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13.05.2019, 00:02 Uhr

Endlich Witwer

Joachim Król ist Titelheld im ZDF-Fernsehfilm der Woche „Endlich Witwer“. Vielschichtig und sehr skurril wandelt er sich dabei vom alten Ekel zum liebenswert Eigensinnigen.

Endlich Witwer

Georg Weiser (Joachim Król, M) im Gespräch mit zwei Polizisten in der Komödie „Endlich Witwer“. Foto: Reiner Bajo

Von Ulrike Cordes, dpa

dpa Berlin Vom isoliert hausenden Menschenfeind zum charmanten und hilfsbereiten Menschenfreund - so ließe sich die Entwicklung des schon etwas älteren Filmhelden in „Endlich Witwer“ auf den Punkt bringen.

Nach diesem Muster wurden bereits Hollywood-Hits gestrickt - man denke an Jack Nicholson in „Besser geht’s nicht“ (1997) oder auch „Herr Schmidt“ (2002). An solche Vorbilder schließt das ZDF in seinem neuen Fernsehfilm der Woche an, den der Sender am Montag (13. Mai) um 20.15 Uhr zeigt.

Und auch wenn der renommierte Hauptdarsteller Joachim Król (im Kino „Opa Willi“ in „Der Junge muss an die frische Luft“) nicht das teuflisch schillernde Charisma Nicholsons verströmt und das Ende der Story nicht so romantisch ausfällt wie vielleicht von manchem Zuschauer erhofft: Die von Pia Strietmann („Blaumacher“ auf ZDFneo) nach dem Drehbuch von Martin Rauhaus („Allmen und das Geheimnis der Dahlien“) inszenierte Tragikomödie ist sehr sehenswert geworden. Dank viel Gespür für Zwischentöne, skurrilem Humor und feiner Schauspielkunst - wie auch bei Anneke Kim Sarnau als resolute Putzkraft Frau Rückert - ragt die Produktion der Bavaria Fiction im Auftrag des ZDF aus dem Fernseh-Unterhaltungseinerlei weit heraus.

Es ist die Geschichte Georg Weisers, erfolgloser, übellauniger und rücksichtsloser Produzent von Kunstrasen, der unerwartet Witwer wird, nachdem er gerade dem Scheidungswunsch seiner langjährigen Ehefrau nachgegeben hat. Zu seinen beiden Kindern hat er kaum noch Kontakt. Man sieht sich zur Testamentseröffnung beim Anwalt, wo der Sohn (Tristan Seith) sogleich seinen Pflichtteil einzuklagen beginnt.

Bei alledem meint Weiser, sich glücklich zu schätzen. „Es geht mir gut. Ich hab' endlich meine Ruh“, sagt er. Ungehindert kann er seiner Distanz zum Rest der Menschheit frönen. Und so entrümpelt er seinen 70-er-Jahre-Bungalow bis auf einen Großbildfernseher samt Sessel sowie Unmengen von Bier im Kühlschrank.

Doch der mehr und mehr verwahrlosende Griesgram hat die Rechnung ohne das Leben und die Liebe gemacht. Erst einmal kann seine Tochter Susanne (Friederike Kempter) das Elend nicht mitansehen und sucht per Annonce eine Putzhilfe für den Vater. Was Weiser natürlich ablehnt. Da platzt ungebeten die alleinerziehende Gisela Rückert in den Haushalt, um ihn auf Vordermann zu bringen.

„Diese Dampfwalze“ nennt Weiser die so patente wie attraktive Frau. Und es beginnt der amüsanteste Teil des Films, denn nach alter Screwball-Tradition werfen sich die beiden Kontrahenten witzige Dialogbälle zu, die zugleich manchen wahren und traurigen Hintergrund aufscheinen lassen. Dabei wird Weiser an die Ideale seiner Jugend erinnert.

Und der von Król vielschichtig gespielte Dickschädel gibt seine Isolation auf, um mit Hilfe seines Sohns Frau Rückert vor einem folgenschwerem Irrtum beim Online-Dating zu bewahren. Die gute Tat führt zwar nicht zu einer völligen Verwandlung des alten Egomanen - doch sie verleiht ihm wieder Schwung und Lust auf Kommunikation mit dem Leben.