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25.03.2020, 17:28 Uhr

Hamburger „Elbschlosskeller“ wird zur Suppenküche

Der Hamburger „Elbschlosskeller“ auf St. Pauli bezeichnet sich selbst gern als die härteste Kneipe Hamburgs. Eigentlich 24 Stunden am Tag geöffnet, musste sie nun wegen Corona erstmals schließen. Aber nicht lange. Denn der Wirt der harten Kneipe hat ein weiches Herz.

Daniel Schmidt: „Ich werde gebraucht, also bin ich da.“. Foto: Christian Charisius/dpa

Daniel Schmidt: „Ich werde gebraucht, also bin ich da.“. Foto: Christian Charisius/dpa

Von Carola Große-Wilde und Christiane Bosch, dpa

dpa Hamburg „Wer eine warme Suppe haben möchte, muss heute leider etwas länger warten“, hält Wirt Daniel Schmidt eine kleine Ansprache an die Wartenden. „Kleidung und Brote werden schon jetzt verteilt“, ergänzt der 35-Jährige mit den kurzen Haaren und den markanten Tattoos an Kopf und Hals.

Schon lange vor der Essensausgabe um 12 Uhr hat sich vor seinem „Elbschlosskeller“ direkt an der Reeperbahn eine lange Schlange von Menschen gebildet - immer in einem Sicherheitsabstand von zwei Metern, wie es sich in der Corona-Krise gehört. Sie alle warten auf einen Teller warme Suppe oder einen neuen Pullover oder eine Jacke aus der Kleiderkammer.

„Wer, wenn nicht wir“ - unter diesem Motto hat sich die Hamburger Kultkneipe „Elbschlosskeller“ in der Corona-Krise in eine Suppenküche und Kleiderkammer für Obdachlose verwandelt. „Die Schwächsten in unserer Gesellschaft bekommen derzeit nicht die Hilfe, die sie brauchen“, sagte Daniel Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Bereits am Wochenende hatte er damit begonnen, mit Freunden Essen, Trinken und Kleidung an Bedürftige zu verteilen. „Ich bin positiv überrascht, wie der Kiez zusammenhält“, meint der 35-Jährige auch mit Blick auf die vielen Spenden von Menschen aus dem Stadtteil St. Pauli.

Schon zu Beginn der Hilfsaktion waren etwa 220 Kilogramm Lebensmittel zusammengekommen. Während der Ausgabe der Lebensmittel, Jacken, Decken, Kissen und Schlafsäcke hatte zeitweise auch die Polizei kontrolliert, ob die zwei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden. „Es gibt so viele Leute, die jetzt nicht wissen, wo sie hin sollen“, erzählt der Wirt.

Schon immer gehörten auch Arme und Menschen am Rande der Gesellschaft zu seinen Gästen. „Wir haben auch schon oft Obdachlose bei uns übernachten lassen“, sagt der 35-Jährige, der sich um den reibungslosen Ablauf vor Ort kümmert, während seine Frau Susanne die Anfragen zuhause entgegennimmt.

Spontan hat sich auch sein Freund Markus Tuschy von der nahegelegenen „Hidden Kitchen“ bereit erklärt, zu helfen. „Es gibt viele Menschen, denen es noch schlechter geht als mir“, sagt der Koch, den die Krise arbeitslos gemacht hat. „Bevor ich einfach zuhause rumsitze, helfe ich lieber“, sagt Tuschy, während er das Gemüse für die Kartoffelsuppe schneidet, die es heute Mittag gegeben soll. „Mit Würstchen natürlich, damit die Jungs auch etwas auf die Rippen bekommen“, lächelt er. Seine Kühlzellen sich noch gut gefüllt, ein Freund hilft ihm beim Schnippeln. „Aber Hilfe können wir immer gebrauchen“, ergänzt er. Wer helfen möchte, kann sich über die Facebook-Seite des „Elbschlosskeller“ melden.

So wie Melanie Müller und ihre Freundin aus Pinneberg, die gerade Kleidung vorbeibringen. „Wir haben den Aufruf gelesen und uns auf den Weg gemacht“, sagt die 33-Jährige. Oder Maria, die sonst als Barkeeperin arbeitet, und nun im „Elbschlosskeller“ die Kleider sortiert. „Statt Zuhause zu sitzen, helfe ich hier gerne“, sagt die gebürtige Griechin. Die Kneipe ist schon gut mit Kleidung gefüllt, an der Theke schmieren zwei weitere Helfer Brote. Natalia aus Polen verteilt die Kleidung an die Wartenden. „Es ist schön, dass es Menschen gibt, die auch an andere denken“, sagt Daniela, die in der Reihe steht. „Sonst wüsste ich gar nicht, wie es weitergehen soll.“