23.11.2021, 09:05 Uhr

Gesunde Ernährung von Migrantinnen wird gefördert

Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim unterstützt Projekt für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte durch gemeinsames Kochen. Foto: Landkreis

Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim unterstützt Projekt für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte durch gemeinsames Kochen. Foto: Landkreis

Nordhorn Essen spielt in vielen Kulturen eine besondere Rolle. Gemeinsam essen gibt emotionale Sicherheit und stärkt den Zusammenhalt in der Familie. Bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sorgt der Verzehr einer bekannten Mahlzeit aus der Heimat dafür, sich weniger fremd zu fühlen und den Anteil der Identität zu stabilisieren. Diese positiven Auswirkungen hat die Diplom-Ökotrophologin und Ernährungsberaterin Yvonne Matthei von „QuEr Vital“ zum Anlass genommen, ein spezielles präventives Angebot für Migrantinnen und Migranten unter dem Titel „gesund und fit“ zu entwickeln. Die Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim hat dieses Projekt mit 2000 Euro gefördert. Die Idee kam von Javad Seif von der Freiwilligenagentur Grafschaft Bentheim. Er unterstützt Frauen mit Migrationshintergrund.

„Essen und Trinken wird in der Familie erlernt. Vor allem im Zusammenhang mit Migration und Integration kann Mahlzeiten eine wichtige, emotionale Sicherheit spendende Funktion zukommen“, erklärt Yvonne Matthei. Bedeutsam sei dies bei einem Wendepunkt in der persönlichen Biographie, einer herausfordernden Übergangssituation. „Diese löst Stress und das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung, Heimat und Verhaltenssicherheit aus. Für die Befriedigung dieser emotionalen Bedürfnisse können Lebensmittel mit entsprechender kultureller Wertigkeit von Bedeutung sein. Bekannte Gerichte können dazu beitragen, die empfundene Fremdheit zu verringern, das verlassene Zuhause zu vergegenwärtigen sowie entsprechende Identitätsanteile zu stabilisieren und auszuleben.“

Prestige von Zucker, Fleisch und Fett

Darüber hinaus haben Zucker, Fleisch und Fett in Entwicklungs- und Schwellenländern ein hohes Prestige, das negative Folgen nach sich zieht. Dr. Annegret Hölscher, verantwortlich für die Gesundheitsförderung im Landkreis Grafschaft Bentheim, verweist in diesem Zusammenhang auf die „Nationale Verzehrstudie II“ und die „DEGS1“ sowie den Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes: „Demnach hat sich eine unbefriedigende Ernährungssituation der Bevölkerung ergeben. Die Studien bestätigen, was jeder wahrnimmt: Insgesamt steigen die Zahlen für Übergewicht, Diabetes und verschiedene gastrointestinale Beschwerden. In manchen Migrantengruppen ist das Risiko für ernährungsbedingte Krankheiten höher als im Heimatland und sogar höher als in der deutschen Bevölkerung. Deshalb sollte das Ernährungsverhalten dieser Menschen stärkere Beachtung erfahren“.

Andererseits sei der Zugang der Migrantinnen zu bekannten Lebensmitteln, die für ihre gesunde Küche gebraucht werden, sehr gering. Genutzt würden im Alltag vielmehr ungesunde Lebensmittel. „Die tägliche, ausgewogene Ernährung ist aber ein wesentlicher Baustein eines gesunden und zufriedenen Alltags und hat großen Einfluss auf viele Lebensbereiche eines jeden Menschen, mit und ohne Einschränkungen. Essen und Trinken haben nicht allein die Funktion der Nahrungsaufnahme und somit der Zufuhr der essenziellen Nährstoffe. Sie dient wesentlich zum besseren Wohlergehen der Menschen bei und steigert damit die individuell empfundene Lebensqualität. Es gilt daher, die Selbstständigkeit und Teilhabe der Migrantinnen durch praxisnahe und realistische Hilfestellungen zu steigern.“

Das präventive Angebot „gesund und fit ®“ setzt auf Ernährungsaufklärung und ist ein kleiner Beitrag auf dem Weg der Integration. Entsprechend der Kompetenzen und Fähigkeiten der Zielgruppe in Sprache, Methodik und Didaktik wird so Verhaltensprävention möglich. „Im Projekt besprechen wir mit den Frauen, welche gesundheitsförderlichen Eigenschaften ihre jeweilige Esskultur hat. Wir informieren auch, welche Lebensmittelauswahl für eine gesunde Ernährung sinnvoll ist. Wir möchten in zehn Übungsabenden eine selbstbestimmte und gesundheitsgerechte Ernährung fördern“, betont Kursleiterin Yvonne Matthei. „Wir hoffen, dass die Frauen und Mütter ihr erworbenes Wissen mit in die Familien tragen und als Multiplikatoren agieren“, betont Dr. Annegret Hölscher vom Landkreis Grafschaft Bentheim.