Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
30.01.2019, 00:05 Uhr

Kühn hat zu tun

Herr Kühn ist ein harmlos wirkender Mann - doch als Kommissar muss er seine ganze Nachbarschaft verhören, um einen Mord aufzuklären. Das Erste zeigt die Jan-Weiler-Verfilmung als Krimi-Groteske.

Kühn hat zu tun

Hauptkommissar und Familienvater Martin Kühn (Thomas Loibl) wird von rätselhaften Flashbacks heimgesucht. Foto: WDR/Bernd Schuller

Von Klaus Braeuer, dpa

dpa Berlin Viele TV-Kommissare haben einen Spleen, ein Trauma oder leben in zerrütteten Familienverhältnissen. Ermittler Martin Kühn ist nicht nur von seinem Leben heillos überfordert, sondern auch im Job.

Schauspieler Thomas Loibl (50), der gerade für das ZDF in „Bier Royal“ mit von der Partie war, übernahm die Titelrolle in der TV-Krimi-Groteske „Kühn hat zu tun“, die das Erste am Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt.

Martin Kühn (Thomas Loibl) ist ein scheinbar ganz bodenständiger Kommissar Mitte 40 - mal abgesehen von merkwürdigen Halluzinationen (Bilder aus seiner Jugend) und einem musikalischen Ohrwurm (von Modern Talking), was ihn beides zu Recht nervt. Genervt ist aber auch seine Gattin Susanne (Dagmar Leesch), vermutlich auch von der Enge des kleinen und nicht abbezahlten Reihenhauses in einer Münchner Vorortsiedlung vom Reißbrett.

Kühn hat tatsächlich zu tun, mit den Tücken des Alltags wie der Heckklappe seines Wagens. Dann liegt die Leiche eines übel zugerichteten Mannes ganz in der Nähe, in einem Park. Weitere Kämpfe für ihn stehen an mit seinem aufmüpfigen Sohn Niko (Cedric Linus Eich), dem merkwürdigen Nachbarn Dirk (Peter Wolf), dem benachbarten Ehepaar Rohrschmidt (Oliver Stokowski/Susanne Schäfer) und einem arroganten Staatsanwalt (Trystan Pütter).

Regisseur Ralf Huettner (64, „Kommissarin Lucas“, ZDF) setzte mit „Kühn hat zu tun“ den gleichnamigen, 2015 erschienenen Roman von Jan Weiler (51, „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“) in Szene. Allerdings sind Weilers Bücher offenbar schwer zu verfilmen. „Kühn hat zu tun“ ist weder Krimi noch Satire, die Handlung soll wohl das Abbild eines chaotischen Alltags zeigen und ist zusammenhanglos und vollgestopft. Zu sehen sind überforderte oder gar unsympathische Menschen, die sich an besonders heißen Augusttagen sichtlich abmühen. Bei einigen - an sich guten - Schauspielern (Lisa Wagner, Robert Stadlober) ist das nahezu greifbar: Sie haben leider völlig undankbare Rollen.

Allein Loibl agiert wirklich gut. Seine Aufklärung des Mordes spielt jedoch so gut wie keine Rolle, zumal irgendwann noch ein kleines Mädchen verschwindet, ein rechtsgerichteter Fußballtrainer Randale auslöst und ein Gemüsehändler sich erhängt. Die Grundstücke der Reihenhäuser sind durch eine ehemalige Waffenfabrik aus der Nazi-Zeit vergiftet, die Spülmaschinentabs alle, und das Fräulein Tochter bekommt endlich ihr Pony. Herr Kühn hat wirklich viel und vor allem mit sich zu tun. Auch für Autor Weiler, der ihm im vergangenen Jahr einen weiteren Roman widmete: „Kühn hat Ärger“.