24.02.2020, 12:48 Uhr

Grafschafter Bürger Forum tritt Bündnis für Toleranz bei

Vor dem Hintergrund des mutmaßlich rechtsradikalen Anschlags in Hanau teilt das Grafschafter Bürger Forum (GBF) mit, dass man sich jetzt dem Bündnis für Toleranz angeschlossen habe.

Das Grafschafter Bürger Forum hat sich nun dem Bündnis für Toleranz angeschlossen. Bei der Veranstaltung „Nordhorn leuchtet“ (Foto) haben Nordhorner Bürger ebenfalls ein Zeichen für Toleranz gesetzt. Archivfoto: Hille

Das Grafschafter Bürger Forum hat sich nun dem Bündnis für Toleranz angeschlossen. Bei der Veranstaltung „Nordhorn leuchtet“ (Foto) haben Nordhorner Bürger ebenfalls ein Zeichen für Toleranz gesetzt. Archivfoto: Hille

Emlichheim „Mehr auf frustrierte Wähler zugehen“ empfiehlt das Grafschafter Bürger Forum der Politik und informiert in einer Pressemitteilung über seinen Beitritt zum Bündnis für Toleranz. Das GBF stehe in seinen Grundprinzipien zur demokratischen, freiheitlichen Grundordnung und verurteile „jede Art von Gewalt gegen Menschen und Eigentum“. „Die Angriffe und Morde rechtsradikaler Täter nehmen zu, ein Zeichen für die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft. Ganz aktuell trauern Familien in Hanau um ihre Angehörigen – mutmaßlich auch dort alle Opfer einer rechtsradikalen Tat“, so das GBF in einer Pressemitteilung.

Nach den dortigen Angriffen auf Menschenleben und den Ereignissen der letzten Monate sei es mehr denn je wichtig, sich dem unmenschlichen, rechten Gedankengut entgegenzustellen. Auch hochrangige Vertreter der AfD äußerten sich immer wieder fremden- und medienfeindlich und das teilweise „in unerträglicher Art und Weise“. Die von Vertretern der AfD immer wieder klar getätigten fremdenfeindlichen und rechtsgerichteten Aussagen sollen die Gesellschaft spalten. Man nutze die Ängste der Menschen für rechtes Gedankengut und trage so den Hass in die Gesellschaft.

Fremdenfeindlichkeit habe in der Grafschaft jedoch keinen Platz, betont das GBF. Die Grafschafter seien tolerante und friedliebende Menschen. Immer wieder hätten die Grafschafter „ein helfendes Herz für Menschen in Notlagen“ bewiesen. Die Lösung für die Probleme der Gesellschaft finde man „im Menschenschlag der Region sowie in der offenen und hilfsbereiten Lebenseinstellung“, denn hier werde Integration vielfach gelebt.

Das Grundverständnis des GBF sei es, sich „für den Erhalt der vielfältigen und friedfertigen Kultur und den Erhalt freier Presse“ stark zu machen. „Wir möchten deshalb friedlich, aber energisch der Intoleranz entgegentreten und unseren Teil dazu beitragen, unsere Grundwerte und die Freiheit der Bürger zu schützen. Falls es zu einem Parteitag der niedersächsischen AfD in Nordhorn kommt, wird sich das GBF am friedlichen Protest beteiligen. Wir haben uns daher dem Bündnis für Toleranz angeschlossen“, bekräftigt das Bürger Forum.

Man erkenne in der aktuellen radikalen Entwicklung aber auch Zeichen von Unzufriedenheit bei Bürgern mit den aktuellen Regierungsparteien. Es reiche nicht mehr, allein ein Bündnis für Toleranz zu schmieden. Den etablierten Parteien müsse klar sein, dass Menschen wieder „eine bessere Arbeit der Politik“ erwarten. Da sei aus Sicht des GBF noch „ordentlich Luft nach oben“ – vor allem auf Bundesebene. Niemand sollte sich der Diskussion mit den unzufriedenen Wählern verschließen oder sie gar ausschließen oder diskreditieren. Es sei wichtig, sich mit den Sorgen in dieser Wählergruppe zu beschäftigen, die Gründe für deren Wahlverhalten zu hinterfragen und mit diesen Menschen den Dialog suchen.

Zudem sollten die Menschen zukünftig über neue Formen der Mitbestimmung in die Entscheidungen besser eingebunden werden. Es reiche nicht mehr, den Bürgern ein Wahlprogramm zu präsentieren und nur bei Wahlen mitbestimmen zu lassen. Die Erwartungen der Menschen an die Politik seien heute größer. Bürger wünschten sich mehr Offenheit und Mitbestimmung auch abseits von Wahlen – speziell bei wichtigen Vorhaben. Auch wenn das deutlich mehr Aufwand bedeute, erhöhe das die Akzeptanz für Entscheidungen.

Beispiele neuer und kreativer Art der Bürgerbeteiligung seien zum Beispiel die Beteiligung zur Emlichheimer Dorfkernentwicklung oder auch die Beteiligung der Nordhorner Bürger zur Umgestaltung des Neumarktes. Die Diskussionen in Nordhorn seien „sehr gut“ angenommen worden, dafür habe es auch „viele positive Rückmeldungen“ der Bürger und eben auch gute Ideen und Anregungen gegeben. Von solchen Diskussionen profitierten Bürger und Kommunen gleichermaßen.

Das GBF lade die Grafschafter aber auch dazu ein, ihre Sicht und ihre Anliegen gegenüber der Politik „im direkten Kontakt“ zu äußern und hin und wieder eine Ratssitzung zu besuchen. Gerade in der Kommunalpolitik sei der Bürger „noch nah dran“ an den ehrenamtlichen Politkern. Zumindest beim GBF gehöre es dazu, sich auch mal „auf neue Blickwinkel und Anregungen“ einzulassen. Nirgends gehe der Kontakt zur Politik besser als vor Ort.

Ems-Vechte