01.09.2023, 16:12 Uhr

Störche

Gutes Jahr für Meister Adebar

107 Jungstörche haben in diesenm Jahr in der Grafschaft ihre Nester verlassen. Foto: Wilfried Jürges

107 Jungstörche haben in diesenm Jahr in der Grafschaft ihre Nester verlassen. Foto: Wilfried Jürges

Die erfolgreiche Brut von Weißstörchen in der Grafschaft Bentheim werten Experten immer noch als kleine Sensation. Im Jahr 2007 siedelten sich erstmals Freiflieger auf der Afrikascheune im Familienzoo im Grünen an. Die letzte Brut in der Grafschaft lag damals immerhin über 75 Jahre zurück. Da die Jungstörche ihre Nester nun alle verlassen haben, hat der NABU Weißstorchbetreuer, Wilfried Jürges, seinen Abschlussbericht für das Jahr 2023 vorgelegt.

60 Störche ausgeflogen

Allein im Tierpark Nordhorn sind insgesamt 60 wilde Jungstörche ausgeflogen. In der großen ausladenden Eiche zwischen Totenkopfaffengehege und Wolfsanlage haben insgesamt 16 Paare ein Nest gebaut. 29 Jungtiere konnten in diesen Nestern erfolgreich bis zum Ausflug von den Eltern betreut werden. In inzwischen 22 weiteren Bruten auf dem Tierparkgelände sind weitere 31 Jungtiere erfolgreich aufgezogen worden. Die meisten der Nester befinden sich in Bäumen. Lediglich zwei Dach-Nistplätze sind auf dem Zoogelände zu finden. Zum einen das Nest der ersten Freiflieger auf der Afrikascheune in der Nähe der Cafeteria und zum anderen das bekannte Nest auf dem Vechtehof. Dieses Paar ist als einziges Paar ausgenommen von der Zählung des Weißstorchbetreuers.

Nahrung auf Wiesen und in Feuchtgebieten

„Die Störche auf dem Vechtehof werden von den Mitarbeitern des Tierparks gefüttert“, so Wilfried Jürges. „Das Storchenweibchen Oma ist eine alte Zoostörchin, die nicht auf den Zug in den Süden geht und nicht gelernt hat selber Futter zu suchen, weshalb sie und ihr Partner nebst Jungtieren versorgt werden“, ergänzt der Experte. „Oma“ schlüpfte 1999 im Tierpark Nordhorn und wurde mit ihrem ersten Partner zusammen nach Fertigstellung des Vechtehof-Gebäudes dort angesiedelt. Zu einer Zeit, als es noch keine Storchenpopulation im Tierpark gab. Sie ist auch der einzige echte „Tierparkstorch“, alle anderen Störche sind Wildstörche. Als diese werden sie nicht zugefüttert, sondern müssen sich ihre Nahrung zu 100 Prozent in den umliegenden Wiesen und Feuchtgebieten suchen. Ein echtes Schauspiel ist es, wenn wie jetzt aktuell alle Jungtiere ausgeflogen sind und große Weißstorchgruppen zum Beispiel nach der Feldbearbeitung gemeinsam auf die Futtersuche gehen, um sich für den Zug gen Süden ein gewisses Polster zuzulegen. In der Grafschaft Bentheim gab es so in den letzten Tagen häufiger Sichtungen von mehr als 60 Weißstörchen auf einem Feld. So bekam Landwirt Andre Koers-Klokkers 62 der großen Schreitvögel in Hohenkörben vor die Kamera und schickte das Foto an den Tierpark Nordhorn. Der überwiegende Teil der Nahrung besteht dabei aus Mäusen, Heuschrecken und anderen Insekten, die bei der Feldarbeit aufgescheucht werden und so leichte Beute sind.

47 Jungstörche an anderen Standorten

Aber natürlich gibt es auch außerhalb des Familienzoos Storchennester in der Grafschaft Bentheim. In diesem Jahr waren es insgesamt 26 weitere Standorte, die der Weißstorchbetreuer ausfindig machen konnte. Aus diesen Nestern sind 47 Jungstörche ausgeflogen. Wegen der vielen Gefahren auf ihrer Reise in den Süden werden von den 107 Grafschafter Jungtieren allerdings voraussichtlich die meisten das erste Jahr nicht überleben. Seit Jahren versuchen der Tierpark Nordhorn und der NABU Grafschaft Bentheim Weißstörche auch an andere Standorte in der Umgebung zu locken. Zahlreiche Nisthilfen wurden vom NABU mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer in der Grafschaft errichtet. „Es freut uns sehr, dass sich die Weißstörche mittlerweile auch an vielen anderen Standorten in der Grafschaft niederlassen, ein gutes Zeichen für die Renaturierung“, so Dr. Nils Kramer, Leiter des Tierparks Nordhorn. „Denn auch wenn die 38 Wildstorch-Nester im Zoo mit den 60 ausgeflogenen Jungstörchen ein beeindruckender Anblick sind, so wünschen wir uns doch, dass sich die Störche mehr in der gesamten Grafschaft verteilen und es nicht nur diese starke punktuelle Besiedelung gibt“, so Kramer weiter. „Als Tierpark haben wir uns deshalb von Anfang an gegen eine aktive Fütterung dieser Wildstörche entschieden. Die Natur muss selbst regeln, ob es ein gutes oder schlechtes Storchenjahr wird. Eine künstlich gestützte Population müssen wir verhindern.“ „Dem kann der NABU, dessen Wappenvogel der Weißstorch ist, nur zustimmen“, ergänzt Wilfried Jürges. Er hofft sehr, dass ihm auch zukünftig Privatpersonen Storchennester in der Grafschaft melden, um diese in sein jährliches Monitoring mit aufnehmen zu können.