Grafschafter Nachrichten
23.04.2021

Ehrenamtliche retten 2570 wandernde Kröten

Ehrenamtliche retten 2570 wandernde Kröten

Finja Janke links und Alina Swart haben wie viele weitere Nordhorner mitgeholfen. Foto: Stadt Nordhorn

Nordhorn Tausende Kröten haben Ehrenamtliche in den vergangenen Wochen in Nordhorn gerettet. Die Tiere hatten sich im Umfeld des Frensdorfer Sees auf Wanderschaft begeben und dabei in Scharen versucht, die Losserstraße zu überqueren. Diese Stelle war in den Vorjahren keine bekannte Krötenwanderstrecke.

Spaziergänger hatten die ungewöhnlich vielen Kröten bemerkt und sich bei der Nordhorner Stadtverwaltung gemeldet. Der städtische Umweltbeauftragte Gerwin Rademaker organisierte daraufhin umgehend gemeinsam mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim die Aufstellung entsprechender Warnschilder. Parallel dazu bat er seine Kontaktpersonen in den örtlichen Naturschutzvereinen und -Initiativen um Hilfe. „Die Stadt Nordhorn hat leider keine Personalkapazitäten für eine Krötensammlung, aber zum Glück gibt es in unserer Stadt viele engagierte Naturschützerinnen und Naturschützer“, so Rademaker.

Innerhalb eines Tages trommelte Gina Heetlage vom Verein Nordhorn Nachhaltig eine Handvoll Helferinnen und Helfer für eine erste Krötensammelaktion zusammen. Walter Oppel vom BUND informierte sie vor Ort über den Ablauf und die benötigte Ausrüstung. In den Abendstunden konnte es dann losgehen: Ausgestattet mit Taschenlampen, Sicherheitswesten, Handschuhen und Eimer wurde anderthalb Stunden lang gesammelt. „Da es an diesem Tag verhältnismäßig warm war, befanden sich schon sehr viele Kröten auf der Straße. Ein herannahendes Auto hätte gar keine Chance gehabt, ihnen auszuweichen“, erinnert sich Heetlage. „Zwischen Straße und Wald waren so viele Kröten, dass man ohne vorher mit der Taschenlampe zu leuchten, keinen Schritt setzen konnte.“

Auch vorbeikommende Fußgängerinnen und Fußgänger halfen bereitwillig bei der Sammlung mit. Bereits an diesem ersten Abend wurden rund 500 Kröten eingesammelt und am Ufer des Sees wieder ausgesetzt. Ausgangspunkt der Wanderung der Tiere war vermutlich der Rehteich im GIP-Wald.

Da eine Krötenwanderung über mehrere Wochen geht, wurden deutlich mehr helfende Hände benötigt. „Wir haben daraufhin in den sozialen Netzwerken und im Bekanntenkreis um Mithilfe gebeten und hatten innerhalb kurzer Zeit eine Gruppe von 25 Personen beisammen“, berichtet Heetlage. Neben Mitgliedern von Nordhorn Nachhaltig waren auch Mitglieder von Fridays for Future sowie viele Familien und Einzelpersonen dabei. Auch die Naturfreundejugend Nordhorn und Umgebung beteiligte sich an den Sammlungen, die daraufhin jeden Abend stattfanden. „Vom Kind bis zur Großmutter waren alle Altersgruppen vertreten und es wollten nachher so viele mitmachen, dass gar nicht mehr alle zum Zuge kamen“, so Heetlage.

Mit Blick auf die Corona-Schutzregeln wurde jeden Abend eine andere Kleingruppe für den Sammeldienst eingeteilt. Als es draußen wieder kälter wurde, ließ die Krötenwanderung deutlich nach, sodass sich die Aktivitäten derzeit nur auf Kontrollen beschränken. Insgesamt haben die Freiwilligen seit Ende März schätzungsweise 2570 Kröten gesammelt und damit vor dem Tod auf der Straße gerettet. Sowohl Heetlage als auch der städtische Umweltbeauftragte Rademaker sind dankbar für das enorme Engagement aus der Bevölkerung.

Für den Fall, dass die Kröten auch im kommenden Jahr wieder vermehrt am Lebenshilfesee wandern, will die Stadt Nordhorn vorsorgen und in Abstimmung mit Naturschutzbehörden- und Verbänden rechtzeitig einen mobilen Krötenschutzzaun aufstellen.

Ehrenamtliche retten 2570 wandernde Kröten

Frösche auf dem Weg zum Rehteich im GIP. Foto: Stadt Nordhorn

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