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10.07.2019, 12:08 Uhr

Imitator beherrscht 200 Tierstimmen

Pfeifen, Tschilpen, Tirilieren: Uwe Westphal aus Seevetal bei Hamburg kann Dutzende Vogelgeräusche von der Meise bis zur Möwe perfekt nachahmen. Nur ein skurriles Hobby? Nein!

Imitator beherrscht 200 Tierstimmen

Der Vogelstimmenimitator Uwe Westphal Foto: Peter Steffen

Von Christina Sticht, dpa

dpa Seevetal Er tschilpt wie ein Spatz, zwitschert wie eine Schwalbe und tiriliert wie eine Feldlerche: Uwe Westphal hat das Nachahmen von Vogellauten perfektioniert. Wer bei seinen Auftritten die Augen schließt, denkt, er sitze im Garten oder gehe am Waldrand spazieren.

Rund 130 Vogelstimmen beherrscht der 61-Jährige aus Seevetal in der Nähe von Hamburg, hinzu kommen etwa 70 weitere Tiere vom Frosch bis zum Schimpansen. Schon als Kind habe er begonnen, sich mit Katzen, Schweinen und Hühnern auf dem Hof seiner Großeltern zu unterhalten, erzählt der promovierte Biologe mit leiser Stimme. „Erst mal war es zweckfrei, jetzt geht es darum, Menschen zu begeistern.“

Privat sei er schüchtern, aber bei seinen Vorträgen eine „Rampensau“, verrät der kleine Mann mit Stirnglatze, Brille und Bart. Bei einem Auftritt in Laatzen bei Hannover kommt Westphal von den Heuschrecken zu den Grillen, Fröschen, Erdkröten, Heckenbraunellen, Buchfinken, Goldammern, Dompfaffen, Igeln, Feldlerchen, Rauchschwalben, Mehlschwalben und Mauerseglern. Neben dem Hörerlebnis vermittelt er Tipps für die Vogelfütterung im Garten, Fakten zum Insektensterben und jede Menge verblüffende Anekdoten.

Zunächst arbeitete er für Naturschutzverbände und schrieb für diverse Zeitschriften. Seine TV-Karriere startete mit einem Auftritt in einer Talkshow von Frank Elstner, auch bei Stefan Raab war der Vogelfreund mit dem trockenen Humor häufiger zu Gast. Im September wird er bei „Planet Wissen“ im WDR als Experte zu sehen sein. „Beim Fernsehen gibt es immer Sonderwünsche. Da habe ich mich auch schon in einen Baum gesetzt oder vorher den Tasmanischen Teufel eingeübt“, erzählt Westphal. Das Raubtier knurre, fauche und schreie furchteinflößend.

Seine Stimme nutzt er als Instrument: Er flötet, pfeift durch die Zähne, trillert mit Zunge und Gaumenzäpfchen. „Es ist ein Traumjob“, meint der 61-Jährige. Die Zuhörer meldeten zurück, dass er ihnen eine Auszeit vom Alltag beschere. Bei Senioren weckt er oft Erinnerungen. Wissen vermitteln will er bei seinen Führungen im Hamburger Umland oder im Biosphärenreservat Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern.

„Die Artenkenntnis geht in allen Bevölkerungsschichten zurück“, sagt Marius Adrion, Referent für Vogelschutz beim Naturschutzbund (Nabu) Deutschland. Westphal sei es hoch anzurechnen, dass er auf lustige Weise Aufmerksamkeit für Vogelkunde und Vogelstimmen erzeuge. „Man möchte nur das schützen, was man kennt und liebgewinnt“, erklärt Adrion.

Früher gab es im Rhythmus des Vogelgesangs gesprochene Merkverse sowie unzählige Verben, um ihn zu beschreiben. „Die Nachtigall schlägt und schluchzt, der Rotschenkel jodelt, der Kleiber lacht, die Silbermöwe jauchzt“, zählt Westphal auf. Die melodiösen Gesänge haben im Frühjahr die Funktion, das eigene Revier anzuzeigen und Weibchen anzulocken. Rufe etwa zum Warnen sind ganzjährig zu hören.

Seine Sommerpause will der Imitator nutzen, um sein neuntes Buch vorzubereiten. Mitte August starten wieder Vogelstimmen-Performances und Naturführungen. Muss er in der auftrittsfreien Zeit seine Stimme trainieren wie ein Opernsänger? „Ich nehme mir selten gezielt eine Art vor“, sagt er. „Die Pfeiftechniken übe ich allerdings ständig nebenbei - zum Beispiel trillere ich im Auto oder im Badezimmer unterschiedlichste Melodien, gern auch mal Weihnachtslieder - selbst im Hochsommer.“