25.02.2019, 15:00 Uhr

Daniel Kehlmann-Theaterstück im KTS Nordhorn

Bei dem Stück „Heilig Abend“ handelt es sich um ein Katz-und-Maus-Spiel um die innere Sicherheit.

Die bekannten Schauspieler Wanja Mues und Jacqueline Macaulay werden am 2. März auf der Bühne des KTS stehen. Foto: Loewe

Die bekannten Schauspieler Wanja Mues und Jacqueline Macaulay werden am 2. März auf der Bühne des KTS stehen. Foto: Loewe

Nordhorn Das Schauspiel „Heilig Abend“ des bekannten Autors Daniel Kehlmann geht am Sonnabend, 2. März, auf der Bühne des Nordhorner Konzert- und Theatersaals der spannenden Frage nach, was in Zeiten von Terror und totaler Überwachung erlaubt ist. Das rasante Zwei-Personen-Stück, von der renommierten „Konzertdirektion Landgraf“ als kompakter, exzellent gebauter Thriller inszeniert, macht das Publikum Zeuge eines packenden Katz-und-Maus-Spiels, bei dem die Grenzen zwischen Freiheit und Sicherheit verschwinden und die Frage im Raum steht: Welcher Zweck heiligt welche Mittel?

Es ist der 24. Dezember, halb elf Uhr abends. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Nur genau 90 Minuten hat Verhörspezialist Thomas Zeit, gespielt vom bekannten TV-Schauspieler Wanja Mues (Privatdetektiv Leo Oswald in der ZDF-Kult-Serie „Ein Fall für zwei“), um von der linksintellektuellen Philosophie-Professorin Judith zu erfahren, ob tatsächlich, um Mitternacht eine – gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Peter geplante – Bombe hoch geht.

Dem Polizisten bleiben nur diese wenigen Minuten, um herauszufinden, wo die Bombe ist und – falls es sie gibt – sie zu entschärfen. Und dazu ist ihm alles recht. Aber wo endet List, und wo beginnt unzulässige Täuschung, wenn unbelegte Vorwürfe wie Fakten behandelt werden? Ist das Ganze doch nur eine Übung für eines von Judiths Philosophie-Seminaren, wie sie behauptet?

Thomas setzt alles daran, Judith aus der Reserve zu locken. Doch da hat er mit ihr kein leichtes Spiel. Sie beginnt, ihr Gegenüber mit gezielten Fragen aus dem Konzept zu bringen. Die Situation spitzt sich zu. Und die Zeit läuft…

Das fesselnde Verhör spiegelt den Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit wider, aber es wird auch zum Schlagabtausch zwischen System und Systemkritik: Einerseits der Polizist, der Menschen vor dem Terror beschützen will, und andererseits die Professorin, die die Welt und das System an sich so gewalttätig findet, dass jeder Widerstand dagegen seine Berechtigung hat. So verhandelt der vielfach für seine Belletristik und Theaterstücke ausgezeichnete Bestseller-Autor Daniel Kehlmann in „Heilig Abend“ die Überwachungsmechanismen zur Terrorbekämpfung sowohl aus staatlicher wie philosophischer Sicht, die drohende Bombe steht zwar im Zentrum der Befragung, das Thema ist jedoch weniger die konkrete Bedrohung als das Verhandeln von Privatsphäre in Zeiten des gläsernen Menschen.

In dieser spannenden Zwei-Personen-Psycho-Studie spielen die beiden Ausnahmeschauspieler Wanja Mues und Jacqueline Macaulay durch scharfkantige Figurenzeichnung und raffiniert wechselnde Beziehungsdynamik geschickt mit den Erwartungen und Ängsten der Zuschauer. Durch ihr feinfühliges Spiel stellen sie immer wieder Fragen, die zum Weiterdenken zwingen, weil sie nicht einfach und nicht eindeutig zu beantworten sind, aber eine Antwort verlangen. Zu erleben ist ein spannender, interessanter, von Daniel Kehlmann ausgezeichnet und sehr klug geschriebener Theaterabend.

Nähere Informationen: www.nordhorn.de