21.10.2020, 14:58 Uhr

De Ridder: „Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt“

Informierten über Mobbing im Internet (von links): Dr. Hannah Timmer, Dr. Daniela De Ridder und Uwe van der Heiden. Foto: privat

Informierten über Mobbing im Internet (von links): Dr. Hannah Timmer, Dr. Daniela De Ridder und Uwe van der Heiden. Foto: privat

Nordhorn Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder lud kürzlich Interessierte zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Cybermobbing – Wie kann ich meine Kinder und mich schützen?“ ein. Als Referenten standen ihr die Leiterin des Nordhorner Polizeikommissariats, Dr. Hannah Timmer, sowie der Kriminaloberkommissar Uwe van der Heiden vom Polizei-Präventionsteam zur Seite.

Kein rechtsfreier Raum

„Für immer mehr Menschen ist es selbstverständlich, Onlinedienste und soziale Medien zu nutzen. Facebook, Instagram oder WhatsApp gehören für viele zum Alltag. Leider halten sich nicht alle an die Umgangsformen, die im analogen Leben gelten. Besonders Kinder und Jugendliche, die in der Corona-Zeit viel online kommunizieren, können nicht immer die Folgen ihres Handelns abschätzen und sind oft von Cybermobbing betroffen. Hier müssen wir dringend Abhilfe schaffen. Zwar ist Cybermobbing noch kein eigener Straftatbestand, das heißt jedoch nicht, dass es keine rechtlichen Regelungen gibt, mit denen ein solches Verhalten geahndet werden kann“, so De Ridder. Bei Cybermobbing, also dem Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten über einen längeren Zeitraum hinweg, fühlen sich die Täter Timmer zufolge oft sicher vor einer (Straf-)Verfolgung durch eine vermeintliche Anonymität im Netz.

Die Kommisariatsleiterin macht jedoch deutlich, „dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Polizei hier viele Möglichkeiten hat, Täter ausfindig und im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten für unterschiedliche Delikte verantwortlich zu machen. Diese Delikte reichen von Beleidigung, übler Nachrede, Nötigung, Körperverletzung und Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte bis hin zum Ausüben von (sexualisierter) Gewalt.“ Und sie ergänzt: „Ein Blick auf die Tätergruppe zeigt: Es sind nicht nur Jungen oder Männer, die mobben oder stalken. Gerade im verbalen Angriff sind es auch Mädchen und Frauen, einzeln oder in einer Gruppe, die sich hier hervortun.“

Opfer sollten sich mitteilen

Gefragt nach Handlungsmöglichkeiten betroffener Opfer, empfiehlt Uwe van der Heiden, sich so schnell wie möglich an eine Vertrauensperson oder auch direkt an die Polizei zu wenden. „Um sich vor Kriminalität im Internet zu schützen, kann jeder aber auch präventiv einige Hinweise berücksichtigen“, erläutert van der Heiden. Er rät zu einem sorgsamen Umgang mit den eigenen Daten und zur Anpassung der Privatsphäre-Einstellungen in den sozialen Medien. Außerdem legt er nahe, möglichst wenig Fotos oder Videos ins Internet zu stellen, niemals Fotos von Kindern öffentlich zu posten und keine persönlichen Daten wie Geburtsdatum oder Adresse preiszugeben. „Das Internet vergisst schließlich nie – was einmal ins Netz gestellt wurde, kann im Nachgang kaum vollständig gelöscht werden“, warnt van der Heiden.

Politik ist gefordert

Um junge Menschen besser vor den Gefahren im Netz und digitaler Gewalt zu schützen, hat die SPD-Bundesfamilienministerin, Dr. Franziska Giffey, De Ridder zufolge vor Kurzem einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt, der vom Bundeskabinett beschlossen wurde. „Cybermobbing ist alles andere als ein Kavaliersdelikt, es braucht mehr Aufklärung, Information, Sensibilisierung und vor allem Prävention. In die Arbeit der multiprofessionellen Präventionsräte müssen auch Eltern- und Schülervertretungen integriert werden. Hier muss gerade auf regionaler und kommunaler Ebene noch viel Vernetzungsarbeit stattfinden – das hat die Diskussion mit den Referenten und den Teilnehmern gezeigt“, so De Ridder abschließend.

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