16.03.2020, 10:20 Uhr

BUND nimmt Naturschutzmaßnahmen an der Dinkel vor

Uferschwalben und Kopfweiden waren der Inhalt von Naturschutzmaßnahmen, die der BUND und der Verein Walden Hof vor Kurzem an der Dinkel vorgenommen haben.

Neue Sandsteilwand für Uferschwalben an der Dinkel. Foto: Wikimedia Commons

Neue Sandsteilwand für Uferschwalben an der Dinkel. Foto: Wikimedia Commons

Neuenhaus „Ob wir hier wohl Uferschwalben bekommen?“, fragt Wibke Wiegand vom Verein Walden Hof und blickt auf die neuangelegte Uferschwalbenwand, die der Verein zusammen mit der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf einer Fläche an der Dinkel geschaffen hat. Die Auenfläche des Flusses liegt am nördlichen Rand von Neuenhaus nahe der Mündung von Dinkel und Vechte und dient als Überflutungsfläche bei Hochwasser. Der Walden Hof pachtet die Fläche von der Samtgemeinde, um dort eine kleine Schafherde naturnah weiden zu lassen. Entlang einer natürlich entstandenen Abbruchkante wurde nun Ende Februar in Rücksprache mit der Samtgemeinde Neuenhaus eine Sandsteilwand geschaffen, um Uferschwalben eine Nistmöglichkeit zu bieten. „Wenn ich eine Schwalbe wäre, würde ich eigentlich eine größere Steilwand haben wollen“, sagt Wibke Wiegand nachdenklich. „Dann hätte ich weniger Sorgen vor Fressfeinden.“ Sie steht neben der ein Meter hohen Steilwand, die eine Länge von insgesamt etwa 10 Metern hat. „Diese Gefahr ist nicht ganz auszuschließen“, so Walter Oppel vom BUND, „andererseits beziehen Uferschwalben auch kleinere Abgrabungen oder Geländekanten zum Beispiel in Heideflächen, sofern diee in der Nähe von Gewässern liegen.“ „Dann drücke ich mal die Daumen, dass die Uferschwalben in Neuenhaus die Sandsteilwand entdecken und dass wir hier gefiederte Untermieter bekommen!“, sagt Wibke Wiegand.

Uferschwalben sind in Deutschland eine der drei heimischen Schwalbenarten – dazu zählen auch die Rauchschwalbe und die Mehlschwalbe. Mit einer Länge von 12 bis 13 Zentimeter ist die Uferschwalbe die kleinste Schwalbenart in Europa. Die geselligen Tiere sind Koloniebrüter, die mit ihrem Schnabel und ihren Krallen eine zirka halbe bis ein Meter lange Bruthöhle in den Sand graben. Eigentlich besiedeln Uferschwalben zur Brutzeit Flussufer oder Küsten, heutzutage nutzen sie aber auch oft Lehm- und Kiesgruben als Ersatzlebensräume. Früher fanden die Vögel an den Ufern der Flüsse reichlich lehmige oder festsandige Steilufer und Abbruchkanten. Durch die Begradigung der Flüsse und die Befestigung der Flussufer ist dieser Lebensraum aber größtenteils verschwunden. So leiden die Uferschwalben in der modernen Industriegesellschaft ständig unter Wohnungsnot.

Kopfweiden pflegen

Neben der Uferschwalbenwand haben der Walden Hof und die Kreisgruppe des BUND die Weiden auf der Auenfläche zurückgeschnitten, was für die weitere Entwicklung der Bäume zu Kopfweiden eine wichtige Pflegemaßnahme darstellt. Kopfweiden verdanken ihre charakteristische Wuchsform der menschlichen Nutzung. Früher lieferten diese Bäume Schnittmaterial, das als Brennholz, Flechtmaterial, Viehfutter, Zaunpfähle und Stalleinstreu genutzt wurde. Hierzu wurden und werden vor allem Weidenarten wie Korb-, Bruch- und Silberweide verwendet. Aber auch Pappeln, Eschen, Eichen und sogar Buchen werden als Kopfbäume genutzt. Die Bäume werden je nach Region und Gehölzart zirka alle drei, fünf, zehn oder 20 Jahre in etwa zwei Meter Höhe geschneitelt. Hierbei werden die Äste entfernt, lediglich die Neuaustriebe am „Stammkopf“ werden stehen gelassen. Dies führt im Laufe der Jahre zu der typischen Kopfform der Bäume. Eine Besonderheit dieser Bäume ist, dass durch die zahlreichen Schnittstellen Pilzsporen und Wasser in den Baumstamm eindringen können. Diese zerstören das Kernholz des Baumes und der Baumstamm höhlt aus, wodurch ein einzigartiger Lebensraum für viele Tierarten geschaffen wird. Zum Beispiel stellen alte Kopfweiden mit Stammhöhlen eines der wichtigsten Bruthabitate für den bedrohten Steinkauz, den Wendehals, den Gartenrotschwanz und den Trauerschnäpper dar. Die hohlen Stämme sind ebenfalls Wohnstätten für Wiesel, Marder, Fledermäuse und Hornissen. Auch zahlreiche Käferarten und Totholzbewohner, wie zum Beispiel Moschusbock und Weidenbohrer finden in den moderholzreichen Kopfweiden einen Lebensraum. Und die früh blühenden Weiden mit ihren vielen Kätzchen-Blüten bieten Bienen im Frühjahr erste Nahrung. Der Gesamtbestand der Kopfbäume ist in den vergangenen Jahrzehnten jedoch deutlich zurückgegangen, auch weil die wirtschaftliche Bedeutung der Kopfbäume nicht mehr gegeben ist. Die Brennholzerzeugung steht heute nicht mehr in angemessener Relation zum Pflegeaufwand und Flechtmaterial wird kaum noch benötigt. Dies führt oft dazu, dass die Bäume nicht mehr gepflegt und zurückgeschnitten werden. Ohne diese Pflege brechen die Bäume jedoch durch die Last der statisch instabilen Krone auseinander. Wer Kopfbäume auf seinem Grundstück hat, muss nun allerdings nun bis zum Herbst warten, um einen Pflegeschnitt durchzuführen. Zwischen dem 1. März und dem 1. Oktober verbietet das Bundesnaturschutzgesetz, dass Hecken, Gebüsche oder Bäume in der freien Landschaft zurückgeschnitten werden. Lediglich schonende Pflegeschnitte zum Beispiel von Obstbäumen im Garten oder das Entfernen kranker Bäume sind erlaubt. Dies soll wild lebende Tiere und ihre Lebensräume schützen, damit vor allem Vögel in Ruhe in Hecken und Bäumen brüten können.

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