05.02.2021, 15:43 Uhr

Grüne und Linke fordern Katzen-Kastrationspflicht

Freigängerkatzen aus Privathaushalten stehen im Fokus. Foto: Konjer

© Konjer, Stephan

Freigängerkatzen aus Privathaushalten stehen im Fokus. Foto: Konjer

Schüttorf Die Einführung einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten hat die Gruppe Grüne-Linke für die Samtgemeinde Schüttorf beantragt.

Bereits 2018 hatte die Gruppe den Versuch unternommen, die Ratsmehrheit von dieser Maßnahme zur „Verhinderung von Tierleid“ zu überzeugen. Auch im letzten Jahr haben die Tierheime und privaten Auffangstationen für Katzen wieder ihre Kapazitätsgrenzen erreicht und konnten keine Tiere mehr aufnehmen. Die Vermittlungsquote von Fundkatzen beträgt hingegen nur einen Bruchteil. Katzen werden inzwischen nicht mehr nur im Frühjahr geboren, sondern mehrmals im Jahr. „Die Folgen der unkontrollierten, massenhaften Vermehrung sind viele kranke und hungernde Tiere, die zu Streunern werden. All diese Straßenkatzen stammen ursprünglich von Hauskatzen ab, die nicht kastriert wurden. Nur wenn alle Katzenbesitzerinnen ihre eigenen Katzen kastrieren lassen, vor allem, wenn diese Zugang ins Freie haben, kann die dramatische Anzahl der streunenden Katzen langfristig reduziert und Tierleid verringert werden“, erklärt Claudia Middelberg (Grüne).

Die Gruppe Grüne-Linke wünscht sich analog zum Deutschen Tierschutzbund die Einführung einer flächendeckenden, möglichst bundesweiten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten (Umsetzung von §13b Tierschutzgesetz). Zudem möchte die Gruppe, dass die Kostenübernahme für die ebenso wichtigen Kastrationen von frei lebenden Straßenkatzen und die damit verbundene nachfolgende Versorgung langfristig geklärt wird.

In Niedersachsen leben rund 200.000 Tiere (Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums) in freier Wildbahn. Viele von ihnen sind krank, ausgehungert, die meisten nicht kastriert. Die Folge: Die Streuner vermehren sich unkontrolliert weiter. Doch nicht nur frei lebende Katzen sind schuld an der Katzenschwemme. Nach Angabender Tierschutzorganisation Tasso sind in Niedersachsen rund 380.000 Hauskatzen registriert. Etwa 65.000 von ihnen sind nicht kastriert.

„Bislang kann man nur an alle Katzenfreunde appellieren, dass diese ihre Tiere rechtzeitig vor dem ersten Freigang vom Tierarzt kastrieren und am besten auch per Mikrochip kennzeichnen lassen. Eine Kastrationspflicht per Satzung, die für alle gleichermaßen gilt, würde aber für alle Bürgerinnen auch endlich die nötige rechtliche Klarheit bringen“, ist sich die Gruppe sicher. Für die Pflege von streunenden Tieren müssen eigentlich die Kommunen aufkommen. Zahlreiche Städte und Gemeinden in Niedersachsen haben auch deshalb mittlerweile eine Kastrationspflicht durchgesetzt. „Auch wir in der Samtgemeinde Schüttorf dürfen dieses Problem nicht weiter ignorieren. Wir müssen ehrenamtliche Helferinnen und Vereine, die angesichts der Größe des Problems längst an ihre Grenzen kommen, unterstützen. Deshalb stimmen Sie zum Wohle von Tier und Mensch unserem Antrag zu“, bittet Middelberg in Richtung der Ratsmehrheit.

Vor zwei Jahren stimmten die Mitglieder der Gruppe CDU/SL nämlich noch gegen diese Satzung. Schon damals unterstützte sowohl die Verwaltung als auch die Gruppe SPD/FDP den Antrag. „Die Probleme haben sich seitdem weiter verschärft. Damals begründete der CDU-Sprecher die Ablehnung damit, dass man eine Kastrationspflicht nicht lückenlos überprüfen könne. Das trifft jedoch auf fast alle Verordnungen und Gesetze zu. Niemand käme deshalb auf die Idee, keine Regeln mehr aufzustellen. Weiterhin wurde seinerzeit ohne Belege behauptet, man würde durch eine solche Verordnung keine Veränderungen herbeiführen können. Diese Aussage wird durch die Erfahrungen zahlreicher Kommunen mit Kastrationspflicht deutlich durch wissenschaftliche Untersuchungen und Zahlen widerlegt. Eine Lösung abzulehnen, aus Angst, dass sie hier nicht zum 100-prozentigen Erfolg führen könnte, insbesondere vor dem Hintergrund, dass keine besseren Alternativen vorgeschlagen werden können, ist nicht nachzuvollziehen“, heisst es von Seiten der Gruppe Grüne-Linke. „Nichtstun ist keine Option. Auch in Zukunft muss niemand befürchten, dass keine Katzen mehr zu bekommen sind. Die Tierheime werden auch in den kommenden Jahren viele Tiere zu vermitteln haben, die nur auf einen verantwortungsvollen neuen Besitzer warten“, sagt Middelberg abschließend.

Der Antrag wird voraussichtlich in der nächsten Ratssitzung auf der Tagesordnung stehen.