26.11.2020, 13:58 Uhr

Katalog dokumentiert Ausstellung über Victor van der Reis

Vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus mit dem Doppelgiebel der Familie van der Reis treffen sich Christa Pfeifer und Lars Klukkert bei der Spendenübergabe. Foto: privat

Vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus mit dem Doppelgiebel der Familie van der Reis treffen sich Christa Pfeifer und Lars Klukkert bei der Spendenübergabe. Foto: privat

Neuenhaus Die Ausstellung des Fördervereins „Günter Frank Haus“ über den bedeutenden Mediziner und Sohn der Stadt Neuenhaus, Victor van der Reis, fand vor einem Jahr im Alten Rathaus von Neuenhaus große Resonanz. Die Vorsitzende Christa Pfeifer und ihr Team vom Förderverein hatten das Leben des ehemaligen jüdischen Mitbürgers akribisch nachgezeichnet. Unter anderem war sie zu Recherchezwecken in Gdansk beziehungsweise Danzig, wo van der Reis ab 1928 Direktor der Inneren Abteilung des großen städtischen Krankenhauses war, ehe er 1935 von den Nationalsozialisten aus seinem Amt vertrieben wurde.

Nun, ein Jahr später, hat der Förderverein „Günter Frank Haus“ eine Dokumentation zur Ausstellung erstellt. Die Grafschafter Sparkassenstiftung, die bereits die Ausstellung gefördert hat, unterstützt auch die Katalogisierung mit 2870 Euro. „Der Förderverein hat mit der Ausstellung über Victor van der Reis viel Beachtung erfahren und in beeindruckender Weise an den jüdischen Mediziner und in dem Zusammenhang an die beklemmenden früheren Verhältnisse in der NS-Zeit erinnert“, verdeutlicht Lars Klukkert, Stiftungsratsmitglied der Grafschafter Sparkassenstiftung, bei der Spendenübergabe vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie van der Reis in Neuenhaus. „Mit der Katalogisierung ruft der Förderverein das Projekt nachhaltig in Erinnerung und hat ein Werk geschaffen, das als Vorbild für die Aufarbeitung der Geschichte jüdischer Familien in anderen Orten der Region dienen kann“, führt Klukkert weiter aus. Pfeifer hat die Zeit zwischen der Ausstellung und der jetzigen Dokumentation für eine inhaltliche Erweiterung genutzt. „Mit der Einbeziehung einiger neuer Informationen über Victor van der Reis, insbesondere aber auch durch die Aufnahme der Redebeiträge der Nachkommen der Familie van der Reis und von Herrn Dr. Schoppmeyer werden die bis in die Gegenwart reichenden Leistungen des Wissenschaftlers vor Augen geführt“, so die Vereinsvorsitzende.

Die Dokumentation zur Ausstellung gibt Einblicke in das Leben von Victor van der Reis, der trotz seiner großen Verdienste von den Nationalsozialisten aus dem Amt gejagt wurde. „Kurz nach Kriegsbeginn verhafteten sie den nach Polen geflüchteten Mediziner und inhaftierten ihn im KZ Stutthof. Dort wurde er gesundheitlich fast zugrunde gerichtet. Letztlich konnte er mithilfe der Kirche nach Brasilien flüchten. Dort startete er eine zweite medizinische Karriere. Seine offenbar zum Schutz von Frau und Kindern geschiedene Ehe wurde nach dem Krieg erneut geschlossen, als seine Ehefrau und zwei Kinder nachkommen konnten. Sein Bruder Hans konnte dem nationalsozialistischen Massenmord ebenfalls durch eine Auswanderung nach Südafrika entkommen“, berichtet Pfeifer.

Der illustrierte Katalog zur Ausstellung mit dem Titel „Victor van der Reis (1889–1957). Bedeutender Mediziner – Sohn der Stadt Neuenhaus“, ISBN 978-3-9821831-2-1, ist für 17,90 Euro im Buchhandel oder per E-Mail an kontakt@emslandgeschichte.de zuzüglich Versandkosten erhältlich.