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07.02.2019, 05:05 Uhr

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Kuckucksuhr, Kirschtorte, Bollenhut und Schinken. Sie sind leicht zu finden, die Heimatfilm-Klischees. Doch der Hochschwarzwald im Winter ist mehr als das.

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Zum Beispiel am Feldberg lässt sich auf ausgeschilderten Schneeschuhtrails die Natur erkunden. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Von Larissa Loges, dpa

dpa/tmn Schluchsee Der Kopf: eine Boje, der Bauch: eine Boje, die Hüfte: eine Boje. Was klingt, als hätte man am Kirschwasser nicht nur genippt, birgt tatsächlich die perfekte Auszeit vom Alltag – ganz ohne Alkohol: Waldbaden.

„Das Ziel ist, bei sich anzukommen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, zu entspannen“, erklärt Erlebnispädagogin Melanie Manns. „Das gelingt oftmals über Sinneserfahrungen oder andere Übungen.“ Wie eben die mit der Boje. Zwar scheint die Vorstellung, mit drei Bojen auf dem zugefrorenen Schluchsee im Hochschwarzwald zu treiben, zunächst abwegig. Wer sich aber einlässt, seiner Wohlfühltemperatur nachspürt, dem wird trotz Minusgraden sommerwarm.

Simon Stiegeler bei der Arbeit zuzuschauen, ist ebenfalls besinnlich. Sanftes Kratzen von Werkzeug auf Holz, Späne, die lautlos zu Boden segeln. Hündin Momo, die im Körbchen leise knackend ein Ästchen kaut.

Krippen, Kreuze und Marienstatuen

„Die Verweildauer unserer Kunden ist manchmal länger als in der Wirtschaft. Sie schauen gern zu“, berichtet der Holzbildhauer. Das mag auch an ihm liegen. Denn Stiegeler ist wahrlich aus besonderem Holz geschnitzt. Traditionell, unkonventionell. Im Haus, in dem schon seine Eltern wohnten und arbeiteten, lebt der 43-Jährige mit seiner Frau Lillian und den beiden Töchtern. Schnitzt Krippen, Kreuze und Marienstatuen - „ein Überbleibsel dessen, was meine Eltern gemacht haben“. Vor allem aber fertigt er Fasnachtsmasken, kreiert zauberhafte Flügelwesen, zeitlose Kuckucksuhren und hat - so ganz nebenbei - ein Kultmodelabel auf den Markt gebracht.

Mit T-Shirts, Taschen, Beanies auf denen in der „blackest-forest“-Kollektion gern mal der typische Bollenhut mit Sonnenbrille und Bart kombiniert wird. „Schwarzwälder Motive auf die Spitze getrieben, neu interpretiert“, erklärt Stiegeler.

Später geht es hinaus, zu den verschneiten Hängen und Sascha Bährs Vierbeinern in Lenzkirch. Ein Rudel Siberian Huskys hat Bähr, bietet Touren mit und ohne Schnee an. Aktivwanderungen, Trainingswagen- oder Schlittenfahrten. Seine Nordlichter haben sogar schon mal ein Snowboard gezogen. „Wenn man sie zur Ausfahrt vorbereitet, wird es echt laut.“ Vorfreude auf hündisch.

Rundgang ums Klosterdorf

Verschneit oder unverschneit lohnt sich ein Rundgang ums Klosterdorf St. Märgen. Aus dem Dorfkern führt Natur- und Landschaftsguide Gerlinde Hermann Richtung Pfisterwald und schwärmt: „Wenn unten im Tal der Frühling beginnt, die erste Blüte kommt und oben noch Schnee liegt – das ist ein herrliches Bild.“

Im Kloster des beschaulichen Kurortes wartet bereits Herbert Mark und mit ihm die Geschichte der (Kuckucks-)Uhr. Unterhaltsam räumt der Museumsführer mit Klischees auf: „Ich muss Sie desillusionieren, die Kuckucksuhren wurden nicht von einsamen Bauern in langen, kalten Wintern geschnitzt.“ Vielmehr seien es „Instrumentenbauer, Drechsler, Schreiner, eben Leute, die mit Holz zu tun hatten“ gewesen.

Wie ein Stückchen Torte

160 Uhren präsentiert das Klostermuseum. Eine offene Waaguhr anno 1700 mit Kanonenkugel als Gewicht, Lackschilduhren, Glockenspieluhren mit kleinen Walzen, Kuckucksuhren eben und viel mehr. Ein Genuss.

Wie ein Stückchen Torte. Schwarzwälder Kirsch. Logisch. Aber bitte mit Sahne. „Dass die Sahne gut gekühlt wird, ist unwahrscheinlich wichtig“, erklärt Ramona Bizenberger beim alldonnerstäglichen Schaubacken im Café „Zum gscheiten Beck“ in Feldberg-Bärental. Die Konditorin empfiehlt, „zum Lachen nicht, zum Sahneschlagen schon, in den Keller zu gehen“. Kalt aufgeschlagen, „ohne Sahnesteif“, „ohne Gelatine“, wird der Rahm im Zusammenspiel mit Mürbteig, Schokobiskuit, Kirschwasser, Sauerkirschen, abgebundenem Kirschsaft und Schokoladenraspeln zu - köstlich.

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Winterwanderwunderland: Der Schluchsee lädt zu ausgedehnten Spaziergängen - oder zum Waldbaden - ein. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Melanie Manns bietet Waldbaden am Schluchsee an. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Simon Stiegeler ist Holzbildhauer und schnitzt unter anderem Fasnachtsmasken. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Hochprozentig: Erich Bizenberger brennt Kirschwasser. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Traum für Huskyfans: In Lenzkirch bietet Sascha Bähr Ausfahrten mit seinen Siberian Huskys an. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Gerlinde Hermann führt Besucher rund um St. Märgen. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Schichtarbeit der besonderen Art: Ramona Bizenberger stellt im Café „Zum gscheiten Beck“ in Feldberg-Bärental Schwarzwälder Kirschtorten her. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Zwischen Tradition und Moderne: Matthias Schwer ist Juniorchef im Gasthaus „Zum Kreuz“. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Auf dem Feldberg ist Skifahren oft bis in den April hinein möglich. Foto: Baschi Bender/Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Alles zur Geschichte der Kuckucksuhr: Herbert Mark führt Besucher durch das Klostermuseum in St. Märgen. Foto: Larissa Loges

Der Hochschwarzwald ist im Winter eine Reise wert

Beschaulicher Kurort: Die Türme des Klosters sind in St. Märgen weithin sichtbar. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH