23.07.2021, 14:00 Uhr

Ideenwerkstatt Alte Molkerei bietet Inspirationen

Das Interesse an dem Projekt ist groß. Foto: Gemeinde Emlichheim

Das Interesse an dem Projekt ist groß. Foto: Gemeinde Emlichheim

Emlichheim „Es gibt Gebäude, die aus ganz pragmatischen Gründen umgebaut werden. Und solche, die umgebaut und weitergenutzt werden, weil sie so besonders sind. Dazu zählt eindeutig die Alte Molkerei in Emlichheim“, mit diesen Worten brachte der Nordhorner Architekt Jan Lindschulte seine Begeisterung für das Projekt gleich zu Beginn der Ideenwerkstatt in der Alten Molkerei auf den Punkt.

Über 70 Personen waren der Einladung von Gemeindedirektorin Daniela Kösters gefolgt, um angeleitet durch Klaus Ludden vom Kommunikations- und Marketing-Unternehmen Pro-t-in GmbH in Lingen und Jan Lindschulte ihre Ideen und Vorstellungen für die zukünftige Gestaltung der Alten Molkerei einzubringen. Gemeinsam hatten die Gemeinde Emlichheim und die Kooperative Milchverwertung e.G als Eigentümerin des Gebäudes die Ideenwerkstatt initiiert.

„Einen Blick hineinwerfen, sich inspirieren lassen und Ideen sammeln“, beschrieb Daniela Kösters den Ansatz des Abends in ihrer Begrüßung und hob positiv hervor, dass sich ungewöhnlich viele junge Menschen im Vorfeld angemeldet hatten. Sie betonte, dass es ein solches Beteiligungsformat für ein nicht öffentliches Gebäude zum ersten Mal in der Gemeinde gebe und dankte den Eigentümern, dass sie sich darauf eingelassen haben.

Gerhard Reinink, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, zeigte sich erfreut über das hohe Interesse an dem Erhalt des Gebäudes und erklärte, dass dieses auch ein Anliegen der Eigentümer sei. „Bei so vielen, vielen motivierten Teilnehmern bin ich zuversichtlich, dass man dort etwas Neues entwickeln kann“, erklärte er.

Jan Lindschulte startete mit einem fachlichen Überblick über die Gebäudestruktur. „Wir würden hier nicht stehen, wenn das Gebäude nicht außerordentlich bemerkenswert wäre“, stellte er gleich zu Beginn fest. „Allein die Größe des Gebäudes und die räumlich beeindruckende, beidseitig belichtete ehemalige Produktionshalle sind außergewöhnlich. Die gekachelten Oberflächen erzählen von der Geschichte dieses Bauwerkes und erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Seine robuste Konstruktion ist gut erhalten und insofern insgesamt gut geeignet, um weiter genutzt und mit neuem Leben gefüllt zu werden.“ Allerdings genüge ein Gebäude allein nicht. Vielmehr brauche es auch engagierte Leute, die das Projekt mit Leben füllen. Ob Markthalle für regionale Produkte oder Lager- und Umschlagplatz für den Bioboten, ergänzt um Gastronomie und thematisch passende Events – Lindschulte sieht viele Möglichkeiten einer lebendigen Nutzung.

Das unterstrich auch die anschließende Ideensammlung: Klaus Ludden teilte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür in vier Gruppen ein und schickte sie auf einen „Gallery Walk“ durch das Gebäude: Im Keller, im Erdgeschoss und im ersten Stock sowie auf dem Außengelände waren Stationen aufgebaut, an denen die Gäste rund zehn Minuten verweilten, um ihre Ideen vorzutragen und zu dokumentieren. „Sehr ideenreich seien die Gäste gewesen“, resümierte Klaus Ludden anschließend. Trotz unterschiedlichster Ideen für Nutzungsansätze wie eine transparente Produktion, die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln, die Ansiedlung von Bäcker, Fleischer, Eisproduzent und Bierbrauer – in drei Punkten waren sich nahezu alle einig: Erstens sollen Grundsubstanz, Einteilung und Außenansicht des Gebäudes erhalten bleiben. Zweitens soll die Alte Molkerei zu einem Anziehungspunkt für Emlichheim und deutlich darüber hinaus werden. Und drittens ist auf jeden Fall eine multifunktionale Nutzung anzustreben. Darüber hinaus soll eine Verknüpfung mit touristischen (Radrouten, Vechte) und kulturellen Angeboten (Kunst, Kreatives) erfolgen.

Zum Abschluss bedankte sich Kösters im Namen der Gemeinde bei allen Akteuren: „Es hat sehr viel Spaß gemacht und es wehte am heutigen Abend ein frischer, kreativer Geist durch die alten Mauern“, stellte sie zum Schluss des Abends fest. Sie teilte mit, dass die gesammelten Ergebnisse im nächsten Schritt in eine Machbarkeitsstudie einfließen, die die verschiedenen Nutzungsvarianten aufzeigen und im Herbst vorgestellt werden sollen. Danach, auch hier waren sich Veranstalter und Gäste einig, müsse die Realisierung getragen sein von vielfältigen Akteuren und einer starken Gemeinschaft. Aus Sicht der Eigentümer und der Gemeinde sollten aber vor allem Ideen oder Kombinationen weiterverfolgt werden, die auch eine wirtschafliche Tragbarkeit in Aussicht stellen.

Gemeindedirektorin Daniela Kösters, Architekt Jan Lindschulte und Klaus Ludden Klaus Ludden von der Pro-t-in GmbH stellten das Projekt vor. Foto: Gemeinde Emlichheim

Gemeindedirektorin Daniela Kösters, Architekt Jan Lindschulte und Klaus Ludden Klaus Ludden von der Pro-t-in GmbH stellten das Projekt vor. Foto: Gemeinde Emlichheim

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