkauft.“ Für nächstes Jahr habe sie deshalb schon weitere Formate geplant, an denen sich Plattdeutschbegeisterte aktiv beteiligen können. „Ob Einzelperson, Gruppe oder Verein: Wer Interesse hat, sich in der nächsten Runde „PlattSatt“ einzubringen und zum Gelingen des Festivals beizutragen, ist herzlich willkommen und kann sich gerne an mich wenden.“, sagte Wilken. Ihre Kontaktdaten sind unter www.emslaendische-landschaft.de zu finden.

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