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09.10.2019, 12:38 Uhr

Gut gemischte Jukebox: Die US-Rockband Twin Peaks

Wie ein gut gemischte Rock-Jukebox - so klingen die fünf Jungs der US-Band Twin Peaks auf Platte und im Konzert. Ihr einziger Nachteil: Internet-Suchen gestalten sich schwierig.

Gut gemischte Jukebox: Die US-Rockband Twin Peaks

Die Gitarrenmusik lebt: Twin Peaks. Foto: Cooper Fox/dpa

Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin Wer bei Google „Twin Peaks“ eingibt, erhält derzeit fast 70 Millionen Treffer. Die allermeisten dürften mit David Lynchs legendärer Fernsehserie zu tun haben - ein paar aber auch mit einer Rockband aus Chicago/Illinois. Und von der soll hier die Rede sein.

Twin Peaks wurden 2010 von den Highschool-Kumpels Cadien Lake James, Jack Dolan und Connor Brodner gegründet. Inzwischen ist daraus ein Quintett mit bereits vier Studioplatten, einem Live-Doppelalbum (2017) und einer Singles-Sammlung (2018) geworden. Ihr im September veröffentlichtes Werk „Lookout Low“ (Communion) stellt die Truppe nun auch auf deutschen Bühnen vor - sowohl die zehn neuen Songs als auch die Performance haben es in sich.

Die Band verbindet die Wurzeln des „Classic Rock“ mit der Energie des Punk und der Rotzigkeit jüngerer Indie-Garagenbands. Von den Allman Brothers, Rolling Stones und Neil Young über The Clash und Replacements bis zu den Strokes, Ty Segall oder Oh Sees - so in etwa. Als wenn eine richtig gute Rock-Jukebox ganz viele Lieblingslieder spielte.

Spürbar ist bei Twin Peaks auch eine stilistische Nähe zu Wilco, der wichtigsten Band aus ihrer Heimatstadt. Deren rund zehnminütiges Krautrock-Monster „Spiders (Kidsmoke)“ haben die Youngster erst kürzlich für einen Sampler des britischen Musikmagazins „Uncut“ gecovert.

Das gut besuchte Konzert im Berliner Club „Musik & Frieden“ zeigt Twin Peaks von ihrer besten Seite. Rund 90 Minuten lang rufen die fünf Jungs alles ab, was Rockmusik mit Gitarren heute immer noch reizvoll und interessant macht. Besonders Clay Frankel, der von den vier (!) Lead-Sängern die eindeutig beste Stimme hat und deswegen am häufigsten ans Mikro darf, erweist sich live als Urgewalt.

Das neue Songmaterial macht es Twin Peaks aber auch leicht, live zu glänzen. Die Lieder sind nach fast zehn Jahren Bandgeschichte von zuvor unerreichter Frische und Reife.

Der sumpfige Southern-Rock-Opener „Casey's Groove“, das entspannte „Laid In Gold“ mit Harmoniegesang, Kneipenklavier und Bläsern, „Unfamiliar Sun“ mit schönem Akustikgitarren-Intro und markantem Pianoriff, der mitreißende Funk-Track „Dance Through It“ - es sind starke Lieder, die Twin Peaks für „Lookout Low“ geschrieben haben.

Hier ist eine tolle Indierock-Band am Werk, von der man hoffentlich noch einiges hören wird. Gut möglich, dass sich die Zahl der Google-Treffer für „Twin Peaks“ demnächst deutlich erhöht - und dass es dann verstärkt mit den fünf Jugendfreunden aus Chicago zu tun hat.

Weitere Konzerte: 9.10. Hamburg, Molotow, 14.10. Köln, MTC