20.12.2019, 11:30 Uhr

Grafschaft erhält Zuschlag für 5G-Pilotanwendung

Die kommende Mobilfunkgeneration 5G gilt als Schlüsseltechnologie. Nach der Versteigerung der 5G-Frequenzen strebt die Bundesregierung eine zügige Einführung des 5G-Mobilfunks an und hat dafür ein Innovationsförderprogramm auf den Weg gebracht.

Bundesminister Andreas Scheuer, Landrat Uwe Fietzek, eine Journalistin und der CDU-Abgeordnete Albert Stegemann bei der Übergabe des Förderbescheids. Foto: Dirk Michael Deckbar

© Dirk Michael Deckbar

Bundesminister Andreas Scheuer, Landrat Uwe Fietzek, eine Journalistin und der CDU-Abgeordnete Albert Stegemann bei der Übergabe des Förderbescheids. Foto: Dirk Michael Deckbar

Gemeinsam mit weiteren Partnern hat die Wirtschaftsförderung des Landkreises Grafschaft Bentheim ein 5G-Innovationsprojekt entwickelt und zur Förderung beantragt. Die Freude war groß, als Landrat Uwe Fietzek am Donnerstag in Berlin die Förderzusage aus den Händen von Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), entgegennehmen konnte. Ziel des vom Bund aufgelegten Innovationsprogramms ist es, Projektideen zu entwickeln, 5G-Anwendungen in Deutschlands Regionen zu erproben und zu erforschen. 5G verspreche enorme Impulse für die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen und fördere damit die Wettbewerbsfähigkeit der KMU in den Regionen, so das BMVI. „Wir haben großes Interesse daran, dass sich die Grafschaft vor dem Hintergrund des digitalen Strukturwandels frühzeitig in Stellung bringt. Ich freue mich sehr, dass wir mit unserem erfolgreichen Förderantrag direkt einen bedeutenden Meilenstein setzen konnten“, betonte Landrat Fietzek in Berlin.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann freut sich über die Förderung: „Das Emsland und die Grafschaft Bentheim haben sich mit ihren Projekten beim ,5G Innovationsprogramm‘ des Bundes unter 138 Antragsstellern durchgesetzt. Das ist der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zu einem modernen und flächendeckenden Mobilfunknetz in unserer Heimat. Nun gilt es das Projekt mit Leben zu füllen, damit am Ende auch eine Investitionsförderung des Bundes folgt. Dafür werde ich mich in Berlin einsetzen.“ „Bauprozessmanagement mit Building Information Modelling (BIM) mit 5G“ – so lautet der Titel der FuE-Projektskizze aus der Grafschaft, die in Berlin überzeugen konnte. Was zunächst sehr theoretisch klingt, hat einen ganz praktischen Hintergrund. Konkret geht es um das große „Wohnprojekt an der Kanalallee“ auf dem Gelände hinter Kaufland und Expert in Nordhorn. In zentraler Lage in Nordhorn entsteht dort auf einem ehemaligen Gewerbegebiet auf einer Fläche von circa sechs Hektar ein komplett neues Wohnquartier. Das Quartier wird federführend vom Bauunternehmen Büter aus Ringe gemeinsam mit der Stadt Nordhorn entwickelt. Das Investitionsvolumen für das städtebaulich bedeutende Vorhaben liegt bei rund 50 Mio. Euro. Die Planungen werden bereits in einem BIM-System vorangetrieben und damit digital gemanagt.

Das digitale Bauprozessmanagement BIM ist derzeit in aller Munde. Häufig genannte Vorteile sind beeindruckende Visualisierungen von Gebäuden und Animationen sowie ein effizientes, störungsfreies und kostengünstiges Bauen. Es gibt zahlreiche Anbieter von BIM-Systemen mit teilweise unterschiedlichen Leistungsumfängen. Die Kommunikation zwischen dem CAD des Planers, dem des Bauunternehmens und einem BIM-System klappt in der Regel bereits recht gut. Zum Datenaustausch werden in erster Linie Cloud-Lösungen eingesetzt. Allerdings ist die Kommunikation sehr einseitig – es wird viel im Büro geplant. Und es gibt wenig bis keine zeitnahe Rückmeldung des Baufortschritts von der Baustelle oder von den Gewerken. Ein enges und zeitnahes Bauprozessmanagement ist damit nicht möglich. Hier setzt das 5G-Innovationsprojekt der Grafschaft Bentheim an: Für das Bauprojekt ist vorgesehen, dass das BIM-Modell immer über die aktuellsten Daten der Baustelle verfügt. Hierzu muss der Baufortschritt engmaschig erfasst werden und alle Daten in Echtzeit in das BIM-Modell (zurück-) fließen. Das BIM-Modell der kompletten Baustelle befindet sich hierzu in der Cloud.

Die Herausforderung besteht dabei vor allem in der Übertragung großer Datenmengen, „Just-In-Time“ und kontinuierlich. Die Fortschrittsdaten auf der Baustelle werden über hochauflösende 3D-Scanner erfasst und sofort in das BIM-Modell übermittelt. Der Außenbereich wird systematisch mit Drohnen beflogen, im Innenbereich wird zunächst mit stehenden 3D-Scannern gearbeitet. Die Drohnen können sowohl automatische Routine-Befliegungen durchführen oder bei Bedarf vom Bürostandort des Bauunternehmens über 3D-Brillen oder Hololens gestartet und zu dem gewünschten Ziel gesteuert werden. Insbesondere bei der Steuerung kommt die kurze Latenzzeit von 5G zum Tragen. Es ist vorgesehen, in Zusammenarbeit mit der Breitbandgesellschaft des Landkreises und den Nordhorner Versorgungsbetrieben das Wohnquartier bereits in der Bauphase mit Glasfaser zu erschließen. Hierdurch sind die Voraussetzungen für die Anbindung der 5G-Versorgung bereits im Vorfeld geschaffen und jeder Haushalt in dem Gebiet profitiert von dem Breitbandangebot.

„Es ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, das wir da anpacken. Ein Stück weit stoßen wir das Tor zur Zukunft auf“, stellte Landrat Fietzek fest und zeigte sich hocherfreut, dass Berlin das mit rund 100.000 Euro kalkulierte Pilotvorhaben zu 100 Prozent fördere. „Wir können uns damit voll auf die inhaltliche Ausgestaltung des Projektes konzentrieren“, erläuterte der Landrat. Fietzek machte deutlich, dass der Landkreis auf verschiedenen Ebenen aktiv sei, damit die Grafschaft an der Mobilfunkversorgung angemessen partizipiere. „Die künftige Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Raumes hängt ganz wesentlich von einer funktionierenden und leistungsstarken Kommunikationstechnologie ab.“

Projektbeteiligte sind neben dem Landkreis Grafschaft Bentheim unter anderem die TU Dortmund, die Firma G. Büter Bauunternehmen GmbH aus Ringe, die Architektur GmbH Potgeter und + Werning, die Firmen Euregio Systems und ENO Telecom GmbH aus Nordhorn, die Stadt Nordhorn sowie die Nordhorner Versorgungsbetriebe GmbH. Die Federführung des mit Unterstützung der Grafschafter Wirtschaftsvereinigung zustande gekommenen Forschungsprojektes liegt bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises.