Grafschafter Nachrichten
02.06.2021

BUND weist auf Gefahren für Igel in Parks und Gärten hin

BUND weist auf Gefahren für Igel in Parks und Gärten hin

Auf den Igel-Nachwuchs lauert in den Gärten so manche Gefahr. Foto: Wendt/Igelstation Weilheim

Schüttorf Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weist auf einen seit Jahren sinkenden Bestand an Igeln hin und anderen Tier- und Pflanzenarten hin. „Der Wegfall geeigneter Lebensräume durch Vernichtung von in der freien Landschaft befindlichen Baum- und Strauchgruppen, Wasserstellen, Feuchtgebiete, Obst- und Blühwiesen beispielsweise, Eintrag von Pestiziden, Herbiziden, Mineral- und Naturaldünger, Verkleinerung der Reviere durch enormen Flächenverbrauch und vieles mehr lassen die Artenvielfalt und damit Lebens- und Nahrungsgrundlage in erschreckendem Maß schwinden“, erklärt Walter Oppel von der BUND-Kreisgruppe Grafschaft Bentheim.

Igel als Kulturfolger

Seit Jahren sei der Igel auch in Parks und Gärten heimisch. „Er wurde zum Kulturfolger. Leider hat er hier nicht das Paradies gefunden. Begrenzungsmauern, undurchlässige Zäune unterschiedlichster Art, Gärten und Vorgärten, die Steinwüsten ähneln, Pools und Teiche ohne Ausstiegshilfen, Treppen, nicht abgedeckte Kellerschächte, Straßenverkehr, um nur einige Gefahren zu nennen, sind lebensbedrohlich“, warnt der Naturschützer.

Knappe Nahrungsgrundlage

Oft seien nicht heimische Baum-, Strauch- und Pflanzenarten unter anderem verantwortlich für einen gravierenden Insektenrückgang, der nicht nur Igeln die Nahrungsgrundlage nimmt. „Igelnahrung, inzwischen häufig reduziert auf Würmer und Schnecken, die Zwischenwirte seiner Innenparasiten sind, verkürzen zudem die natürliche Lebenserwartung enorm“, führt Oppel aus.

Gefahr durch Geräteeinsatz

Darüber hinaus drohe den dämmerungs- und nachtaktiven Igeln, die unter Büschen und Sträuchern ihren Tagschlaf halten, weitere Gefahr. „Meist kommen Fadenmäher, Tellersensen, Freischneider und ähnliche Gartengeräte bei der Pflege des öffentlichen Grüns und in privaten Gärten unbedacht oder unachtsam zum Einsatz.“ Igel würden dadurch getötet oder schwer verletzt.

Verletzungen auch durch Mähroboter

„Mehr und mehr drängen in den letzten Jahren Mähroboter auf den Markt, die häufig nachts zum Einsatz kommen, wenn Igel und andere dämmerungs- und nachtaktive Tierarten auf Nahrungssuche sind“, beschreibt Oppel ein weiteres Problem. „Insbesondere Jungtiere haben so gut wie keine Chance. Von den scharfen Messern werden sie buchstäblich vollständig gehäckselt. Heranwachsende und Alttiere erleiden gravierende Verletzungen an Kopf und Gliedmaßen, denn die Geräte machen oft zu spät oder überhaupt nicht Halt.“

„Igel leiden stumm“

Laut BUND machen sich Igel bei Verletzungen nicht bemerkbar. „Sie schreien selbst bei gravierendsten Verletzungen nicht. Sie leiden stumm. Werden sie nicht rechtzeitig gefunden und in eine qualifizierte Igelstation oder -pflegestelle gebracht, verenden sie langsam und qualvoll.“

BUND appelliert an Gartenbesitzer

Deswegen bittet das BUND-Team eindringlich, vor dem Einsatz von Fadenmäher, Tellersense, Freischneider und weiteren Gartengeräten zu prüfen, ob Igel unter Sträuchern und Büschen Tagschlaf halten. Darüber hinaus ruft der BUND zum Verzicht auf den Nachteinsatz von Mährobotern auf. „Kontrollieren Sie Ihre Fläche vor einem Tageinsatz. Jung-Igel und andere Kleintierarten mit langsamer Fortbewegung könnten unterwegs sein. Werden sie erfasst, sinken ihre Überlebenschancen gegen Null“, appelliert der BUND abschließend.

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