19.04.2022, 16:40 Uhr

Die Schwalben kommen zurück: NABU gibt Tipps für Nisthilfe

Die Rauchschwalbe kehrt zurück in die Grafschaft und sucht vielerorts nach Nistplätzen. Foto: NABU/Erhard Nerger

Die Rauchschwalbe kehrt zurück in die Grafschaft und sucht vielerorts nach Nistplätzen. Foto: NABU/Erhard Nerger

Grafschaft/Emsland Die ersten Rauchschwalben kehren gerade aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten zurückkehren, freut sich Hanna Clara Wiegmann vom NABU Emsland/ Grafschaft Bentheim. „Sie haben eine enorme Wegstrecke hinter sich, die kräftezehrend war – es sind tausende Kilometer, die sie über Wüste, Savanne und Mittelmeer zu uns zurücklegen müssen.“

Rauchschwalben kehren in der Regel etwas früher zurück als ihre Verwandten, die Mehlschwalben, und fliegen auch etwas später in ihre Winterquartiere. Sie nisten zumeist im Inneren von Gebäuden – gern in Viehställen oder Scheunen, da sie dort auch Insekten als Nahrung finden. Ihr napfförmiges Nest errichten sie auf Dachbalken oder anderen Trägern, und sie lieben es, ihre Nester in Winkel hineinzubauen. Darin erblicken die Jungschwalben bei ein bis drei Bruten – je nach Wetter und Nahrungsangebot – das Licht der Welt“, erläutert die NABU-Mitarbeiterin.

„Sowohl Rauch- als auch Mehlschwalbe haben jedoch große Probleme und gehen stetig im Bestand zurück. Der Klimawandel trägt dazu bei, weil die Wüsten wachsen, aber auch der dramatische Rückgang von Insekten als Nahrung sowie fehlenden blühenden Brachen und Wegrändern. Auch eine ausgeräumte Landschaft ohne Feldgehölze und der immense Flächenverbrauch für mehr und mehr Bau- und Verkehrsflächen machen Schwalben das Leben schwer – es ist eine gefährliche Rutschbahn, auf der sich die Schwalbenbestände derzeit befinden“, unterstreicht Hanna Clara Wiegmann. Viele Schwalben finden zudem durch immer mehr Bodenversiegelung keinen lehmigen Boden mehr als Nistmaterial.

Wer Schwalben unterstützen möchte, kann folgende Tipps beherzigen:

Lehmpfützen anlegen

Wer Garten oder Hof mit geeignetem Boden besitzen, kann ab April und bis in den Juni entsprechende Bodenstellen frei und feucht halten.

Gibt es auf dem Grundstück keine natürliche Lehmquelle, kann eine freiliegende, künstliche Lehmpfütze angelegt werden. Diese sollte nicht mehr als 300 Meter vom Nistplatz der Schwalben entfernt sein und Katzen und anderen Räubern keine Deckung bieten.

Kunstnester anbringen

Überall dort, wo Schwalben zu wenig Lehmboden für den Nestbau finden, freuen sie sich auch über Kunstnester. Diese sehen für Rauch- und Mehlschwalben unterschiedlich aus. Zudem werden Nester für Rauchschwalben an zugluftfreien, möglichst halbdunklen Räumen wie in Ställen oder in Scheunen angebracht. Sie brauchen mindestens 15 Zentimeter Platz zwischen Nestoberkante und Decke und bauen ab einer Höhe von 2 Metern. Mehlschwalben bevorzugen ihre Nester geschützt an Gebäuden unter dem Dachgiebel, an Garagen oder Stallungen in mindestens 2,5 Meter Höhe.

Naturnaher Lebensraum als Nahrungsgrundlage

Dazu noch ein naturnaher und insektenfreundlicher Garten und die Schwalben fühlen sich wohl und willkommen. Eine Vielfalt an heimischen Pflanzen lockt Insekten an und bietet genügend Futter für die Schwalben und ihren hungrigen Nachwuchs.

„Menschen, die sich für Schwalben engagieren und an ihren Häusern dulden, können sich jederzeit für die Auszeichnung mit einer Plakette und Urkunde ‚Schwalbenfreundliches Haus‘ bewerben, ganz gleich, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohnhaus, Hotel, Bauernhof oder Fabrikgebäude handelt“, lädt Hanna Clara Wiegmann Interessierte zur Teilnahme ein.

Weitere Infos, Kunstnester und Bewerbungen für die Plakette können beim NABU Emsland/ Grafschaft Bentheim, Haselünner Straße 15, 49716 Meppen angefragt werden. Die aktuellen Öffnungszeiten der NABU Regionalgeschäftsstelle können online eingesehen oder telefonisch unter 05931 4099630 abgefragt werden.