Grafschafter Nachrichten
30.11.2020

Handwerkskammer Osnabrück: „Viele Gewerke brauchen Hilfe“

Handwerkskammer Osnabrück: „Viele Gewerke brauchen Hilfe“

Die scheidende Kammerjuristin Ortrud Lehmann (Zweite von rechts) mit ihrer Nachfolgerin Anna Brockhoff sowie Präsident Reiner Möhle (rechts) und Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt. Foto: Lehr

Osnabrück „Die Handwerkskammer wird gerade in solch schwierigen Zeiten als Dienstleister für unsere rund 11.000 Betriebe mit ihren fast 100.000 Beschäftigten auch in Zukunft gerüstet sein“, stellte Präsident Reiner Möhle anlässlich der Herbstvollversammlung der Handwerkskammer Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim fest. „In dieser größten Krise der Nachkriegszeit hat das Handwerk bewiesen, dass es für das gesellschaftliche Wohlergehen unabdingbar ist“, betonte Möhle. Die Handwerkskammer werde als Dienstleister für die Betriebe und ihre Beschäftigten der Region Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim auch in Zukunft gerüstet sein.

Gewerke unterschiedlich stark betroffen

„Das Gesamthandwerk ist vergleichsweise besser durch die Krise gekommen als andere Wirtschaftsbereiche, jedoch leiden weiterhin viele Betriebe unter den derzeitigen eingeschränkten Geschäftsbedingungen“, resümierte Möhle. Dabei seien die Gewerke unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Region vermeldeten vor dem zweiten Stillstand eine gute beziehungsweise bessere Geschäftslage als im Vorquartal. Das sei aber vor allem dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe geschuldet, so Möhle. Besonders das Nahrungsmittelhandwerk, die Handwerke für den persönlichen Bedarf und die Gesundheitshandwerke berichteten von hohen Umsatzeinbußen. Und die Erwartungen für das kommende Jahr sind entsprechend pessimistisch. „Unsere betroffenen Betriebe brauchen jetzt die uneingeschränkte Unterstützung der Politik auf allen Ebenen“, forderte Möhle, der darauf hinwies, dass auch Betriebe, denen es derzeit noch gut gehe, schon bald von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sein könnten. „Wenn es der Industrie und anderen Wirtschaftsbereichen schlecht geht, bekommen wir das im Handwerk wenige Monate zeitverzögert zu spüren, weil die Aufträge ausbleiben.“

Ruf nach finanziellen Hilfen

Mit dem erneuten Teil-Lockdown mussten die Unternehmen zwar nicht im selben Umfang wie im Frühjahr schließen. „Dennoch ist der Wirtschaftszweig in diesem Jahr hart getroffen, sei es direkt, weil etwa Café- oder Imbissbereiche geschlossen werden mussten, oder mittelbar als Zulieferer oder Dienstleister von Unternehmen, die ihre Geschäfte einstellen mussten, berichtete der Handwerkskammerpräsident. Vor diesem Hintergrund forderte Möhle von der Regierung weitere schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung. „Die Politik muss die Bedürfnisse der kleinen und mittelständischen Unternehmen im Blick behalten, damit die kleinbetrieblichen Strukturen gerade bei uns im ländlichen Raum bestehen bleiben.“

Hoffnung auf das kommende Jahr

Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt zeigte sich zuversichtlich, die derzeitige Krise im nächsten Jahr zu überwinden. „Das Handwerk der Region ist robust aufgestellt und wird sich in den kommenden Monaten den Auswirkungen der pandemiebedingten negativen Entwicklungen trotzen, sofern Bund, Land und Kommunen gemeinsam agieren, um Arbeits- und Ausbildungsplätze in unserer Region zu erhalten.“ Der Kammerchef verwies auf die zusätzlichen bereitgestellten Mittel des Landes in Höhe von rund 800.000 Euro für die überbetriebliche Lehrlingsausbildung, die den Betrieben im Kammerbezirk direkt zugutekommt.

Mit „Standing Ovations“ wurde nach 36-jähriger Tätigkeit die Kammerjuristin Ortrud Lehmann in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Nachfolgerin Anna Brockhoff wurde einstimmig als neue Geschäftsführerin gewählt.

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