11.05.2021, 16:55 Uhr

De Ridder nennt Frauenhaus bei Besuch „Ort der Zuflucht“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder mit Irmgard Fleddermann, Bianca Farwick und Irma Rother vom Frauen- und Kinderschutzhaus. Foto: Büro De Ridder

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder mit Irmgard Fleddermann, Bianca Farwick und Irma Rother vom Frauen- und Kinderschutzhaus. Foto: Büro De Ridder

Nordhorn SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder besuchte das Frauen- und Kinderschutzhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen in Nordhorn (SkF) und informierte sich über die Lage von Frauen und Kindern in Notsituationen während der Pandemie. De Ridder warnt vor einer deutlichen Zunahme häuslicher Gewalt während der belastenden Pandemie.

„Der Lockdown ist eine Herausforderung für alle Menschen in Deutschland. Dabei bereitet es mir besonders große Sorgen, dass die Zahl der Frauen, die von Gewalt betroffenen sind, in der Pandemie steigt. Das psychische und physische Leiden dieser Frauen geht mir besonders nah, da das Thema Gewalt gegen Frauen - gerade in Familien mit Migrationshintergrund - einen hohen Stellenwert hat. Häusliche Gewalt gibt es überall, Betroffene kommen aus allen sozialen Schichten, bringen unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit, und ihre Lebenssituation ist in ländlichen Regionen nicht weniger belastend als in städtischen Räumen. Wir müssen in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie unseren Fokus besonders auf die Schwächeren in unserer Gesellschaft legen. Gerade Frauen in ohnehin prekären Situationen sind nun noch einmal häufiger von Gewalt durch ihre Partner bedroht oder betroffen. Umso wichtiger ist die Arbeit der zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen, die trotz Pandemie und einschneidender Maßnahmen ihre Arbeit im Frauen- und Kinderschutzhaus unvermindert fortsetzen“, erklärt Dr. Daniela De Ridder.

Auch in Zeiten von Corona sei das Frauen- und Kinderschutzhaus in Nordhorn rund um die Uhr für alle schutzsuchenden Frauen ein sicherer Rückzugsort. Die Einrichtung stehe für alle von Gewalt bedrohten oder betroffenen Frauen und ihre Kinder zur Verfügung, erklärten Hausleiterin Irma Rother, Irmgard Fleddermann, 1. Vorsitzende des SKF. und Geschäftsführerin Bianca Farwick im Gespräch mit der SPD-Politikerin.

Rother, Fleddermann und Farwick berichteten, dass die Betreuung der Frauen personell und finanziell in den letzten drei Jahren aufgestockt wurde. Neben der Aufnahme von akut bedrohten und betroffenen Frauen ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) auch eine Anlaufstelle für Beratung und Intervention bei Gewaltsituationen. Allein in den ersten zwei Monaten diesen Jahres habe es bereits 60 Beratungsgespräche gegeben. Zudem gebe es ebenfalls eine hohe Dunkelziffer, so dass zu befürchten sei, dass die Zahl der Betroffenen noch sehr viel höher liegen dürfte. Erschwert wird die Erfassung auch dadurch, dass viele Ämter aufgrund der Homeoffice-Arbeit und veränderter Binnenorganisation während der Pandemie schlechter zu erreichen seien oder Betroffene den Kontakt scheuten. Das Frauenhaus biete mit seinen Angeboten den Schutzsuchenden auch die Chance, sich in Ruhe und ohne stetige Bedrohung durch den Partner die zukünftige Lebensplanung zu organisieren. Eine große Herausforderung stellt die Pandemie durch den deutlich erhöhten Raumbedarf dar; zudem sei die Zahl der Frauen mit mehreren Kindern während der Corona-Krise signifikant gestiegen, was noch einmal den räumlichen Bedarf in Frauen- und Kinderschutzhäusern erhöhe. So berichteten die Mitarbeiterinnen der Einrichtung, welche räumliche Enge entstanden sei, als im Frauen- und Kinderschutzhaus selbst Corona-Fälle aufgetreten seien – die Einhaltung der AHA-Regeln sei nur unter strengsten Auflagen und unter erheblichen Einschränkungen des sozialen Miteinanders möglich gewesen. Bei der Raumplanung und bei der Belegungsstatistik werde, so kritisierte der SkF, jedoch die Zahl der Kinder nicht mit einbezogen und folglich auch nicht als Kriterium für die Finanzierung der Einrichtung berücksichtigt.

„Es ist nachvollziehbar, dass die Pandemie und die daher einzuhaltenden AHA-Regeln im Frauen- und Kinderschutzhaus nur schwerlich umsetzbar sind, dies sei aber unbedingt zur Verhinderung der Ausbreitung der Erkrankung notwendig. Der Kinderzahl sollte zukünftig bei der finanziellen Ausstattung der Schutzeinrichtungen ein größeres Gewicht verliehen werden; dafür werde ich mich bei Frau Ministerin Giffey einsetzen“, unterstreicht die SPD-Bundestagsabgeordnete. „Gerade die Pandemie zeigt uns, dass wir ein wachsames Auge haben und Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt schützen müssen. Wir dürfen dabei nicht einfach wegschauen. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen für Frauen in akuter Gefahr. Das Frauen- und Kinderschutzhaus leistet hier eine unverzichtbare Arbeit und ist gerade im Akutfall eine sehr wichtige Anlaufstelle. Ich bin zudem sehr dankbar, dass in der aktuellen Legislaturperiode gerade das Thema häusliche Gewalt besonders in den Fokus gerückt wurde. So gab es dazu Fachgespräche unter der Leitung der SPD-Bundesfrauenministerin Franziska Giffey. Bund, Länder, Kommunen und Fachverbände haben gemeinsam intensiv über die Problemlagen und Verbesserungen beraten. Zudem konnte sich die SPD durchsetzen und im Bund 120 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um Frauenhäuser zu sanieren. Vor allem aber unterstützen wir Länder und Kommunen, die für die Frauenhausfinanzierung zuständig sind, mit den entsprechenden Geldern“, betont Dr. Daniela De Ridder abschließend.

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