Grafschafter Nachrichten
24.06.2019

Jazz-Bassist Avishai Cohen knüpft an frühere Großtaten an

Jazz-Bassist Avishai Cohen knüpft an frühere Großtaten an

Zwischen kontemplativer Ruhe und fiebrigem Aufbruch: Avishai Cohen. Foto: Andreas Terlaak

Den Namen Avishai Cohen tragen im Jazz zwei hochbegabte Musiker aus Israel. Nicht der Trompeter, sondern der Bassist legt jetzt ein neues Album vor. Es gehört zu den besten einer über 20-jährigen Laufbahn.

dpaBerlin Es beginnt mit 18 Sekunden Standbass-Solo, das neue Album des grandiosen israelischen Jazz-Bassisten Avishai Cohen.

Untypisch unbescheiden für einen Musiker, der sein enormes Talent eigentlich immer in das Zusammenspiel seiner Ensembles integriert und selbst gern bereitwillig zugunsten der Leistungen seiner Mitstreiter zurücktritt.

Und „Arvoles“ (Razdaz/ADA/Warner) hat tatsächlich wieder eine Menge an Qualität der hier versammelten fünf Musiker zu bieten. Im Prinzip ein Jazz-Trio-Album von Cohen, Elchin Shirinov (Piano) und Noam David (Schlagzeug), wird der Sound diverse Male um die Klangfarben von Björn Samuelsson (Posaune) und Anders Hagberg (Querflöte) erweitert.

Die zehn neuen Instrumental-Kompositionen von Avishai Cohen (49) - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen israelischen Trompeter - streifen nahöstliche Folklore, moderne Klassik, Latin und Pop, sie bewegen sich zwischen kontemplativer Ruhe und fiebrigem Aufbruch. Die Stücke erinnern damit an „Gently Disturbed“, das Trio-Album von 2008, mit dem der Bassist den internationalen Durchbruch schaffte und das zu den besten Jazz-Platten der Nuller-Jahre gehört.

Seit mehr als 20 Jahren ist Avishai Cohen mit teilweise spektakulär experimentierfreudigen, manchmal auch etwas seichten Aufnahmen als Bandleader aktiv (seine Alben mit Gesang sind nicht Jedermanns Sache). Der „Arvoles“-Vorgänger „1970“ (2017) wurde zu seinem bislang meistverkauften Studiowerk und brachte Cohen auch einem Pop-Publikum näher. Doch die neue Platte - der Titel bedeutet in der Sprache der sephardischen Juden „Bäume“ - geht wieder einen anderen Weg.

„Ich betrachte 'Arvoles' als neue Musik, die meine Welt der letzten paar Jahre spiegelt. Sie reflektiert, wenn man so will, ein anderes Merkmal meiner Persönlichkeit“, erklärt Cohen den veränderten Sound. „Hört man sich das letzte und das neue Album hintereinander an, bekommt man ein ganz gutes Gespür dafür, wer ich als Typ, Ehemann und als Vater bin.“ Er muss ein zwar nicht unkomplizierter, aber sehr netter Mensch sein...

„Man kann sagen, dass ich mich meinen Wurzeln wieder zuwende“, sagt Cohen weiter. „Aber das geschieht mit der Reife und der Vision, die ich in den letzten Dekaden gewinnen konnte. Nostalgie ist in ihrer besten Form das stärkste, romantischste, aufrichtigste und bittersüßeste Gefühl. Und ich finde, dass sie überall in der neuen Platte zu spüren ist...“ Modernität und Nostalgie - das ergibt auf „Arvoles“ eine überaus gelungene, kontrastierende Mischung.

Konzerte 2019/20: 26.09.2019 Braunschweig, Kultur im Zelt; 28.09. Weimar, White City Jazz; 29.09. Weimar, Masterclass; 03.12. Hamburg, Laeiszhalle, 04.12. Halle, Steintor Varietè; 06.12. Düsseldorf, Tonhalle; 26.04.2020 Wien, Wiener Konzerthaus; 28.04. Genf, Victoria Hall; 24.04.2020 Dresden

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