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14.06.2019, 00:02 Uhr

Eichwald, MdB

Hajo Eichwald hat es geschafft, wieder in den Bundestag zu kommen. Aber es war verdammt knapp. Umso mehr will er von sich reden machen - als Anti-Doping-Aufklärer zum Beispiel. Das geht natürlich schief. Und auch sonst läuft für den Abgeordneten vieles nicht ganz rund.

Eichwald, MdB

Hans-Josef „Hajo“ Eichwald (Bernhard Schütz, 2.v.l.) mogelt sich so durch. Foto: Maor Waisburd/ZDF

Von Andreas Heimann, dpa

dpa Berlin Hans-Josef „Hajo“ Eichwald ist in mehr als drei Jahrzehnten Bundestagsabgeordneter noch nie als große Leuchte aufgefallen.

Aber er mogelt sich immer wieder durch, notfalls unter Einsatz seiner Ellenbogen und einer Geschmeidigkeit mit Blick auf politische Inhalte, die sich hart an der Grenze der Schamlosigkeit bewegt.

Ihm dabei zuzusehen, ist auf jeden Fall unterhaltsam. Bernhard Schütz (60) spielte Eichwald schon 2015. Damals lief die erste Staffel von „Eichwald MdB“ bei ZDFneo. Am Freitag (14. Juni, 22.30 Uhr) geht es im ZDF weiter.

Sechs neue Folgen (Regie: Fabian Möhrke) sind im Wochenrhythmus zu sehen - und ab dem 14. Juni auch in der Mediathek abrufbar, für alle, die es nicht abwarten können, wie es mit Hajo Eichwald weitergeht, nachdem er gerade in den Bundestag gewählt wurde - denkbar knapp allerdings. Fans der Reihe können beruhigt sein: Das Personal ist das gleiche geblieben. Neben Schütz als unter dem Druck des Daseins leidenden Abgeordneten sind auch Rainer Reiners als Eichwalds neurotischer Referent Berndt Engemann und Leon Ulrich als dessen jüngerer, verpeilter Kollege Sebastian Grube wieder dabei.

Und natürlich Maren Kroymann - großartig als Eichwalds abgebrühte Fraktionsvorsitzende Birgit Hanke, die ihn regelmäßig zu Strategiegesprächen bittet und ihm dann sagt, was er zu tun oder zu lassen hat. Robert Schupp spielt erneut Uwe Bornsen, Abgeordneter aus Bochum wie Eichwald, nur mit zerrüttetem Nervenkostüm. Lucie Heinze ist Eichwalds Büroleiterin Julia Schleicher, die in Staffel zwei allerdings wegen ihrer Schwangerschaft kürzer treten muss.

In der ersten Staffel der Polit-Satire versucht Eichwald, mit allerlei Projekten von sich reden zu machen, der Einführung einer Lebensmittelampel etwa oder von Schockbildern auf Fast-Food-Verpackungen. In der letzten Folge gerät er in den Verdacht, bei einer Abgeordnetenreise nach Brasilien im Bordell gewesen zu sein - das klärt sich dann aber als Missverständnis auf. Zugetraut hätten es ihm selbst seine engsten Mitarbeiter.

Eichwald bleibt auch in der neuen Staffel ein Hinterbänkler mit Hang zu Mediengeilheit. Berndt soll ihm möglichst viele Interviews verschaffen, als ein Dopingskandal im niederländischen Profi-Fußball bekannt wird. Für Eichwald, Mitglied im Sportausschuss des Bundestags, ein Thema, das er sofort ausschlachten will.

Ein paar Phrasen dazu hat er parat und haut geradezu lustvoll auf den niederländischen Fußball ein. Ausgerechnet, als er in einem TV-Interview auf Sendung ist, wird ein Dopingskandal im deutschen Fußball bekannt - von dem Eichwald noch so vollmundig behauptet hatte, da gebe es so etwas nicht. Und schon hat er wieder ein Problem an der Backe.

„Eichwald ist mir in seiner Verzweiflung sympathisch, aber er ist vor allem Opportunist“, sagt Schütz über seine Rolle. Opportunist stimmt auf jeden Fall, manchmal mit einem Anflug von Zynismus. Als Berndt ihn darauf hinweist, dass die Frau von seinem Fraktionskollegen Uwe vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, fragt er nur: „Schenkt man da was?“

Und als Uwe darüber klagt, mit dem Verlust immer noch nicht klar zu kommen, empfiehlt er ihm, darüber doch ein Buch zu schreiben. Ernstgemeinte Empathie war das nicht - aber Uwe nimmt den Rat an und findet bald sogar einen Verlag - gute Pointe. Davon gibt es in „Eichwald MdB“ etliche. Dass die Fraktionsvorsitzende von Eichwald verlangt, er solle einen Doping-Untersuchungsausschuss fordern, ist auch so eine. Denn: Sie will das nur, weil sie erwartet, dass er damit sowieso nicht ernstgenommen würde.

„Den größten Anteil am Erfolg hat Stefan Stuckmann, er schreibt die Sachen so, dass man sie vom Blatt spielen könnte, wenn man wollte“, sagt Schütz über den Drehbuchautor. „Er ist ein unglaublich
präziser, obsessiver, leidenschaftlicher Schreiber, der ohne Ende Aufträge kriegen müsste.“ Zum Beispiel für die nächste Staffel, denn ein Aus für Hajo Eichwald wäre auf jeden Fall schade. Die Geschichte ist auch aus Sicht von Bernhard Schütz noch nicht auserzählt: „Man könnte noch weitermachen, wir sind ja erst in Schwung gekommen.“