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19.01.2020, 09:00 Uhr

Fast nur noch Übergangsarbeitslosigkeit in der Region

Die Arbeitslosenquote im Bereich der der Agentur für Arbeit Nordhorn verringert sich im Jahresdurchschnitt auf 2,4 Prozent (6.236 Personen).

Hans-Joachim Haming (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn) und Michael Jacob (Geschäftsführer operativ) präsentierten den Arbeitsmarkt 2019 und gaben einen Ausblick auf das Jahr 2020 (von links). Foto: Agentur für Arbeit

Hans-Joachim Haming (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn) und Michael Jacob (Geschäftsführer operativ) präsentierten den Arbeitsmarkt 2019 und gaben einen Ausblick auf das Jahr 2020 (von links). Foto: Agentur für Arbeit

Die Verantwortlichen der Agentur für Arbeit Nordhorn schauen überwiegend positiv auf 2019 zurück. Das vergangene Jahr zeichnete sich durch viele positive Entwicklungen aus, wie einem erneuten Rückgang der Arbeitslosenzahlen und einer Verringerung der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 2,4 Prozent. Arbeitgeber meldeten allerdings deutlich weniger offene Stellen als noch im Jahr 2018. Bei einem Blick auf die Zahlen fällt auch die geringe Dauer der Arbeitslosigkeit auf. So sind im Bereich der Arbeitslosenversicherung mehr als zwei Drittel der gemeldeten Arbeitslosen unter drei Monate arbeitslos. „In der Grafschaft Bentheim und im Emsland ist Arbeitslosigkeit häufig nur noch eine reine Übergangsarbeitslosigkeit zwischen zwei Beschäftigungen“, so Hans-Joachim Haming, Chef der Nordhorner Arbeitsagentur. „Die Langzeitarbeitslosigkeit sank in den letzten zwei Jahren stärker als in anderen niedersächsischen Regionen“.

Für das Jahr 2020 rechnet der Arbeitsmarktexperte erneut mit einem stabilen Arbeitsmarkt: „Es zeichnet sich allerdings zurzeit eine zweigeteilte Entwicklung ab. Im Bereich der exportabhängigen Betriebe wird die Stellennachfrage sinken, bei den weniger exportorientierten Unternehmen, wie im Handwerk oder in der Pflege, eher stabil bleiben“ Trotz des deutlichen Rückgangs bei den gemeldeten Arbeitsstellen warnt die Agentur für Arbeit erneut vor den Folgen des Fachkräftemangels für die Region: „Aufgrund der demografischen Entwicklung und der geringeren Zuwanderung wird der Beschäftigungsaufbau gebremst“, so Haming. „Weiterbildung, Qualifizierung und Ausschöpfen der Potenziale durch Zuwanderung stehen deshalb nach wie vor oben auf der Agenda“.

Arbeitslosigkeit und Beschäftigung

Im Jahresdurchschnitt 2019 waren im Emsland und der Grafschaft Bentheim 6.236 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 534 (-7,9 Prozent) weniger als im Vorjahresdurchschnitt. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 auf 2,4 Prozent (Niedersachsen: 5,0 Prozent). Das ist der mit Abstand geringste Wert im Bundesland. Von Arbeitslosigkeit betroffen waren im Jahresdurchschnitt 3.137 Arbeitslose (50,3 Prozent) im Rechtskreis SGB III und 3.099 Arbeitslose (49,7 Prozent) im Rechtskreis SGB II (Hartz IV). Die Entwicklung verlief im abgelaufenen Jahr unterschiedlich. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung stieg sie um 2,7 Prozent; im Bereich der steuerfinanzierten Grundsicherung (Hartz IV) verringerte sie sich um 16,6 Prozent.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg weiter an. Zur Jahreshälfte (Stichtag 30.06.2019) waren 191.409 Menschen erwerbstätig, 2,9 Prozent mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. In den letzten fünf Jahren erwies sich der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung als deutlich stärker als im Land Niedersachsen (AA Nordhorn: 17,0 Prozent, Niedersachsen: 11,0 Prozent).

Auch Langzeitarbeitslose und Ältere profitierten von der guten Arbeitsmarktlage. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei beiden Personengruppen betrug 26,2 Prozent bzw. 4,6 Prozent.

Die Frauenarbeitslosigkeit fiel um 9,0 Prozent. „Die Weiterbildungen und besonderen Aktivitäten für diese Personengruppe zahlen sich aus“, so Haming. „Auch im neuen Jahr haben wir wieder einige Maßnahmen geplant, die sich insbesondere an Frauen richten“.

Bei der Personengruppe der Ausländer konnte die Arbeitslosigkeit um 9,6 Prozent (152 Personen) reduziert werden, bei der Gruppe der schwerbehinderten Menschen sank sie um 3,4 Prozent (12 Personen).

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich in 2019 durchschnittlich auf 10.583. Das waren 801 weniger (-7,0 Prozent) als im Vorjahr.

Im Jahr 2019 wurden der Agentur für Arbeit Nordhorn 15.221 sozialversicherungspflichtige Stellen zur Besetzung gemeldet, das sind 3.251 Stellen weniger als noch im Vorjahr. Stellenzugänge waren vor allem in den Bereichen Zeitarbeit, Verkehr und Lagerei, im verarbeitenden Gewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung und in der Land- und Forstwirtschaft zu verzeichnen. Große Nachfrage besteht auch im Handel und im Hotel- und Gastgewerbe.

„Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat gegenüber dem letzten Jahr abgenommen“, so Haming. „Nichts desto trotz bleibt es schwierig, gemeldete Arbeitsstellen mit passendem Personal zu besetzen.“

In vielen Branchen gibt es inzwischen weniger gemeldete Arbeitslose als gemeldete Arbeitsstellen. Insbesondere betroffen sind Berufe im Metall- und Elektrobereich, im Hoch- und Tiefbau, in der Lebensmittelherstellung und in Gesundheits- und Pflegeberufen. Die Agentur wird daher auch im Jahr 2020 die Qualifizierungsbemühungen, insbesondere für Geringqualifizierte und Bewerber ohne abgeschlossene Berufsausbildung, fortsetzen und intensivieren.

Mit dem seit Jahresanfang in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetz wurden die Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit ausgebaut. Im vergangenen Jahr konnten so insgesamt 253 Personen gefördert werden, davon 140 abschlussorientiert. Diese Personengruppe hat so einen anerkannten Berufsabschluss erwerben können. Weitere 1.067 Personen wurden in Rahmen der beruflichen Weiterbildung unterstützt.

Beträchtliche Risiken wie internationale Handelskonflikte oder der Brexit werden Folgen für die Entwicklungen am Arbeitsmarkt haben. „Durch die unsichere Situation rechnen wir mit einem leichten Anstieg der Kundenzahlen. Allerdings unterhalb des Landes- und Bundesdurchschnitts“, so Haming.

Die größte Herausforderung bleibt die Deckung des Fachkräftebedarfs. Die Agentur legt daher auch im Jahr 2020 ein Hauptaugenmerk auf Weiterbildung und Qualifizierung. „Hier haben wir nicht nur Arbeitslose im Blick, sondern auch Beschäftigte“, so Michael Jacob, Geschäftsführer Operativ der Nordhorner Arbeitsagentur. „Es gibt durchaus noch Potenziale, die genutzt werden können.“ Jacob denkt hier insbesondere an die Erhöhung der Frauenbeschäftigung,

die Umwandlung von Arbeitsplätzen und die Beschäftigung von Älteren. Die Agentur für Arbeit Nordhorn wird das Beratungsangebot dementsprechend verstärken.

Nähere Informationen: www.arbeitsagentur.de