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20.06.2019, 17:00 Uhr

Creditreform: Erste Wolken am Konjunkturhimmel

Die Wirtschaftslage im Mittelstand ist weiterhin positiv. Die allgemeine Konjunkturabschwächung in Deutschland hat die Stimmungslage im Weser-Ems-Gebiet nur ein wenig eingetrübt. Das zeigt eine Befragung von Creditreform unter rund 1200 Unternehmen.

Erneut schätzte die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen (69,1 Prozent) die aktuelle Geschäftslage mit „sehr gut“ beziehungsweise mit „gut“ ein (Vorjahr: 69,9 Prozent). Zugpferd der Konjunktur hierzulande ist weiterhin das Baugewerbe. Bei 30,6 Prozent der befragten Mittelständler zeigte die Umsatzkurve nach oben. Diese Unternehmen wiesen höhere Umsätze auf als im Vorjahreszeitraum. Gut jedes zweite Unternehmen (54,8 Prozent) meldete eine stabile Umsatzlage. 13,3 Prozent der Befragten berichteten von gesunkenen Umsätzen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Umsatzdynamik damit nur unmerklich abgeschwächt

Der Personalbedarf der Unternehmen war auch in den vergangenen Monaten hoch. Drei von zehn Befragten (28,9 Prozent) haben die Zahl der Mitarbeiter zuletzt aufgestockt, 9,2 Prozent der Unternehmen verkleinerten die Belegschaft. Damit sind die Unternehmen aus dem Weser-Ems- Gebiet erneut einstellungsfreudiger als der Bundesdurchschnitt.

Die weitere Umsatzentwicklung beurteilten die mittelständischen Unternehmen nicht mehr so zuversichtlich wie im Vorjahr. Noch 35,6 Prozent der Befragten rechnen zukünftig mit steigenden Umsätzen (Vorjahr: 38,1 Prozent). 8,1 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 5,2 Prozent) erwarten rückläufige Umsätze. Der Anteil der pessimistischen Umsatzprognosen nahm aber insbesondere im verarbeitenden Gewerbe sowie im Handel zu. Selbst die Bauwirtschaft zeigte sich zurückhaltender als im Vorjahr. Auch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist zuletzt gesunken. 48,7 Prozent der Befragten (Vorjahr: 49,6 Prozent) wollen in den nächsten Monaten investieren. Dabei verringerte sich die Investitionsneigung vor allem im Dienstleistungsgewerbe – im Baugewerbe ist sie hingegen gestiegen.

Trotz der vorsichtigeren Geschäftserwartungen ist der Personalbedarf der Mittelständler weiter hoch. Gut ein Viertel der Befragten (26,8 Prozent) will zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Das ist ein höherer Anteil als im Vorjahr (25,4 Prozent). Nur 4,4 Prozent der Unternehmen wollen in der nächsten Zeit Stellen abbauen (Vorjahr: 3,7 Prozent). Personal suchen vor allem die Unternehmen aus dem Baugewerbe.

Die Ertragslage des Mittelstandes entwickelte sich in den vergangenen Monaten schwächer. 17,8 Prozent der Befragten berichteten von Einbußen (Vorjahr: 15,5 Prozent). Knapp ein Viertel der Unternehmen (24,8 Prozent) meldete einen Anstieg der Erträge (Vorjahr: 26,0 Prozent). Auch bei der Einschätzung der weiteren Ertragsentwicklung nahm der Anteil der pessimistischen Stimmen zu (von 9,1 auf 14,4 Prozent). Insgesamt sind die Ertragsprognosen im Mittelstand aber überwiegend positiv. 9,3 Prozent der befragten Unternehmen fiel die Finanzierung schwerer als im Vorjahr und für 7,4 Prozent war es leichter, Fremdkapital zu erhalten. Zumeist (75,1 Prozent der Befragten) wurden die Finanzierungsbedingungen aber als unverändert beschrieben. Dabei bemerkten die Mittelständler stärker als zuletzt steigende Zinsen.

Voraussetzung zur Wahrnehmung der Chancen der Digitalisierung ist eine entsprechende Infrastruktur mit flächendeckend schnellem Internet. Erneut bescheinigten die Unternehmen aus dem Weser-Ems-Gebiet diesbezüglich Nachholbedarf. Immerhin 25,7 Prozent der Befragten bewerteten die verfügbaren Bandbreiten als zu langsam. Das war ein höherer Anteil als im Vorjahr (24,8 Prozent). Als ausreichend schnell erachteten die Internetgeschwindigkeit immerhin noch 42,2 Prozent der Befragten (Vorjahr: 44,2 Prozent). 30,7 Prozent der Unternehmen forderten für bestimmte Anwendungen, dass die Bandbreiten schneller werden müssen. Als Hemmschuh der Digitalisierung könnte sich das fehlende Fachpersonal erweisen. Stärker als im Vorjahr sehen die Unternehmen in dieser Hinsicht Herausforderungen. Sorgen bereitet den Unternehmen auch die Konkurrenz durch neue Wettbewerber. Ein zunehmender Anteil der Befragten sieht infolge der Digitalisierung Risiken für das eigene Geschäft. Gleichzeitig sehen die mittelständischen Unternehmen den digitalen Wandel auch als Chance für neue Geschäftsmodelle sowie für Einsparungen beispielsweise auch beim Personal. Eine steigende Zahl der von Creditreform Befragten (22,2 Prozent; Vorjahr: 20,0 Prozent) erwartet für das Unternehmen aber keinerlei Chancen aus dem digitalen Wandel.