11.11.2020, 09:43 Uhr

IHK fordert Finanzhilfen für die Gastronomie

Motiv aus einer ganz anderen Zeit. Foto: Vennemann

Motiv aus einer ganz anderen Zeit. Foto: Vennemann

Osnabrück Seit dem 2. November gilt ein erneuter Lockdown für die Tourismuswirtschaft. Für einen ganzen Monat sind die Restaurants geschlossen und touristische Übernachtungen verboten. Die politische Entscheidung zum faktischen Berufsverbot ist für die Branche allerdings nicht nachvollziehbar. „Statt den Menschen persönliche soziale Kontakte in kontrolliertem Rahmen zu ermöglichen, ist zu erwarten, dass sich diese verstärkt in den privaten und de facto nicht kontrollierbaren Bereich verlagern werden“, sagte der Ausschussvorsitzende, Freiherr Friedhelm-Wilhelm von Landsberg-Velen in der jüngsten Sitzung des IHK-Fachausschusses Tourismus. Bestraft würden alle Betriebe, die durch vorbildliches Verhalten und Investitionen in Hygienemaßnahmen in der Krise Vertrauen bei ihren Gästen aufgebaut hätten. Die angekündigten finanziellen Hilfen seien nur ein schwacher Trost – ungewiss sei, wann diese ausgezahlt würden, beziehungsweise wer tatsächlich antragsberechtigt sei. „Die Bundesregierung, insbesondere der Wirtschaftsminister, hat uns kurzfristige Hilfe zugesagt, da darf jetzt niemand auf der Bremse stehen“,erläutert von Landsberg-Velen weiter.

Schon jetzt befinde sich der weitaus überwiegende Teil der Betriebe in einer finanziell schwierigen Lage, wie die IHK-Saisonumfrage belege. „Fast 90 Prozent sorgen sich um die finanzielle Situation, gut ein Drittel der Unternehmen im Gastgewerbe berichtet von Liquiditätsengpässen“, berichtete Anke Schweda, IHK-Geschäftsbereichsleiterin für Standortentwicklung. Zu berücksichtigen sei, dass es sich bei diesen Zahlen noch um eine Einschätzung von Ende Oktober handle, also bevor der nunmehr zweite Lockdown gegriffen habe. Die Wahrscheinlichkeit von Insolvenzen steige durch die erneute Schließungsanordnung nun wesentlich an.

Eine ganze Branche sorgt sich um ihre Zukunft. Zurzeit ist für die meisten Hotels ein wirtschaftlicher Betrieb nur mit Geschäftsreisenden – also ohne Wochenendgäste und Touristen – und aufgrund der gestiegenen Kosten nicht möglich. Dennoch blieben Betriebe bewusst geöffnet, wie die Diskussion unter den Ausschussmitgliedern zeigte. „Sie erbringen im Lockdown unverzichtbare, systemrelevante Dienstleistungen, etwa für Geschäftsreisende. Wenn aber Straßenbauer, Ingenieure und andere geschäftlich Reisende keine Unterkünfte mehr finden, kommen andere systemrelevante Wirtschaftsbereiche wie die Energieversorgung zum Erliegen“, ist Landsberg-Velen überzeugt. Zugleich wachse die Sorge, dass gerade diese Betriebe für ihr Engagement im Nachhinein bestraft würden, wenn die eigenen Umsätze auf die angekündigte außerordentliche Wirtschaftshilfe angerechnet würden. In derselben Situation befinden sich die geschlossenen Restaurants, die aktuell nur einen Außer-Haus-Verkauf anbieten dürfen. Anders als im Frühjahr bleiben deshalb in den kommenden Wochen viele Türen vollständig geschlossen.

Eine weitere Sorge treibt die Unternehmen der Tourismuswirtschaft um: Obwohl die Branche wie beispielsweise auch die Automobil- oder die Gesundheitswirtschaft Arbeits- und Ausbildungsplätze biete und Wertschöpfung erzeuge, werde sie von der Politik offenbar als Teil einer verzichtbaren Freizeitgestaltung anstatt als realer Wirtschaftsfaktor wahrgenommen. Aktuell nur diese Branche als sogenannten „Wellenbrecher“ gegen die Pandemie zu schließen, obwohl sie mit erprobten Hygienekonzepten und bereits umgesetzten Anpassungen alles Nötige unternommen habe, um der Verbreitung des Virus wirkungsvoll entgegenzuwirken, sei schlicht ungerecht.

Der aus ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern bestehende IHK-Fachausschuss Tourismus trifft sich dreimal jährlich. Seine Mitglieder tauschen sich regelmäßig mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft aus und erarbeiten Positionen für die IHK-Vollversammlung.

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