06.10.2020, 11:28 Uhr

Festival präsentiert Literaturklassiker in plattdeutsch

Hermann May und Maria Mönch-Tegeder während der Dreharbeiten auf dem Kulturschiff „Blaue Donau“ in Haren. Foto: Emsländische Landschaft

Hermann May und Maria Mönch-Tegeder während der Dreharbeiten auf dem Kulturschiff „Blaue Donau“ in Haren. Foto: Emsländische Landschaft

Meppen Im Rahmen des plattdeutschen Festivals „PlattSatt“ lud die Emsländische Landschaft zu Dreharbeiten für eine besondere Lesung auf das Kulturschiff „Blaue Donau“ in Haren ein. Maria Mönch-Tegeder und Hermann May hatten bekannte Literaturklassiker übersetzt und wollten diese einem Live-Publikum präsentieren. So war der Plan, bevor die Corona-Pandemie ausbrach. Alternativ wurde die Lesung nun unter der Überschrift „Groote Literatur op Platt“ vom Medienatelier Freren aufgezeichnet. Sie wird in zwei Teilen am 13. und am 14. Oktober auf die YouTube-Seite der Emsländischen Landschaft gestellt, wo sie jeweils ab 20 Uhr abrufbar ist. Zudem sendet die Ems-Vechte-Welle die Veranstaltung am Samstag, 24. Oktober.

Hermann May ist vielen Plattdeutsch-Fans als Autor bekannt. Seine Anthologie „Hüügen und Haefst“ wurde 2016 von der Hamburger Carl Töpfer-Stiftung als „Plattdeutsches Buch des Jahres“ ausgezeichnet, und auch als Rezitator ist der pensionierte Lehrer mit der ausdrucksstarken Stimme sehr gefragt. Maria Mönch-Tegeder ist Mitglied des Arbeitskreises „Platt in de Kerke“. In Kooperation mit dem Kirchenboten und dem Emsländischen Heimatbundes schreibt der Arbeitskreis plattdeutsche Kolumnen, die im Kirchenboten veröffentlicht werden. Die Lehrerin der Johannesschule Meppen führt zudem plattdeutsche Lesungen mit Texten zu geistlichen Themen durch.

Präsentiert werden in den beiden Filmen Auszüge aus Büchern, die wohl jedem bekannt sind: Am Dienstag, 13. Oktober, um 20 Uhr, wird der erste Teil der Lesung veröffentlicht. Hermann May und Mönch-Tegeder lesen mit verteilten Rollen aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“. Das Märchen über Liebe, Freundschaft und Verantwortung ist seit Generationen bei Kindern und Erwachsenen beliebt.

Die gemeinsame Lesung haben beide Beteiligten sehr genossen, auch wenn die Dreharbeiten zunächst etwas gewöhnungsbedürftig waren. „Vor zwei Kameras zu sprechen war für mich eine neue Situation und deshalb auch ein bisschen aufregend“, gibt Maria Mönch-Tegeder zu. „Die ruhige, professionelle Art des Kamerateams führte aber dazu, dass so etwas wie eine selbstverständliche Situation entstand – sehr beruhigend. Außerdem ist die „Blaue Donau“ eine tolle Kulisse. Herr May und ich haben zum ersten Mal gemeinsam eine plattdeutsche Lesung gestaltet. Die Zusammenarbeit war wirklich unkompliziert und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.“ Der aus Werlte stammende Hermann May ergänzt: „Die Herausforderung habe ich in erster Linie darin gesehen, dass ich ohne Publikum und damit ohne direktes Feedback lesen musste, damit fehlt einer Lesung schon die Lebendigkeit eines Live-Auftrittes. Zudem mussten die Texte an das Platt des Hümmlings angeglichen werden. Vergnüglich empfand ich die neue Erfahrung, eben nur mit Kameras zu arbeiten, wobei ich das Team als gut organisiert und professionell erlebt habe. Auch das gemeinsame Lesen mit Frau Mönch-Tegeder war erfrischend erfreulich.“

Am 14. Oktober liest die in Emsbüren lebende Maria Mönch-Tegeder aus Michael Endes „Momo“. Die Geschichte eines Mädchens, das mutig gegen Zeitdiebe kämpft, ist heute aktueller denn je. Hermann May präsentiert im Anschluss einen Auszug aus der Novelle „Der alte Mann und das Meer“, für die Ernest Hemingway 1962 den Literaturnobelpreis erhielt.

Eine Fortführung der Lesereihe können sich sowohl May als auch Mönch-Tegeder vorstellen: „Sollte es zu einer Neuauflage kommen, hätte ich Interesse, aus „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt oder aus Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ sowie einige Geschichten von Siegfried Lenz aus „So zärtlich war Suleyken“ zu lesen“, schlägt Hermann May vor. Und auch Maria Mönch-Tegeder hat bereits Ideen: „Ich fände es toll, mich mit „Die Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner zu beschäftigen oder mit „Drei Männer im Schnee“. Da ich ein großer Fan von Astrid Lindgrens Kinderbüchern bin, kann ich mir in einer plattdeutschen Lesung auch gut einen größeren Lindgren-Part vorstellen. „Die Brüder Löwenherz“ wären eine gute Ergänzung zu „Ronja Räubertochter“. Pipi gibt es ja schon in besonders vielen Sprachen, da würde sich das emsländische Platt doch gut einreihen.“ Hermann May sieht die Internet-Lesung nicht als Notlösung, sondern als Chance: „Vielleicht ergibt sich ein neuer oder erweiterter Zugang zu älteren Menschen oder zu Menschen, die sonst nicht zu plattdeutschen Lesungen kämen.“ Und Maria Mönch-Tegeder meint: „In der Corona-Zeit sind viele Menschen oft allein gewesen oder sogar einsamer geworden. Ich hoffe, dass die digitalen plattdeutschen Lesungen beispielsweise in Altenheimen ankommen und dort für gute, abwechslungsreiche Unterhaltung sorgen.“

Ems-Vechte