20.11.2020, 13:03 Uhr

Junge Union debattiert über das Zusammenleben mit dem Wolf

Europäischer Grauwolf. Foto: Konjer

Europäischer Grauwolf. Foto: Konjer

Grafschaft Der Wolf ist zurück - wie sieht ein sinnvolles Zusammenleben aus? Zu dieser Frage führte die Junge Union (JU) Niedergrafschaft kürzlich eine Online-Videokonferenz durch. Die Rückkehr des Wolfes bewegt viele Menschen, vor allem im ländlichen Raum. Denn dort kommt es vermehrt zu Konflikten, die es in der Form in den letzten hundert Jahren nicht gab.

Mit einem ausführlichen Einblick in die Biologie und das Verhalten des Wolfs leitete Dr. Dirk Wewers, Kurator des Tierparks Nordhorn, die Veranstaltung ein. Es wurde schnell klar: Der Wolf ist ein anpassungsfähiges und intelligentes Tier. Das wurde auch in den Beiträgen der weiteren Teilnehmer deutlich. Die Jägerschaft mit den Hegeringleitern Johannes Kramer und Gerold Büssis aus den bisher betroffenen Gebieten rund um Nordhorn-Range und Engden konnten nicht nur von einem veränderten Verhalten des Reh- und Damwilds berichten, sondern auch von vielen Sichtungen in den vergangenen Monaten. Klaus Metzner und Maike Kamphorst vom „Arbeitskreis Wolf Grafschaft Bentheim“ schilderten die aufkommenden Berührungspunkte zwischen Weidetierhaltern und dem Raubtier. Übereinstimmend konnten einige Aspekte des Zusammenlebens festgehalten werden. Der Wolf lerne schnell, dass ihm vom Menschen keine Gefahr drohe und gewöhne sich an dessen Präsenz. So würden Begegnungen am Tag und in der Nähe von bewohntem Gebiet häufiger. Eine Gefahr für den Menschen bestehe jedoch in der Regel nicht. Es sei daher wichtig die Verhaltensregeln zu beachten und den Wolf keinesfalls zu füttern oder gar berühren zu wollen.

Um den Schutz von Weidetieren zu erhöhen, fordert die JU den Landkreis Grafschaft Bentheim dazu auf, die Halter auf Fördermaßnahmen für wolfsabweisende Zäune hinzuweisen. „Das Land Niedersachsen übernimmt die Anschaffungskosten komplett. Solche präventiven Maßnahmen sollten alle Halter von Weidetieren nutzen, soweit die Installation einem vertretbaren Aufwand gegenübersteht. Die Zäune bieten keinen absoluten Schutz, halten aber den Großteil der Wölfe von einem Angriff auf Weidetiere ab“, meint die Vorsitzende Merle Deters..

Ein weiterer erforderlicher Schritt ist nach Meinung der Jungen Union die Definition des „günstigen Erhaltungszustandes“ und die Festlegung von Bestandsobergrenzen und -untergrenzen. Nur dann kann der Status des Wolfes in der FFH-Richtlinie vom Anhang IV „streng geschützt“ in den Anhang V „bedingt geschützt“ geändert werden. Unserer Ansicht sollte länderspezifisch eine Definition erfolgen, denn derzeit gibt es „Brennpunkte“ in einzelnen Bundesländern. Dort gibt es schon jetzt Gebiete, in denen die maximale Populationsdichte erreicht ist. Im Verhältnis dazu haben andere Länder noch keine nennenswerte Anzahl an Tieren.“ Das Warten, bis der Wolf sich im gesamten Bundesgebiet ausgebreitet habe, könne keine Option darstellen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) drücke sich hier vor einer Entscheidung.

„Langfristig ist die Regulierung der Wolfspopulation unausweichlich. Der Lebensraum für den Wolf ist endlich. Es muss auch für seinen Bestand eine Obergrenze gelten, wie es sie für jedes andere Wildtier gibt. Niemand möchte den Wolf ausrotten. Der Wolf ist zurück und er wird bleiben. Doch es ist notwendig, klar definierte Regeln zu formulieren, um ein sinnvolles Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf zu ermöglichen“, fasst JU-Vorstandsmitglied Matthias Bielefeld zusammen.

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