26.03.2019, 17:06 Uhr

Der Mehrwertsteuersatz bringt es an den Tag

Bei der Recherche über die Freilegung des Fachwerks am Gebäude des ehemaligen Abendlokals „Schwalbennest“ an der Neuenhauer Straße in Nordhorn stieß die Redaktion auf drei sehr gut erhaltene Speisenkarten des einstigen Gasthofes „Zum Krummen Balken“.

Die Außenseiten der vorzüglich erhaltenen Speisenkarte des ehemaligen Nordhorner Gasthofes „Zum Krummen Balken“. Foto: Müller

Die Außenseiten der vorzüglich erhaltenen Speisenkarte des ehemaligen Nordhorner Gasthofes „Zum Krummen Balken“. Foto: Müller

Von Rainer Müller

Rückblick: Der Gastronom Nachtigall eröffnete in den 1960er-Jahren das Restaurant „Zum Krummen Balken“ an der Neuenhauser Straße 175 in Nordhorn. Bis in die 1980er-Jahre war das Restaurant Anlaufpunkt für viele Grafschafter Ausflügler und Mittelpunkt vieler Familienfeiern. Danach wurde es unter Udo Vennemann zum gehobenen Abendlokal und nannte sich bis Mai 2018 „Schwalbennest“.

Die gefundenen Speisenkarten sind echte fiskal-historische Fundstücke, denn die aus edlem Büttenpapier hergestellten gefalzten Akzidenzdrucke sind mindestens 44 Jahre alt. Das beweist der auf ihr verzeichnete Mehrwertsteuersatz in Höhe von 11 Prozent. Die Mehrwertsteuer wurde übrigens zum 1. Januar 1968 in Deutschland eingeführt und betrug seinerzeit 10 Prozent. Bereits nach einem halben Jahr beschloss der damalige Bundestag unter der Großen Koalition die Erhöhung auf 11 Prozent. 1975 wurde der bestehende Fiskalsatz erneut erhöht.

Vor 1968 sorgte das deutsche Steuersystem dafür, dass bei jedem Verkauf zusätzlich 4 Prozent Umsatzsteuer gezahlt werden mussten, was bei Gütern und Waren mit mehreren Zwischenhändlern zu enormen Gesamtsteuersätzen führte. Deshalb durfte die Mehrwertsteuer auch nicht auf der Rechnung erscheinen – sie sollte eine heimliche Steuer sein. Heute muss die Mehrwertsteuer (19 Prozent) natürlich ausgewiesen werden.

Übrigens: Neben dem vollen Umsatzsteuersatz gibt es auch den ermäßigten Satz, der seit 1983 bei 7 Prozent liegt. Die Frage, wann welcher Satz zum Einsatz kommt, ist gerade in der Gastronomiebranche nicht leicht zu beantworten. Beispiel: Auf zubereiteten Kaffee fallen 19 Prozent an. Bei Kaffeebohnen oder -pulver sind es 7 Prozent. Auch der Ort des Verzehrs kann steuerrechtlich schon „das Zünglein an der Waage“ bedeuten.

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Der Mehrwertsteuersatz bringt es an den Tag
Die Innenseiten der vorzüglich erhaltenen Speisenkarte des ehemaligen Nordhorner Gasthofs „Zum Krummen Balken“. Foto: Müller

Passend zum Thema: https://www.ems-vechte-surfer.de/nachrichten/schwalbennest-vor-abriss-fachwerk-wird-freigelegt-288180.html

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