27.04.2021, 12:45 Uhr

Grafschafter Landwirte und Jäger: Gemeinsam gegen den Mähtod

Freuen sich über die gemeinsame Anschaffung einer Wärmebild-Drohne zur Wildtierrettung (von links): Hegeringleiter Jan Hindrik Wassink mit Hund „Eika“, Drohnenpilot Jahn Olthuis, Naturschutzbeauftragte Linda Molendyk, Friedhelm Lefers von der Grafschafter Volksbank und Herbert Raben von der Jagdgenossenschaft Grasdorf. Foto: Brink

Freuen sich über die gemeinsame Anschaffung einer Wärmebild-Drohne zur Wildtierrettung (von links): Hegeringleiter Jan Hindrik Wassink mit Hund „Eika“, Drohnenpilot Jahn Olthuis, Naturschutzbeauftragte Linda Molendyk, Friedhelm Lefers von der Grafschafter Volksbank und Herbert Raben von der Jagdgenossenschaft Grasdorf. Foto: Brink

Neuenhaus Mitten in der Brut- und Setzzeit, wenn viele Wildtiere in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs aufziehen, steht alljährlich die Frühmad an und gefährdet die Jungtiere. „Der natürliche Schutzreflex ,Ducken und Tarnen‘ schützt die Jungtiere zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Mäher“, verdeutlicht Anna Brink vom Landwirtschaftlichen Kreisverein Grafschaft Bentheim in Neuenhaus. Um den Mähtod bestmöglich zu verhindern, arbeiten Jäger und Landwirte Hand in Hand und haben gemeinsam eine Wärmebild-Drohne angeschafft. Die Grafschafter Volksbank in Neuenhaus unterstützt das Projekt, wie Geschäftsstellenleiter Friedhelm Lefers berichtet: „Wir haben uns gerne daran beteiligt. Der nachhaltige Schutz der Jungtiere und die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern hat uns sofort begeistert.“

Fliegender Helfer

Herbert Raben, Vertreter der Jagdgenossenschaft Grasdorf, erklärt, dass Jäger und Bewirtschafter sich in den vergangenen Jahren viel haben einfallen lassen, um den Mähtod zu vermeiden. Da Rehkitze in den ersten Lebenstagen noch keinen Eigengeruch haben, sei es schwer die Jungtiere mit den gut ausgebildeten Jagdhunden aufzuspüren. So habe seine Jagdgenossenschaft schon vor vier Jahren die Anschaffung von akustischen Wildrettern finanziert. „Diese werden an das Mähgerät angebracht und geben während der Mahd unangenehme Piepgeräusche von sich, um die Wildtiere aufzuschrecken“, erklärt Raben. Beunruhigung der Mähflächen durch Feuermelder, Hunde oder Flatterbändern seien schon eine große Hilfe. „Doch in den ersten Lebenswochen flüchten die Rehkitze nicht, sondern verfallen in eine Schockstarre, deshalb ist die Drohne eine super Errungenschaft“, stellt Raben fest.

Kleines Zeitfenster

„Wir sehen dieses Frühjahr als Testphase an, damit wir wissen, wie es organisatorisch abläuft, wie viele Helfer wir benötigen und wie die ganze Technik funktioniert. Im nächsten Jahr wird uns das hoffentlich in die Karten spielen“, erklärt Jahn Olthuis, der selber Jäger und bald auch Drohnenpilot ist. „Ein guter Startschuss, auf den wir auf jeden Fall aufbauen müssen“ betont der Hegeringleiter Jan Hindrik Wassink. Er weist darauf hin, dass das Zeitfenster für den Einsatz der Drohne sehr klein ist, da alle Landwirte etwa zur selben Zeit mit der wetterabhängigen Mahd beginnen. „Um alle Flächen vor der Mahd zu überfliegen reicht eine Drohne nicht aus“, ist sich auch die Naturschutzbeauftragte Linda Molendyk sicher. Sie fügt hinzu, dass es dafür vor allem genügend Leute braucht, die Zeit und Lust haben sich bei der Suche nach Jungtieren zu beteiligen.

Entscheidender Tageszeitpunkt

„Die Kamera zeigt mir auf dem Bildschirm die verschiedenen Temperaturunterschiede der Flächen an. Dabei sind wir ziemlich zeitabhängig, da auch der Boden und verschiedene Objekte Wärme speichern können“ berichtet Jahn Olthuis. „Am besten geht das früh morgens oder einen Abend zuvor, wenn der Boden noch kühl ist“, weiß der angehende Drohnenpilot. Sobald wie möglich will er einen entsprechenden Führerschein zum Fliegen der Drohne machen. Hegeringleiter Wassink wünscht sich, dass sich vier bis fünf Drohnenpiloten ausbilden lassen, damit sie sich die Einsätze im Frühjahr aufteilen können. „Außerdem möchte der Hegering in Funktechnik und die Jagdgenossen in zusätzliche Akkus investieren, um die Rettungen noch effizienter zu gestalten“, so Wassink. „Es ist ein guter Anfang und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sind sich alle Beteiligten sicher.

Kaum sichtbar schmiegt sich das Rehkitz ins Gras. Foto: Wassink

Kaum sichtbar schmiegt sich das Rehkitz ins Gras. Foto: Wassink

Auch Gelege von Bodenbrütern können mithilfe der Wärmebild-Drohne aufgespürt werden. Foto: privat

Auch Gelege von Bodenbrütern können mithilfe der Wärmebild-Drohne aufgespürt werden. Foto: privat

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