14.04.2021, 10:15 Uhr

Fledermäuse brauchen ein Sommerquartier

Engagierte Schüler aus Bad Bentheim haben hier etwas gegen die akute Wohnungsnot der Flattertiere unternommen. Foto: BUND

Engagierte Schüler aus Bad Bentheim haben hier etwas gegen die akute Wohnungsnot der Flattertiere unternommen. Foto: BUND

Grafschaft Mit steigenden Temperaturen erwachen auch die Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf. Bei Anbruch der Dämmerung können sie wieder bei ihrer Jagd nach Mücken und Nachtfaltern beobachtet werden. Die heimischen Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten.

Der Bestand an Fledermäusen ist nicht nur vom Nahrungsangebot, sondern ebenso von den Schlafplätzen und Plätzen für die Kinderstube abhängig. So gibt es Fledermäuse, die sich ihre Quartiere in oder an Gebäuden suchen und Fledermäuse, die eher in ausgehöhlten alten Bäumen leben. Doch immer häufiger leiden unsere Nachtschwärmer an akuter Wohnungsnot.

Im März und April suchen Fledermäuse nach Sommerquartieren. Ab Mai begeben sich die Fledermausweibchen in die Wochenstubenquartiere. Dort kommen bis zur ersten Junihälfte die Jungtiere zur Welt, die bis Anfang August ausgewachsen sind.

Während dieser Zeit ziehen Fledermäuse häufig um: Über den Sommer hinweg können sie je nach Wetterlage und Bedarf unterschiedliche Quartiere benutzen wie Männchenquartiere, Paarungsquartiere und Wochenstuben. Deshalb sollte man ihnen - wo möglich - mehrere Quartiere anbieten, die zum Beispiel an den verschiedenen Seiten eines Gebäudes angebracht sind und daher zu unterschiedlichen Tageszeiten in der Sonne liegen oder an nahezusammenstehenden Bäumen. Im August beginnt dann die Paarungszeit. Im September suchen sie sich ein Winterquartier, wo sie von Oktober bis März ihren Winterschlaf halten. Quartiere können über Jahre hindurch immer wieder besetzt werden.

Geeignete natürliche Sommerquartiere für Fledermäuse fehlen allerdings zunehmend in unserer Landschaft und unseren Siedlungen: Alte, abgängige, häufig für Fledermäuse geeignete, Höhlen aufweisende Bäume werden gefällt, Schlupflöcher an Gebäuden werden verschlossen und nahrungsversprechende Biotopstrukturen wie blühende Wiesen werden seltener. Hinzu kommt der Einsatz von Insektiziden in Forst- und Landwirtschaft und im eigenen Garten. Dadurch bedingt ist das Vorkommen der geschützten Fledermäuse vielerorts gefährdet.

Schüler engagieren sich für den Naturschutz

Die Naturschutz-AG der Realschule Bad Bentheim, die aus interessierten Schülerinnen und Schülern der 5. bis 10 Klasse besteht, betreut seit vielen Jahren unter anderem unterschiedliche Biotope in Bad Bentheim und Umgebung, in denen sie bereits viele Artenschutzmaßnahmen für Vögel und Insekten umgesetzt hat. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Schlüters Kuhle in Bad Bentheim, der ehemalige Bornhalm´sche Steinbruch in Gildehaus sowie der Schulwald der Realschule in Quendorf.

In Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde nun ein weiterer Schritt zum Artenschutz in den von der AG betreuten Biotopen gemacht: Während einer Exkursion in die betreuten Biotope wurden geeignete Plätze für die Anbringung künstlicher Sommerquartiere ausgewählt. Dabei wurden bereits bekannte, von Fledermäusen besiedelte Örtlichkeiten bevorzugt und darauf geachtet, dass jeweils mehrere Quartiere lokal eine Einheit bilden. So wurden vor kurzem insgesamt 15 Sommerquartiere für Fledermäuse in den verschiedenen Biotopen angebracht. Die Fledermaussommerquartiere werden langfristig von den Schülerinnen und Schülern betreut. Zudem soll eine Fledermausexkursion im Frühsommer mit dem Bat-Detektor durchgeführt werden.

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung unterstützte die Naturschutz-AG und die Kreisgruppe des BUND bei der Beschaffung der künstlichen Sommerquartiere mit 700 Euro.

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