09.09.2022, 16:30 Uhr

Galerie wird zum „Denkraum für das Entstehen und Vergehen“

Beteiligt an der Gruppenausstellung ist auch der Künstler Egemen Demirci – hier eine Aufnahme seines Videos mit dem Titel „Spectator on White (Homage to Malevich)“. Foto: Städtische Galerie

Beteiligt an der Gruppenausstellung ist auch der Künstler Egemen Demirci – hier eine Aufnahme seines Videos mit dem Titel „Spectator on White (Homage to Malevich)“. Foto: Städtische Galerie

Vom 17. September bis zum 20. November zeigt die Städtische Galerie Nordhorn die Gruppenausstellung „Tabula Rasa/Terrain Vague“. Mit sehr unterschiedlichen Mitteln der Fotografie, der Zeichnung, der Malerei, des Videos, der Klangkunst und der Installation eröffnet die Ausstellung einen Denkraum für das Entstehen und Vergehen von Bildern, wobei die künstlerischen Medien in möglichst großer Bandbreite genutzt werden. Teilnehmende Künstler sind das Atelier Le Balto, Egemen Demirci, Armin Lorenz Gerold, Jarosław Kozłowski, Jeewi Lee, Hannah Schneider und Johanna Tiedtke.

Künstler widerlegen Konzept der Leere

Galerieleiter Dr. Thomas Niemeyer kündigt die Ausstellung wie folgt an: „Die Idee des Erschaffens von Kunstwerken geht traditionell oft von der Leere oder der Formlosigkeit aus, in oder aus der etwas entstehen kann. Die Künstler der Ausstellung widerlegen jedoch auf unterschiedliche Weise das Konzept der absoluten Leere. Auf die Geschichte der Kunst bezogen, ist die ,Tabula Rasa‘ heute vor allem in jener Bedeutung bekannt, die sie in der barocken Emblematik ausgebildet hat, wo sie entweder als unbeschriebenes Blatt oder als weiße Leinwand dargestellt wurde. Diese leere Fläche enthält das imaginäre Potenzial aller denkbaren Bilder und ist demnach ein Ausdruck kreativer Freiheit. Weitgehend ausgeblendet wird darin jedoch der ursprüngliche Wortsinn des Ausradierens, dass also Bestehendes auch vergeht, um Neuem Platz zu machen. Das ,Terrain Vague‘ bezeichnet Orte, deren einst vorhandene Funktion verloren ging oder aufgegeben wurde, die also inhaltlich entleert sind und die neu definiert, thematisch besetzt oder genutzt werden können. Umgekehrt könnte das ,Terrain Vague‘ aber auch ein Ort sein, der noch keine Funktion hat.“

Der Ort selbst diene Niemeyer zufolge für die Konzeption der Ausstellung als Ausgangspunkt und zugleich als Sinnbild: Der sprichwörtliche „Weiße Raum“ des 1997 von Stephen Craig entworfenen Ausstellungspavillons der Städtischen Galerie steht für den vermeintlich idealen, leeren Kunstraum, der sich mit jedem denkbaren Inhalt füllen lässt. „Gleichzeitig verfügt der Raum als tatsächlicher Ort und als Teil einer Kultureinrichtung längst über ein reichhaltiges Gedächtnis der vergangenen Ausstellungen sowie gesellschaftliche Beziehungen, welche die zukünftige künstlerische Arbeit Weise mit beeinflussen. Es geht also auch um die Frage, ob solch ein leerer idealer Raum überhaupt isoliert von der Stadtgesellschaft, deren Teil er als städtisches Haus ist, wahrgenommen werden kann“, erläutert Niemeyer. Einige Künstler wurden deshalb eingeladen, über den Galerieraum hinaus auch städtische Orte im Sinne des „Terrain Vague“ in ihren persönlichen Blick zu nehmen und dafür künstlerische Interventionen zu entwerfen. So entwickele die Ausstellung Niemeyers Einschätzung nach auch eine aktive Verbindung zwischen Kunstraum und Stadtraum.

Vernissage am 16. September

Die Eröffnung findet am Freitag, 16. September, um 19 Uhr in der Städtischen Galerie Nordhorn statt, einführende Worte sprechen Kerstin Spanke, Leiterin des Kulturreferats der Stadt Nordhorn, sowie Galerieleiter Dr. Thomas Niemeyer. Die Ausstellung „Tabula Rasa/Terrain Vague“ kann dann bei freiem Eintritt noch bis zum 20. November besucht werden. Die Galerie ist jeweils dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, sonnabends von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Sonntags um 11.30 Uhr können interessierte Besucher ohne vorherige Anmeldung an einer kostenlosen Ausstellungsführung teilnehmen. Ergänzend zur Ausstellung wird auch ein Katalog erscheinen, teilt die Galerieleitung mit.

Die Ausstellung wird durch die Stiftung Niedersachsen und durch das Land Niedersachsen gefördert.