02.03.2022, 16:55 Uhr

Gleichstellungsbeauftragte machen auf Equal Pay Day aufmerksam

Der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Grafschaft Bentheim (von links): Ilona Milius (Gemeinde Wietmarschen), Beate Sleefenboom (Samtgemeinde Emlichheim), Linda Borchers (Landkreis Grafschaft Bentheim), Anja Milewski (Stadt Nordhorn), Anke Bartels (Samtgemeinde Uelsen) und Andrea Winter (Samtgemeinde Neuenhaus). Es fehlen Esther Maschmeier (Stadt Bad Bentheim) und Heike Schmale (Samtgemeinde Schüttorf). Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Grafschaft Bentheim (von links): Ilona Milius (Gemeinde Wietmarschen), Beate Sleefenboom (Samtgemeinde Emlichheim), Linda Borchers (Landkreis Grafschaft Bentheim), Anja Milewski (Stadt Nordhorn), Anke Bartels (Samtgemeinde Uelsen) und Andrea Winter (Samtgemeinde Neuenhaus). Es fehlen Esther Maschmeier (Stadt Bad Bentheim) und Heike Schmale (Samtgemeinde Schüttorf). Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Grafschaft Der Equal Pay Day am Montag, 7. März, steht deutschlandweit unter dem Motto „Equal Pay 4.0 – Gerechte Bezahlung in der digitalen Arbeitswelt“. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen sei zwar in den letzten Jahren langsam kleiner geworden, dennoch müsse aktuell eine Frau im Durchschnitt noch 66 Tage nach dem Jahresende weiter arbeiten, um das Jahresgehalt eines Mannes vom Vorjahr zu erreichen. Um auf den Equal Pay Day aufmerksam zu machen, flaggen die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Grafschaft Bentheim auch in diesem Jahr wieder vor den Rathäusern und der Kreisverwaltung.

„Durch die stetige Digitalisierung der Arbeitswelt kann diese positive Entwicklung weiter vorangetrieben, aber auch gefährdet werden“, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten. Die Digitalisierung sei sowohl eine Chance als auch ein Risiko. „Es ist notwendig, dass Frauen in der digitalen Arbeitswelt stärker berücksichtigt werden. Wenn wir diese Chance nicht nutzen, fallen wir wieder zurück“, so Linda Borchers, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Grafschaft Bentheim. Doch was hat die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern mit der Digitalisierung der Arbeitswelt zu tun?

Aspekte für die Lohnlücke

Gleich mehrere Aspekte können genannt werden, die einen negativen Einfluss auf die „Gender Pay Gap“, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, haben. Zum einen verstärkt das vermehrte Arbeiten im Homeoffice die traditionellen Rollenbilder: Üben beide Elternteile ihren Beruf zu Hause aus, bleibt die Familienarbeit oft in der Verantwortung der Frau. Außerdem entstehen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt komplett neue Branchen, die vor allem männlich dominierte Berufe beheimaten. Die Gleichstellungsbeauftragten sind sich einig: „Frauen müssen motiviert werden, sich auch an solche Berufsfelder heranzutrauen. Das fängt schon bei der Wahl der Ausbildung an. Wenn wir diesen Zug verpassen, bekommen Frauen in unserer Gesellschaft ein großes Problem.“

Ein weiterer Punkt sei, dass die Digitalisierung oft Weiterbildungen erfordere. Es sei aber längst bekannt, dass Frauen seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, da sie oft aufgrund zusätzlicher Familienaufgaben weniger Zeit haben. Zudem seien nach wie vor weniger Frauen als Männer in Führungspositionen tätig, sodass auch der Zugang zu entsprechenden Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen begrenzt sei. „Nehmen Frauen nicht an Weiterbildungen teil, bleibt ihnen die Tür zu neuen Berufsfeldern und Branchen verschlossen“, warnen die Grafschafter Gleichstellungsbeauftragten. Ebenso seien fast alle Start-ups im Bereich Digitalisierung von Männern gegründet worden. Ein Grund hierfür ist nach Ansicht des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten, dass die Zugangskriterien zu Gründungskapital für Frauen höher sind. Das habe zur Folge, dass die Lebenswirklichkeit von Frauen bei der aktuellen Entwicklung der digitalen Arbeitswelt kaum berücksichtigt wird.

Positive Effekte der Digitalisierung

Es gibt jedoch auch Aspekte der Digitalisierung in der Arbeitswelt, die sich positiv auf die „Gender Pay Gap“ auswirken können. Ein solcher Aspekt sei beispielsweise die Digitalisierung von körperlicher Arbeit. „Während beim Maschinenbau in der Vergangenheit noch alles mit Muskelkraft erledigt werden musste, kommt heutzutage modernste Technik zum Einsatz. Außerdem verändern sich viele Berufsbilder durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt. Auch Berufe, die häufig von Frauen gewählt werden, zum Beispiel im Einzelhandel und der Altenpflege, haben sich verändert. Da höhere Anforderungen auch zu mehr Bezahlung führen, müssen Frauen ermutigt werden, diese dann auch zu fordern“, führt Hendrika Busch vom Gleichstellungsbüro des Landkreises an.

Auch die Digitalisierung des Recruitings von Mitarbeiterinnen könne der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen entgegenwirken. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz sei eine gezieltere Ansprache, beispielsweise von jungen Frauen für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich, möglich. „Eine ausgewogenere Stellenbesetzung von Frauen und Männern fördert die Diversität der Unternehmen, welche nachweislich den unternehmerischen Erfolg steigert“, folgern die Teilnehmerinnen des Arbeitskreises.

Grundsätzlich sei festzustellen, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt gerade mitten in der Entwicklung steckt und dass sie kein Automatismus für Besserungen ist. Linda Borchers, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, ist sich sicher: „Die Digitalisierung der Arbeitswelt birgt Chancen und Risiken. Sie zu ignorieren wäre jedoch besonders für Frauen falsch.“

Konkrete Forderungen formuliert

Aus diesem Grund fordern die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Grafschaft Bentheim in diesem Jahr den gleichen Zugang zu Weiterbildungsangeboten für Frauen und Männer, mehr Frauen in Jobs im IT-Sektor und die Beteiligung von Frauen bei der Entwicklung und Umsetzung mobiler Arbeit. Weitere Forderungen sind, dass Algorithmen für Personalauswahl, Kreditfinanzierung und Gehaltsfestlegung nicht mehr diskriminieren und dass zusätzliche Qualifikationen sich in der Bezahlung widerspiegeln.

Alle Informationen zum Equal Pay Day sind auf der Homepage www.equalpayday.de zu finden.