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29.10.2019, 14:00 Uhr

BUND-Pflege erhält seltene Tier- und Pflanzenarten

Durch den Einsatz der Helfer des BUND breiten sich in der Weißen Riete in Schüttorf Bärlapp und Sonnentau wieder aus. Im Rahmen der Maßnahme „Wege zur Vielfalt“ des Landkreises wurde der Oberboden abgetragen.

Freiwillige des BUND haben auf der Fläche der Weißen Riete in Schüttorf den Lebensraum für den Bärlapp und den Sonnentau präpariert. Foto: BUND Grafschaft Bentheim

Freiwillige des BUND haben auf der Fläche der Weißen Riete in Schüttorf den Lebensraum für den Bärlapp und den Sonnentau präpariert. Foto: BUND Grafschaft Bentheim

Früher beschränkte sich die Aufgabe des Naturschutzes weitgehend darauf, Flächen mit Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten „konservierend“ unter Naturschutz zu stellen und dann sich selbst zu überlassen.

Überprüfte man später die Flächen in Hinblick auf das Vorkommen dieser Arten und die dafür ausgesprochene Schutzwürdigkeit, stellte man häufig fest, dass sie - auch ohne die Beeinträchtigung durch den Menschen - ihre ursprüngliche Schutzwürdigkeit mehr oder weniger eingebüßt hatten. So verbuschten unter Schutz gestellte Trockenrasen oder Wacholdertriften; Heideflächen überalterten oder vergrasten; Kleingewässer verlandeten oder verschwanden nach einiger Zeit und mit ihnen eine häufig artenreiche Flora und Fauna.

Diese Vorgänge kennzeichnen eine natürliche Sukzession. Möchte man die Schutzwürdigkeit dieser Gebiete und damit ihre Artenvielfalt erhalten, ist die Pflege der entstandenen Lebensräume notwendig. Diese Flächen durch geeignete Maßnahmen in ihrem schutzwürdigen Zustand zu erhalten, gewinnt heute immer mehr an Bedeutung.

Die Maßnahmen sind gegebenenfalls in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.

Die Eigentümerin des etwa vier Hektar großen Areals an der Weißen Riete in Schüttorf, die als Kompensationsfläche für die Inanspruchnahme von Bauflächen ausgewiesen ist und zwei Gewässer aufweist, ist die Stadt Schüttorf. Alle Arbeiten werden sowohl mit der Stadt Schüttorf als auch mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgesprochen.

Die aktuellen Pflegearbeiten gelten in besonderem Maße zwei in der Grafschaft Bentheim gefährdeten und deshalb geschützten Pflanzenarten, dem Sonnentau und dem Bärlapp sowie der sich allmählich entwickelnden Besenheide.

Der Mittlere Sonnentau gehört zu den fleischfressenden Pflanzen und findet sich in verschiedenen Arten in fast allen Klimazonen der Erde. Die europäischen Arten finden sich in Feuchtgebieten sowie Mooren und bevorzugen somit sauren Boden zum Überleben. Seine Blüten sind weiß.

Der deutsche Name „Sonnentau“ bezieht sich auf die Drüsen an der Blattoberfläche, deren Sekret in der Sonne wie Tautropfen glitzert. Insekten werden durch die glänzenden Tröpfchen angelockt, lassen sich auf dem Blatt nieder und bleiben am zähen Schleim kleben. Die Drüsententakel schließen das Insekt ein und scheiden Verdauungsenzyme aus, mit dem das körpereigene Eiweiß des Insekts aufgelöst wird. Die Pflanze nimmt die verflüssigten Bestandteile des gefangenen Tierchens als willkommene Nährstoffquelle durch die Blattoberfläche auf, um auf diese Weise mit dem Stickstoffdefizit seines natürlichen Lebensraumes fertig zu werden.

Die möglichen Wuchsorte des Sonnentaus sind meist sehr kleinflächig und die Pflanze kann aufgrund ihrer engen Lebensraumansprüche nicht in andere Landschaftsbereiche ausweichen. Nährstoffeintrag und Beschattung gefährden ihr Vorkommen.

Der Bärlapp besitzt einen bis zu einem Meter langen, auf dem Boden kriechenden Stängel, der mit gelbgrünen Blättchen schuppenartig bedeckt ist. Er bildet zahlreiche, etwa fünf Zentimeter hohe Zweige, aus denen sich teilweise zwei bis drei walzenförmige, sporentragende Ähren bilden. Die Pflanze wurde früher bei Blasenleiden, Leber- und Gallenbeschwerden verwendet. Sie kann sehr leicht mit anderen, zum Teil sehr giftigen Bärlappgewächsen verwechselt werden!

Durch Veränderungen der Lebensräume ist auch diese Pflanze in ihrem Bestand sehr bedroht.

Die Besenheide, ist die einzige Vertreterin aus der Gattung Calluna innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Ihre Heimat sind die kühlen Landstriche in Mittel- und Nordeuropa bis in Höhen von über 2000 Metern. Früher verwendete man das getrocknete Heidekraut zum Kehren und Fegen – deshalb wohl der Name „Besenheide“. Noch dazu ist das sonnenliebende Heidekraut eine wichtige Bienenweide und wird zur Gewinnung von Heidehonig verwendet. Der filigrane Zwergstrauch kann bis zu 40 Jahre alt werden!

Dass sich die seltenen Arten an der Weißen Riete wieder ausbreiten können, ist auch einer größeren Maßnahme im Rahmen des Projekts „Wege zur Vielfalt“ des Landkreises zu verdanken. Im Jahr 2016 wurde von der gesamten Fläche zwischen den Gewässern etwa 30 Zentimeter Oberboden abgetragen. Zum Vorschein kam nährstoffarmer, sandiger Boden, der gerade vielen konkurrenzschwachen und seltenen Pflanzen gute Bedingungen bietet. Um der Natur noch weiter auf die Sprünge zu helfen, wurde Heidemahdgut aus dem Naturschutzgebiet Engdener Wüste übertragen. So konnte sich in den Jahren ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen entwickeln.

Die Biotoppflegemaßnahmen, die die Entfernung der aufkommenden Gehölze zum Ziel hatten, um die genannten Pflanzenarten in ihrem Bestand zu fördern, wurden von Mitgliedern des BUND durchgeführt und müssen sicherlich von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Das gerodete Gebüsch wurde dankenswerterweise von Bauhof der Stadt Schüttorf zu einer Benjeshecke am Rande des Gebietes verarbeitet.

Ems-Vechte