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13.10.2020, 16:23 Uhr

Konzertreihe zum Thema „Entartete Musik“

Bobby Rootveld und Sanna van Elst veranstalten die Konzertreihe. Foto: privat

Bobby Rootveld und Sanna van Elst veranstalten die Konzertreihe. Foto: privat

Nordhorn Am Sonntag 18. Oktober, wird im Kulturhaus „NIHZ“ an der Mittelstraße 13 in Nordhorn die Konzertreihe „Entartete Musik“ fortgesetzt. Die Abend hat zwei Themen. Zu Beginn ist es die Musik aus dem Vilnius-Ghetto und die Musik von russischen Komponisten. Sie wird vom Duo NIHZ (Bobby Roetveld und Sanna van Elst) gespielt.

Die Musik aus dem Vilnius-Ghetto hat folgenden geschichtlichen Hintergrund: Die Truppen der deutschen Wehrmacht erreichten schon eine Woche nach dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 Vilnius. Am 31. August 1941 erfolgten Vorbereitungen zur Einrichtung des Ghettos für die jüdische Bevölkerung. In der Folgezeit gab es immer wieder sogenannte „Aktionen“, bei denen die nicht arbeitsfähige Bevölkerung des Ghettos ausgesondert und zur Erschießung nach Ponar gebracht wurde. Nach diesen ersten Selektionen „normalisierte“ sich das Leben im Ghetto. Den widrigen Umständen trotzend wurden eine Krankenstation, eine Schule, eine Bibliothek und später sogar ein Theater im Ghetto eingerichtet. Hier führte man 1943 beispielsweise ein Musical mit Melodien und Texten unter anderem von Leib Rosenthal auf. Das Duo „NIHZ“ spielt jiddische Widerstandslieder aus diesem Theater.

Nach der Pause spielt das „Pitros Duo“ Musik für Klavier und Trompete. Das Pitros Duo ist ein Klavier-Trompeten-Duo aus Cosenza (Italien). Das Duo spielt ein interessantes Programm mit Musik von Astor Piazzolla (Adios Nonino), Johann Sebastian Bach (Trompeten-Präludium), George Gershwin (Rhapsody in Blue) und zwei russischen Komponisten. Alexander Goedicke ist ein typischer Komponist der russischen Schule. Wladimir Peskin war ein Komponist, der sehr viel unter dem russischen Regime gelitten hat. Ab 1922 studierte Peskin am Moskauer Konservatorium bei dem legendären jüdischen Pianisten und Komponisten Samuel Feinberg. Durch Überbeanspruchung zog er sich eine Behinderung an den Händen zu und musste das Klavierstudium aufgeben. Danach wandte er sich vermehrt der Komposition zu. Als sein Vater vom Stalin-Regime verfolgt und seine Mutter nach Kasachstan deportiert wurde, musste er allein die Familie ernähren und arbeitete zu diesem Zweck in den 1930er Jahren als Pianist beim Balalaika-Orchester des Hauptsitzes der Roten Armee. Wie viele sowjetische Komponisten, die unter dem Regime Josef Stalins aufwuchsen, schrieb Peskin im Stile der Romantik, wobei schwer auszumachen ist, wie weit dies seiner eigenen Neigung oder den ästhetischen Maßgaben des „Sozialistischen Realismus“ zuzuschreiben ist, deren Missachtung nach 1933 in der Sowjetunion Repressionen nach sich ziehen konnte.

Neben dem Konzert läuft im Kulturhaus NIHZ die Ausstellung „Johnny & Jones“ über jüdische Musik in den von Deutschland besetzten Niederlanden.

Konzertbeginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wegen der steigenden Corona-Zahlen besteht während der ganzen Veranstaltung Maskenpflicht. Reservierungen werden per E-Mail unter der Adresse bobbyrootveld@gmail.com entgegengenommen. Nähere Informationen: www.kulturhausnihz.de.

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