03.01.2022, 12:20 Uhr

Inventur im Tierpark: „Artenschutz wird großgeschrieben“

Erdmännchen, Faultiere und Frösche wurden bei der Inventur im Tierpark Nordhorn gezählt. Archivfoto: Henkenborg

© Henkenborg, Julia

Erdmännchen, Faultiere und Frösche wurden bei der Inventur im Tierpark Nordhorn gezählt. Archivfoto: Henkenborg

Nordhorn Zählen, messen, wiegen – Zum Jahreswechsel wurden im Tierpark Nordhorn alle Tiere gezählt. Über mehrere Tage wurde der gesamte Tierbestand gezählt, zum Teil auch gemessen und gewogen. Insgesamt über 2060 Tiere in über 100 verschiedenen Arten konnten so im Nordhorner Familienzoo gelistet werden. Dabei hat sich der Tierbestand im Tierpark auch 2021 verändert, berichten die beiden Kuratoren Dr. Heike Weber und Dr. Dirks Wewers, die zusammen mit den Tierpflegern die Inventur durchführen. Der Tierpark hat seine Artenschutzbemühungen deutlich ausgeweitet und beteiligt sich an neuen Erhaltungszuchtprogrammen, um diesen Tierarten eine Zukunft zu geben.

Am meisten herbeigesehnt war sicherlich im Februar 2021 der Einzug des Leopardenkaters „Baikal“. Ab diesem Jahr wird sich das Tierpark-Team um die stark bedrohten Amurleoparden kümmern und dafür einen neuen Gehegekomplex bauen. Im Vogelbereich konnte ein junges Paar der sehr seltenen und gefährdeten Blaulatzsittiche übernommen werden. Das Pärchen teilt sich Stall und Außenvoliere mit den Zweifinger-Faultieren, deren Zuchterfolge in Nordhorn legendär sind. Die Sittiche kommen ursprünglich aus Brasilien und gehören zu den Papageien.

Neue Tierarten gab es unverhofft und relativ spontan gegen Jahresende dann noch als Geschenk. Der langjährige Zooschullehrer Henny Grijpma überließ dem Tierpart knapp 400 Exemplare der stark gefährdeten Dreistreifen-Baumsteiger. Diese Froschlurchart stammt aus Ecuador und gehört zur Überfamilie der Pfeilgiftfrösche. Zusammen mit den Dorngespenstschrecken und Malaiischen Riesengespenstschrecken leben die Frösche zur Zeit noch hinter den Kulissen des Zoos.

„Wir müssen mal sehen, wo wir diese Tierarten in Zukunft am besten präsentieren können. Die Bauliste ist lang und an vorderster Stelle steht natürlich das Leoparden-Projekt“, erklärt Zoodirektor Nils Kramer.

Auch im ehemaligen Amphibienhaus gibt es neue Mitbewohner: Afrikanische Riesentausendfüsser, die Kongo-Rosenkäfer und Sungaya-Gespenstschrecken. „Wir sind besonders stolz, dass mittlerweile insgesamt 14 Tierarten, die wir präsentieren, in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) geführt werden“, freut sich Kramer. Dazu gehören unter anderem das Zwei-Fingerfaultier, der Totenkopfaffe oder der Kafue-Litschi Wasserbock. „Artenschutz ist eine der wichtigen Aufgaben von Zoos und rückt immer mehr in den Fokus – auch im Tierpark Nordhorn!“

Nicht nur bei den Wildtieren wird der Artenschutz großgeschrieben. Bei den seltenen Haustierrassen beteiligt sich der Tierpark an der Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Insgesamt 10 Rassen werden im Herdbuch beziehungsweise Zuchtbuch geführt und gezüchtet. Dazu zählen das Altdeutsche Schwarzbunte Niederungsrind, die Bunten Bentheimer Schweine und die Kraienkopp-Hühner. „Auch im neuen Jahr werden wir unsere Artenschutzbemühungen weiter ausbauen“, so der Zoodirektor. „Die Zoos stehen hier in großer Verantwortung und können den entscheidenden Unterschied machen!“