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05.03.2020, 04:40 Uhr

Ein Trip in die Weinmetropole Bordeaux

Durch weltbekannte Weine ist Bordeaux seit jeher in aller Munde. Zum Reise-Trendziel hat sich die Stadt in Frankreichs Südwesten aber erst jüngst entwickelt - weil sie Klassik und Coolness verbindet.

Bordeaux hatte zwischenzeitlich den Glanz alter Zeiten verloren, lockt heute aber mit einem wilden Mix aus Alt und Neu. Foto: Vincent Bengold/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Bordeaux hatte zwischenzeitlich den Glanz alter Zeiten verloren, lockt heute aber mit einem wilden Mix aus Alt und Neu. Foto: Vincent Bengold/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Von Andreas Drouve, dpa

dpa/tmn Bordeaux Beim Blättern in den Bildern ihrer Kindheit fällt Aurélie Chopy nichts Gutes zur ihrer Heimatstadt ein. „Bordeaux war dreckig und schwarz“, erinnert sie sich.

Über dem Glanz vergangener Zeiten lag eine Patina aus Vergessen, Gleichgültigkeit, Verwahrlosung. Die Handelsstadt an der Garonne im Südwesten Frankreichs war zwar, getragen von dem Geschäft mit den weltberühmten Bordeaux-Weinen, wirtschaftlich erfolgreich, doch von der Zeit zernagt und von Hafen- und Fabrikanlagen zersetzt.

Um die Jahrtausendwende setzte allerdings das Großreinemachen ein, angetrieben von visionären Köpfen und Plänen für die Stadtentwicklung, umgesetzt von Kränen, Baggern und Abrissbirnen. Wo vorher Lagerhäuser am Fluss Garonne Blick und Zugang versperrten, entstanden nun Flanierpromenaden, Cafés, Restaurants und Boutiquen.

„Die Atmosphäre hat sich komplett verändert“, sagt Stadtführerin Chopy und schwärmt: „Bordeaux ist für mich der komfortabelste Platz auf der Welt.“ Zum Fortkommen reichen ihr Fahrrad und Straßenbahn.

Fusion aus Alt und Neu

Bordeaux ist trendy geworden, erfasst vom Sog einer Aufbruchstimmung, wie sie auch in anderen Städten Europas herrscht, ob sie nun Tallinn oder Belgrad heißen. Dabei greifen Alt und Neu auf unterschiedlichste Art ineinander.

Einerseits weitet sich die Moderne aus, zu sehen zum Beispiel im Viertel Bacalan, wo brandneue Straßenzüge und Wohnblocks entstehen und seit Mitte 2019 das Musée Mer Marine die Museumslandschaft mit einem Querschnitt durch die Schifffahrtsgeschichte bereichert.

Auf der anderen Seite ist hier kein Baubestand zu schäbig, kein Hinterhof zu dunkel und kein Gebäude zu abgewrackt, als dass nicht eine Neunutzung in Betracht käme. So ist aus dem U-Boot-Bunker, den die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg bauten und nutzten, ein Kunstausstellungszentrum erwachsen, das mit den Bassins de Lumières ab Mitte April 2020 eine große Multimedia-Installation zeigen wird. Und ein Kasernengelände hat seine Umwidmung zum hippen Hotspot „Darwin“ mit Skateparks und urbaner Landwirtschaft erlebt.

Die Wiederentdeckung der Weinmetropole

Die Entdeckung der alten Weinmetropole ist eigentlich eine Wiederentdeckung - denn schon früher schwärmten die Menschen von ihr. Für den Dichter Marie-Henri Beyle alias Stendhal (1783-1842) war Bordeaux „unbestritten die schönste Stadt Frankreichs“. Und sein Zeitgenosse Victor Hugo (1802-1885) schwärmte: „Nehmen Sie Versailles, fügen Sie Antwerpen hinzu, und Sie haben Bordeaux.“

Um die sechs Millionen Touristen strömen pro Jahr nach Bordeaux. Klassiker im Besichtigungsprogramm sind die Kathedrale, das Theater, der ersteigbare Turm der Basilika Saint-Michel, der Uhrturm Grosse Cloche und der Miroir d'Eau, der „Wasserspiegel“, in dem die historischen Fassaden um den Börsenplatz baden.

Auch das „flüssige Gold“, im Prinzip Bordeauxs größtes Wahrzeichen, beansprucht sein Recht: Das Weinmuseum Cité du Vin hat eine avantgardistische Form, welche die Dynamik des Weins in einem geschwenkten Glas symbolisiert. Draußen schillern Aluminium und Glas, im Museum warten Themenparcours und Kostproben in der Aussichtsetage. Als Nachhilfe in Sachen Bordeaux-Weine gibt es Degustationsworkshops.

Eine Pariser Vorstadt

Die Pegelausschläge beim Flair schwanken. Schick geht es in den Weinbars der Markthalle Bacalan zu, charmant auf Altstadtplätzen, bodenständig auf dem Wochenmarkt Marché de Capucins. Da der Schnellzug nach Paris nur noch zwei Stunden braucht, scherzen manche, Bordeaux sei nun eine Pariser Vorstadt. Doch das wird Bordeaux nicht gerecht. Es hat sich als Spitzendestination etabliert.

Info-Kasten: Bordeaux

Anreise: Per Bahn oder Flugzeug. Direktflüge nach Bordeaux gibt es zum Beispiel ab Frankfurt/Main oder Berlin.

Gesundheit: Informationen zur aktuellen Situation auch mit Blick auf die Verbreitung des neuartigen Coronavirus bietet das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen unter http://dpaq.de/6xZgT.

Informationen: Atout France - Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt (Tel.: 069/74 55 56, E-Mail: info.de@france.fr, Internet: de.france.fr/de).

Die Form des Weinmuseums Cité du Vin in Bordeaux soll symbolisch für die Dynamik des Weins in einem geschwenkten Glas stehen. Foto: Piscol/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Die Form des Weinmuseums Cité du Vin in Bordeaux soll symbolisch für die Dynamik des Weins in einem geschwenkten Glas stehen. Foto: Piscol/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Um die Geschichte der Schifffahrt geht es im Musée Mer Marine. Foto: Loïc Graniczny/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Um die Geschichte der Schifffahrt geht es im Musée Mer Marine. Foto: Loïc Graniczny/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Der „Wasserspiegel“ (Miroir D'Eau) ist eines der Wahrzeichen von Bordeaux. Foto: Steve Le Clech Photos/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Der „Wasserspiegel“ (Miroir D'Eau) ist eines der Wahrzeichen von Bordeaux. Foto: Steve Le Clech Photos/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Der Marché des Capucins ist einer der bodenständigen Wochenmärkte in Bordeaux. Foto: Vincent Bengold/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Der Marché des Capucins ist einer der bodenständigen Wochenmärkte in Bordeaux. Foto: Vincent Bengold/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Marilyn Ramsay leitet Verkostungsworkshops im Weinmuseum Cité du Vin. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Marilyn Ramsay leitet Verkostungsworkshops im Weinmuseum Cité du Vin. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Das Grand Théâtre de Bordeaux gilt als das bedeutendste Bühnenhaus der Stadt. Hier werden unter anderem Opern gezeigt. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Das Grand Théâtre de Bordeaux gilt als das bedeutendste Bühnenhaus der Stadt. Hier werden unter anderem Opern gezeigt. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Aurélie Chopy arbeitet als Stadtführerin in Bordeaux. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Aurélie Chopy arbeitet als Stadtführerin in Bordeaux. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Philippe Barre hat das Kreativzentrum „Darwin“ in Bordeaux gegründet. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Philippe Barre hat das Kreativzentrum „Darwin“ in Bordeaux gegründet. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Mit dem Skatepark ging alles los. Inzwischen lockt das alternative Zentrum „Darwin“ auf einem früheren Kasernengelände nicht nur Kreative an. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Mit dem Skatepark ging alles los. Inzwischen lockt das alternative Zentrum „Darwin“ auf einem früheren Kasernengelände nicht nur Kreative an. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Das Kreativzentrum „Darwin“ lockt Bordeaux-Besucher mit Kulinarik, Kunst und urbaner Landwirtschaft. Foto: Nicolas Duffaure/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Das Kreativzentrum „Darwin“ lockt Bordeaux-Besucher mit Kulinarik, Kunst und urbaner Landwirtschaft. Foto: Nicolas Duffaure/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn

Besucher des Museums Cité du Vin können bei einer Rotweinverkostung mitmachen. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Besucher des Museums Cité du Vin können bei einer Rotweinverkostung mitmachen. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

In der Markthalle Bacalan findet man auch schicke Weinbars. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

In der Markthalle Bacalan findet man auch schicke Weinbars. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

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