18.10.2021, 15:00 Uhr

Gekonnte Beiträge beim Heimatabend begeistern Zuschauer

Die Bürgerfrau Herma alias Gislinde Holke bei ihrem wortreichen Auftritt. Foto: Benz

Die Bürgerfrau Herma alias Gislinde Holke bei ihrem wortreichen Auftritt. Foto: Benz

Gildehaus Man konnte es in den Gesichtern der 100 Zuschauer regelrecht ablesen, wie sehr die kulturellen Veranstaltungen den Menschen in der Lockdownzeit gefehlt haben. Unter dem Abendmotto „Pleseär in de Groafschup“ veranstaltete der VVV Gildehaus im Dorfgemeinschaftshaus Waldseite in Kooperation mit der Emsländischen Landschaft aus Meppen und dem Grafschafter Plattproater Kring einen geselligen und bunten Abend rund um die plattdeutsche Sprache.

In der Begrüßung hob Hans-Günther Benz, 1. Vorsitzender des VVV Gildehaus, besonders hervor, dass die niederdeutsche Sprache immer mehr zum Kulturgut werde, die es zu pflegen gelte. Noch vor 100 bis 50 Jahren war es fast normal, dass ein Großteil der Kinder bei ihrer Einschulung ausschließlich ihre „Muttersprache“ Plattdeutsch sprach und die hochdeutsche Sprache erst noch neu erlernt musste. Das ist heute komplett anders und die niederdeutsche Sprache gerät zunehmend in Vergessenheit. Auch Gesche Gloystein von der Emsländischen Landschaft und Albert Röttering vom Kring betonten in ihrem Grußwort die Wichtigkeit der Pflege des Plattdeutschen.

Mit Instrumental- und Gesangsstücken glänzten die Plattproater mit ihrer Band und Chor. Lieder wie: „Oh wat is’t moi in de Groafschup“, „Dat Hus met gröne Gewel“, „Et is alles bloß lehnt up disse Welt“, „n Bittern un ok Tee und Wind un Meer“ bewegten das interessierte Publikum das ein oder andere Mal zum Mitschunkeln und Lächeln.

Mit sehr viel Beifall wurde der Vortrag des 15-jährigen Julian Bus bedacht, der gekonnt die Geschichte „Modersproake“ vortrug. Julian ist über eine AG in der Gildehauser Grundschule zum Plattdeutsch gekommen und fühlte sich sichtlich wohl auf der Bühne.

Gertrud Stegemerten, die als Hobby plattdeutsche Geschichten schreibt, trug an diesem Abend zwei davon vor: Zum einen die Geschichte um Jan Bollmann, der mit einer Steueridentifikationsnummer zu kämpfen hatte und eine weitere mit dem Titel „Wat Opa un Enkel sik soa to vetellen hebbt.“

Die „Bürgerfrau Herma“ alias Gislinde Holke ist in Gildehaus bereits hinlänglich bekannt. Sie trug aus ihrem zirka zweistündigen Programm einen Ausschnitt von ungefähr 30 Minuten vor. Dabei spielte sie wortgewaltig und schlagfertig mit dem Publikum und bezog es immer wieder in direkter Ansprache mit ein. Als sie dann auf der Bühne einen Gesundheitstrunk des berühmten, früheren Dorfdoktors Aschendorf anbot, konnte jeder im Publikum feststellen, dass Medizin nicht schmecken, sondern helfen muss. Das Originalrezept wird heute noch beim Apotheker Deters verwahrt.

Mit Hermann Vos kann der Gildehauser VVV immer wieder auf einen exzellenten Redner zurückgreifen. Zum Nachdenken und gekonnt trug er die Geschichte „Oh, maakt nich alle Grund terecht“ vom Grafschafter Heimatdichter Karl Sauvagerd vor, und in einem zweiten Stück erzählte er von „De olle, nije Tied“.

Wie schon jedes Jahr bei den plattdeutsche Theaterstücken haben Lisa Schultwessel und Heiko Frentjen von der Gildehauser Spielschaar für maximale Heiterkeit gesorgt. In zwei kleinen Theaterstücken hatten sie Erlebnisse bei einem „Besök in eene Weartschup und mit „Fenna un Gerd in’t Theater“.

Die Geschichte „Den Kerktoarn van Gilhus“, der auf eine Sage aus dem Heimatbuch „Die gläserne Kutsche“ zurückgeht, wurde anschließend in gewohnter Souveränität durch Helmut Scholle vorgetragen. Weiter las er die Geschichte „Inparken is garnicht so licht“.

Nachdem es zur Pause bei einem gemeinsamen Gesang mit der Band ein kleines Missverständnis gab, wurde kurzer Hand das „Gildehauslied“ a cappella vom Publikum gemeinsam gesungen.

Das schöne Lied“ Gin moijer Land“ beendete dann das rundum gelungene Programm. Das Publikum forderte dann aber noch eine Zugabe, die die Musiker und Sänger des Plattproater Kring mit „Woastebroot un Spek“ zum Besten gaben.

Ems-Vechte