24.08.2020, 12:49 Uhr

Jugendliche in Bad Bentheim rappen mit Berliner Nico Hartung

Kreativ und musikalisch gingen die Teilnehmer beim Rap-Workshop an die Arbeit. Foto: privat

Kreativ und musikalisch gingen die Teilnehmer beim Rap-Workshop an die Arbeit. Foto: privat

Bad Bentheim Nachdem im Jugendtreff des Unabhängigen Jugendhauses Bad Bentheim (UJH) regelmäßig Deutschrap von Künstlern wie „Capital Bra“, „Kontra K“ oder „Haftbefehl“ zu hören ist und Rapper immer wieder in den vorderen Rängen der Charts vertreten sind, ist im UJH die Idee zu einem Rap-Workshop entstanden. „In letzter Zeit haben wir gemerkt, dass Deutschrap auch in unserem Jugendtreff immer mehr Platz einnimmt. Auch wenn Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter deutschlandweit sehr besorgt über den Inhalt der Texte sind, in denen Frauen objektiviert und Kriminalität glorifiziert werden – ein grundsätzliches Verbot bestimmter Rapper wäre kontraproduktiv. Deswegen haben wir uns entschieden, mit den Jugendlichen über Textinhalte ins Gespräch zu kommen. Dabei sind wir Pädagogen jedoch an unsere Grenzen gestoßen und so sind wir auf den Rap-Pädagogen Nico Hartung gekommen“, berichtet Jugendhausleiter Dennis Kley. Neben einem ersten Workshop im UJH mit den Jugendlichen hält Kley eine Fortbildung für Fachkräfte aus der Jugendarbeit für sinnvoll und will dieses Vorhaben zeitnah mit Berufskollegen thematisieren.

Blick in die Hip-Hop-Geschichte

Nico Hartung stammt aus Berlin und ist der Begründer des „Tuned“-Jugendrojektes. Er ist Sozialpädagoge und Sozialmanager, Lehrer und Tontechniker. Als Rapper „quadosch“, veröffentlichte er einige CDs und Songs. Mit seiner Erfahrung aus der Jugendarbeit kreierte er das Projekt mit dem Wunsch, „Soziale Arbeit und Spaß zu verbinden und gleichzeitig ein nachhaltiges Angebot zu schaffen“.

Ein erster Rap-Workshop mit Nico Hartung lief am vergangenen Wochenende im „Treff10“ mit insgesamt neun Jugendlichen. Zu Beginn wurde den Jugendlichen die Entstehung der Hip-Hop-Kultur erklärt, über die Anfänge in den 1970er-Jahren in den USA mit „Grandmaster Flash“ und über die Entwicklung in Deutschland zehn Jahre später mit Pionieren wie „Advanced Chemistry“ bis hin zu den Rap-Millionären aus der Gegenwart um „Capital Bra“.

Ein eigener Rap-Song entsteht

Dann standen Reim- und Rhythmusübungen sowie der Aufbau von Texten auf dem Programm, denn Ziel des Workshops war es, einen eigenen Song zu produzieren. „Inhaltlich haben wir uns für das Thema Krise entschieden und dann darüber gesprochen, welche Krisen wir bereits selber kennengelernt haben. Stichpunkte wie Gesundheit, Krieg und Familie dienten als Orientierungspunkte für unsere Texte“, erklärte Igor Ferenc (16) aus Bad Bentheim. Mithilfe von Nico Hartung und seinem mobilen Tonstudio wurden die Texte ins Mikro gerappt und aufgenommen, in zehn Tagen soll der Gruppe dann ihr erster eigener Rapsong aus Berlin zugeschickt werden. Da einige der Jugendlichen bereits im Vorfeld eigene Deutschrapsongs produziert hatten, nutze die Möglichkeit, diese Texte zu analysieren und den Jugendlichen ihre Möglichkeiten und Stärken aufzuzeigen.

Der 21 jährige Burak Katar arbeitet als Honorarkraft im Jugendtreff und will demnächst Soziale Arbeit studieren. Er kennt die UJH-Besucher und ihre musikalischen Idole und hat aus beruflichen Gründen an dem Workshop teilgenommen. „Hip-Hop und Deutschrap als Jugendkultur wirkt oft negativ behaftet, ich glaube jedoch, dass es eine hervorragende Möglichkeit ist, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und Beziehungen zu stärken“, ist Katar überzeugt.

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