11.04.2019, 16:00 Uhr

Der Bürgerbus überfährt jeden Tag die Grenze

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1. Roel van der Wijk, Rolf Schlüter und Henk de Ruider unterhielten sich mit Moderatorin Martina Gilica über die grenzüberschreitende Arbeit des Vereins Bürgerbus Nordhorn-Denekamp.

Roel van der Wijk, Rolf Schlüter, Martina Gilica und Henk de Ruide (von links) berichteten in der „NDR-Plattenkiste“ über ihr Ehrenamt als Bürgerbusfahrer. Foto: privat

Roel van der Wijk, Rolf Schlüter, Martina Gilica und Henk de Ruide (von links) berichteten in der „NDR-Plattenkiste“ über ihr Ehrenamt als Bürgerbusfahrer. Foto: privat

Jeden Tag rollt der Bürgerbus über die Grenze zwischen Niedersachsen und den Niederlanden hinweg: Nur wenige Kilometer trennen Nordhorn nämlich von Denekamp.

Seit fünf Jahren gibt es den Bürgerbus - die Idee faszinierte Rolf Schlüter von Anfang an, sodass er als Fahrer einstieg. Ohnehin suchte er als Rentner nach einem Ehrenamt. Er liebt die Niederlande und die Niederländer, erzählt er. Schon 15 Jahre lang gab es keine Linienbus-Verbindung mehr, so förderten Landkreis und Stadt Nordhorn wie Denekamp den Bürgerbus. Roel van der Wijk aus den Niederlanden wohnt seit einigen Jahren in Nordhorn. Deshalb wollte er sich auch ehrenamtlich in seinem Wohnort engagieren. In einer Zeitung wurden niederländische Fahrer gefragt, doch viele hatten Probleme mit der deutschen Sprache, und deshalb meldete er sich. Heute ist die Situation etwa 50/50 - die Hälfte der Fahrer wie der Passagiere stammt jeweils aus einem der beiden Länder. Henk de Ruider, ebenfalls aus den Niederlanden, ging meistens einmal im Monat shoppen in Nordhorn in Deutschland. Zufällig kam ein Gespräch im Café darauf, dass noch ehrenamtliche Fahrer vom Bürgerbus-Verein gesucht werden. Und schon war er im Team der 30 Fahrer.

Überwiegend nutzen Menschen ohne eigenes Fahrrad oder Auto den Bürgerbus. Ab und zu sind Studenten dabei: Sie fahren von Nordhorn nach Denekamp, um dort in den Bus nach Enschede umzusteigen. Acht Fahrten täglich werden angeboten: Vier Mal am Vormittag von 9 bis 13 Uhr, und vier Mal am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr. Bevor ein Fahrer aber für den Bürgerbus arbeiten kann, muss er Tests absolvieren. Medizinische Tests sind vorgeschrieben für die Reaktion beispielsweise, Hörtest, Sehtest, Blutuntersuchungen. Der älteste Fahrer ist 83, er hat seinen Test ebenfalls gut bestanden. Im Gegenzug gibt es auch jüngere Fahrer von Ende 50, die die Reaktionstests nicht bestehen, geben die Gäste zu bedenken. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss ebenfalls vorliegen, bevor der Personenbeförderungsschein ausgestellt wird. Neue Fahrer werden dann eingewiesen zu Strecke, Fahrkartenverkauf und den anderen Aufgaben.

Ihre Gäste kennen die Bürgerbus-Fahrer inzwischen schon ganz gut, zumindest die Stammgäste. „Man begrüßt sich schon fast mit Vornamen“, schmunzelt Rolf Schlüter, der sich manchmal wundert, wenn jemand nicht an seiner üblichen Haltestelle steht. Im Lauf der Zeit sind durchaus persönliche Beziehungen entstanden. Roel van der Wijk holt sogar mitunter die Münzen für den Fahrschein aus den Börsen seiner Passagiere, die ihm da vertrauen. Manche Gäste plaudern sofort los, verrät Henk de Ruider - da darf dann die richtige Haltestelle nicht verpasst werden. Ohnehin werden die Haltestellen auf der etwa zehn Kilometer langen Strecke besser zu spät als zu früh angefahren. Der Einstieg mit Aus- und wieder Einklappen der Rampe für Rollstühle beispielsweise dauert zwei Minuten. Bis zu acht Fahrgäste kutschieren die Bürgerbusfahrer. Zwei Fahrräder können mitgenommen werden.

Derzeit haben sich auch zwei Frauen als Fahrerinnen beworben, aber die müssen noch die Tests überstehen. Im Moment sind ausreichend Bus-Chauffeure im Einsatz, aber der Verein würde eine Warteliste anlegen, um immer genug Personal zu haben und den Bürgerbus gut in Betrieb zu halten. Sowie jemand ausscheidet, wüssten sie gern gleich von Ersatzkandidaten.

Von montags bis freitags heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen „Die Plattenkiste – Hörer machen ein Musikprogramm“. Die Sendung wird von den Gästen gestaltet. In der Sendung können sich Vereine, Clubs, Organisationen vorstellen – egal ob Chor, Surfclub, Theater- oder Selbsthilfe-Gruppe. Informationen zur Bewerbung unter www.ndr1niedersachsen.de