15.04.2021, 10:11 Uhr

Hospizhilfe unterstützt Gedenktag an die Corona-Toten

Mitarbeiter der Hospizhilfe haben Trostboxen und Trosttüten gebastelt, die individuell bestückt werden können. Foto: Hospizhilfe

Mitarbeiter der Hospizhilfe haben Trostboxen und Trosttüten gebastelt, die individuell bestückt werden können. Foto: Hospizhilfe

Nordhorn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum gemeinsamen Gedenken an die an Corona Verstorbenen aufgerufen. Die Hospizhilfe Grafschaft Bentheim unterstützt die zentrale Gedenkfeier für die Toten der Corona-Pandemie. Die Gedenkfeier wird am Sonntag, 18. April, um 12.50 Uhr im ZDF zu sehen sein.

„Corona hat neben den Einschränkungen im täglichen Leben die Situation trauernder Angehöriger noch einmal zusätzlich erschwert. Viele Menschen konnten vor allem im ersten Lockdown nicht bei ihren sterbenden Angehörigen sein. Beerdigungen finden häufig im kleinsten Kreis statt. Das tröstende Zusammensein danach ist auch kaum möglich, gleiches gilt für Besuche bei den Betroffenen. All das hinterlässt bei Trauernden unter Umständen tiefe Spuren“, berichten die Mitarbeiter der Grafschafter Hospizhilfe.

Vor diesem Hintergrund betont Anne Reimann, Koordinatorin bei der Hospizhilfe, die Bedeutung der Gedenkfeier für die Trauernden und sagt: „Wir halten es für sehr wichtig, dass der Bundespräsident mit dem Gedenktag die Aufmerksamkeit auf das Leid der Angehörigen lenkt, und unterstützen die Aktion gern. Denn wir sind nicht nur dafür da, schwerst kranken und sterbenden Menschen die letzte Zeit ihres Lebens ihren Vorstellungen entsprechend zu gestalten, genau hinzuhören und einfühlend zu begleiten. Wir sind ebenso für die Menschen da, die zurückbleiben und in ihrer Trauer Unterstützung suchen. Das gilt auch und erst recht in Zeiten der Corona-Pandemie.“

Anne Reimann hat auch gemeinsam mit den Mitarbeitern der Hospizhilfe überlegt, wie die Trauerarbeit aussehen könnte: „Es ist an jeden Einzelnen von uns, in dieser Zeit vertraute Rituale durch neue Rituale zu ersetzen. Ein Ersatzritual könnte zum Beispiel die Nutzung von Trauertüten oder Trostboxen sein, die die Mitarbeiter der Hospizhilfe entwickelten. Vieles geht gerade nicht so, wie wir es gewohnt sind, aber vieles geht, nur anders.“

Sterben in Zeiten von Kontaktbeschränkungen hinterlässt Zu- und Angehörige, die unter erschwerten Bedingungen trauern. Persönliche Kontakte zur engsten Trauerfamilie sind sehr begrenzt. Verabschiedungen am Sarg und Beerdigungen finden nur im kleinsten Rahmen statt. Persönliche anteilnehmende Worte von Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen und andere Menschen fehlen. „Dabei gibt es kaum etwas, was so gut tut wie eine liebevolle Geste, ein kurzer Händedruck, ein kurzer Moment „meine Hand auf deine Schulter“ oder eine Umarmung - so gut in Zeiten der Trauer. In der Grafschaft geschieht dies häufig bei der Einsargung oder bei der Kaffeetafel nach der Beerdigung. Das alles fehlt gerade sehr. Unsere Idee: Was nicht mehr geht wie sonst, geht vielleicht anders. Man muss sich nur trauen.Haben Sie Mut und lassen Sie die Trauernden nicht allein“, appellieren die Hospizmitarbeiter.

„Wir denken, es wäre eine schöne Geste, Trauernde und engste Angehörige nach der Einsargung oder Trauerfeier nicht einsam mit leeren Händen und Herzen nach Hause gehen zu lassen, sondern mit kleinen, tröstenden Impulsen, die sie sich in der Zeit danach immer mal wieder ansehen können. Diese Gedanken haben wir zum Anlass genommen und kleine Trostboxen und Trosttüten gebastelt, bewusst ohne Inhalt, damit sie ganz individuell bestückt werden können. In der Grafschaft gibt es in der Regel eine letzte Gelegenheit zur Verabschiedung in der Trauerhalle, dort könnten die Trostboxen beim Bestatter abgegeben werden. Auch nach der Beerdigung können diese Trostspender weitergeleitet werden oder man stellt sie selber vor die Haustür der Hinterbliebenen“, ergänzt Anne Reimann.

In die Trostboxen/Trosttüten kann etwas Selbstgebasteltes, ein Brief, kleine Erinnerungen, ein kleines Teelicht mit ein paar kurzen persönlichen Zeilen oder einer kleinen Geschichte gepackt werden. „Ein Teebeutel, der zur Tasse Tee einlädt, oder etwas Süßes, zum Beispiel eine Praline, vielleicht sogar die Lieblingsteesorte beziehungsweise Lieblingsschokolade des Verstorbenen. Ein Gutschein für einen Blumenstrauß, einen Spaziergang oder das Angebot für ein Telefongespräch (zum Beispiel ich rufe dich am…um…an). Ein Brief könnte zum Beispiel so formuliert werden: Wir erinnern uns gerne zurück .../Das ist uns in besonderer Erinnerung geblieben …/Das wünschen wir euch … oder In Gedanken zünden wir gemeinsam mit euch heute Abend diese Kerze an. Selbstbemalte Steine oder Blumenzwiebeln könnten mit der Bitte, sie später aufs Grab zu legen, eingepackt werden“, so Reimann abschließend.

In die kleinen Trostboxen (Durchmesser 8 cm, Höhe 6 cm) passen Geschenke wie zum Beispiel ein Teelicht, die Trosttüten sind zirka 14 x 20 cm groß und bieten durchaus Platz für eine Blume.

Die Trostboxen und Tüten zum Befüllen sind bei der Hospizhilfe Grafschaft Bentheim an der Neuenhauserstraße 74 in Nordhorn erhältlich. Nach Anruf unter der Telefonnummer 05921 75400 oder E-Mail an info@hospizhilfe.de werden diese gerne abholbereit zurechtgelegt.

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