17.02.2021, 10:08 Uhr

IHK: „Brexit-Bürokratie belastet Unternehmen“

Der Brexit ist vollzogen und beschert vielen Unternehmern einen bürokratischen Mehraufwand. Foto: dpa

Der Brexit ist vollzogen und beschert vielen Unternehmern einen bürokratischen Mehraufwand. Foto: dpa

Osnabrück Franz-Josef Paus, Vorsitzender des Fachausschusses Außenwirtschaft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim, und Dr. Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der deutsch-britischen Industrie- und Handelskammer (IHK), haben sich vor Kurzem in einer Video-Sitzung zu den bisherigen Folgen des Brexit geäußert. Darin kritisieren sie unter anderem einen erhöhten bürokratischen Aufwand und mangelnde Regelungen beim Thema Datenschutz.

Größerer Aufwand durch Zolldokumente

„Mit dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus EU-Zollunion und -Binnenmarkt ist in Europa eine neue Grenze entstanden. Dadurch sind bei der Ein- und Ausfuhr Zollformalitäten zu erledigen. Daran ändert auch das Handels- und Kooperationsabkommen (TCA) über die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich nichts. Auf Unternehmen kommt daher im Handel mit dem Vereinigten Königreich erhebliche Bürokratie zu, allein schon durch die Zolldokumente“, erläutert Paus. Die gute Nachricht sei, dass das Abkommen zumindest sicherstelle, dass der Warenverkehr zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich für Ursprungswaren der beiden Vertragspartner nicht zusätzlich durch Zölle belastet wird.

„Noch nicht alles läuft rund“

„Das Abkommen ist besser als nichts und kann als Grundlage für weitere Vereinbarungen dienen“, unterstreicht der aus London zugeschaltete Dr. Ulrich Hoppe. So seien Themen wie Datenschutz und Finanzdienstleistungen bislang noch gar nicht oder noch nicht abschließend geregelt. „Der Warenhandel leidet natürlich unter den neuen Zollformalitäten, die zusätzliche Kosten verursachen und die Waren verteuern“, erklärt der Leiter der Auslandshandelskammer und ergänzt: „In der Zollabfertigung ist festzustellen, dass die Systeme noch nicht rund laufen. Hier braucht es wohl noch eine gewisse Übergangszeit“. Noch nicht abzuschätzen sei, welche regulatorischen Kosten durch unterschiedliche Rahmenbedingungen, beispielsweise im Chemie-/Umweltbereich (REACH) oder der Pharmazie auf die Unternehmen zukämen.

Mitarbeiterentsendung erschwert

Auch die Erbringung von Dienstleistungen im Vereinigten Königreich werde künftig erschwert sein. „Die Entsendung von Mitarbeitern wird problematisch werden. Teilweise werden Visabestimmungen zu beachten sein“, warnt Hoppe. Tendenziell werde der britische Markt zwar etwas unattraktiver, aber dennoch dürfe Großbritannien mit seinen 66 Millionen Konsumenten von den deutschen Unternehmen nicht vernachlässigt werden.

Der aus ehrenamtlich tätigen Unternehmern bestehende IHK-Fachausschuss Außenwirtschaft trifft sich dreimal jährlich. Seine Mitglieder tauschen sich regelmäßig mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft aus und erarbeiten Positionen für die IHK-Vollversammlung. Weitere Informationen erteilt Frank Hesse von der IHK unter Telefon 0541 353-110 oder per E-Mail an hesse@osnabrueck.ihk.de.

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