13.11.2020, 09:58 Uhr

BUND möchte Ruhe und Betriebsamkeit im Vechtetal

Vechteabschnitt mit einer Sohlgleite in Quendorf. Foto: Oppel

Vechteabschnitt mit einer Sohlgleite in Quendorf. Foto: Oppel

Nordhorn Die Bemühungen des Bundes Umwelt und Natur Deutschland (BUND), die Vechte und ihre Aue im Sinne des BUND-Entwicklungskonzeptes zu gestalten, reichen von der Landesgrenze Nordrhein-Westfalen bis an die Staatsgrenze zu den Niederlanden. Das berichtete Walter Oppel, Vorsitzender der Kreisgruppe des BUND, der Mitgliederversammlung im Hotel Bonke in Nordhorn.

Das niederländische Konzept „Rust en Drukte in het Vechtdal“ („Ruhe und Betriebsamkeit im Vechtetal“) wurde auf Betreiben des BUND auf den Bereich der Grafschaft übertragen: Hier werden Schwerpunktzonen für verschiedene Bereiche wie Tourismus, Landwirtschaft, Stadtentwicklung, aber auch Ruhegebiete für die Natur ausgewiesen. So ist festgelegt, was in den einzelnen Bereichen zugelassen wird und was nicht. Es geht um einen gemeinsamen Hochwasserschutz, die regionale Wirtschaftsentwicklung und den Umweltschutz im Vechte-Dinkel-System.

Auf mehreren Treffen, an dem der BUND, Vertreter eines Planungsbüros, der Naturschutzstiftung und des Naturschutzzentrums „de Koppel“/NL teilnahmen, steckte man den Rahmen der Untersuchungen für das zu erstellende Konzept ab. Dazu fanden folgende Workshops in Nordhorn statt: Naturschutz im Vechtetal, Gemeindeentwicklung und Tourismus, Landwirtschaft und Wassersicherheit. Die Erkenntnisse aus den Workshops dienten der Erarbeitung einer Ergebniskarte. Diese wurde auf einer weiteren Veranstaltung im Herbst 2019 vorgestellt. Im Januar dieses Jahres wurde schließlich der vom Planungsbüro erstellte Bericht den Vertretern der Kommunen und Behörden offiziell vorgestellt. Anhand einer Karte wurden bestehende Nutzungen des Vechtetales durch Kommunen, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Natur- und Landschaftsschutz sowie Gestaltungsräume für die einzelnen Akteure aufgezeigt. Zur künftigen Umsetzung konkreter Maßnahmen an der Vechte und im Vechtetal bedarf es weiterer Abstimmungen mit den einzelnen Akteuren.

Sohlgleite in Schüttorf

In Schüttorf ist geplant, das vorhandene Vechtewehr zu einer Sohlgleite umzubauen. Dazu äußerte sich der BUND in einer Stellungnahme: „Der BUND begrüßt die geplante Umgestaltung des vorhandenen Wehres in Schüttorf in eine Sohlgleite und damit die künftige Durchgängigkeit des Fließgewässers für aquatisch lebende Wirbeltiere und Wirbellose. Die strukturverbessernden Maßnahmen tragen darüber hinaus zur Förderung der Eigendynamik der Vechte in diesem Bereich bei. Die geplanten Maßnahmen an der Vechte entsprechen zudem dem Ziel, die Vorgaben der EG-WRRL (Wasserrahmenrichtlinie) zu erreichen, zumal das Fließgewässer im Bereich Schüttorf aktuell nur ein mäßiges ökologisches Potenzial aufweist.

Strukturverbessernde Maßnahmen an der Vechte in Quendorf

Eine weitere Planung betrifft die Vechte und ihre Aue in Quendorf: Der NLWKN führt in einem Abschnitt der Vechte und ihrer Aue in Quendorf oberhalb der Schulstraßenbrücke strukturverbessernde Maßnahmen durch: Anlage von Initialgerinnen zur Laufverlängerung; Entwicklung von Weich- und Hartholzauen; Einbau von Strömungslenkern aus Totholz; Einbau von Totholzelementen als Wurzelstöcke und Sturzbäume zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Gewässerfauna; Entfernen des Uferverbaues und Schaffung von Rohboden am gegenüberliegenden Ufer. Die Kreisgruppe des BUND begrüßt ausdrücklich die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturvielfalt des Fließgewässers Vechte sowie der angrenzenden Aue im beschriebenen Abschnitt, stellen diese doch einen weiteren Schritt zur Realisierung der in den WRRL geforderten Ziele dar.

Keine Windenergieanlagen in ökologisch sensiblen Gebieten

Die Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) in ökologisch sensiblen Gebieten beziehungsweise Gebieten mit wertvollen Vorkommen von Brutvögeln, Gastvögeln und Fledermäusen muss unterbleiben. Dazu gehören etwa regional, landesweit, national und international bedeutende Brut- und Gastvogelgebiete wie zum Beispiel das Dalum-Wietmarscher und Georgsdorfer Moor. Der BUND unterstützt die Errichtung von WEA in „vorbelasteten“ Gebieten wie zum Beispiel in der näheren Umgebung von Industrie- oder Fernstraßenbereichen. Die Samtgemeinde Neuenhaus unternimmt einen erneuten Anlauf zur Errichtung von Windenergieanlagen m Georgsdorfer Moor. Dazu gab der BUND eine kurze Stellungnahme ab: „Der BUND hält den Bau von Windenergieanlagen am Westende von Georgsdorf auch nach Aufhebung der Höhenbegrenzung der WEA weiterhin für nicht vertretbar und nicht übereinstimmend mit den Bestimmungen des europäischen und nationalen Naturschutzrechtes und Artenschutzrechtes. Der BUND weist in diesem Zusammenhang auf seine früheren Stellungnahmen hin.“

Artenschutzmaßnahmen für Wiesenvögel

Vor dem Hintergrund der dramatischen Situation der Wiesenvögel im Landkreis Grafschaft Bentheim (Fortsetzung der erheblichen Bestandsrückgänge, forciert in den letzten Jahren bei Kiebitz und Uferschnepfe) sollten alle Wiesenvogelgebiete als Vorranggebiete für Natur und Landschaft ausgewiesen bleiben bzw. werden. Für die wichtigsten Gebiete sind aus Sicht des BUND Managementpläne aufzustellen, die ausdrücklich auch die Umwandlung von Ackerland in extensives Grünland und dessen (Wieder-)Vernässung beinhalten sollten. Wichtig ist dabei die Vernetzung der von Wiesenvögeln besiedelten Parzellen, um vor allem ausreichende Flächengrößen zu erreichen, die einen dauerhaften Fortbestand der Populationen gewährleisten können.

Artenschutzmaßnahmen für Insekten

Das Insektensterben macht auch vor den Schmetterlingen und Wildbienen nicht Halt. Sie verschwinden häufig ganz unbemerkt aus unserer Landschaft: Von den Tagfaltern geht es nur etwa einem Drittel noch wirklich gut, viele sind sogar vom Aussterben bedroht. Bei den Nachtfaltern gilt etwa die Hälfte der Arten als gefährdet. Die Ursachen für den Rückgang der Insekten sind vielfältig: „Hochleistungsäcker“ mit Raps-, Mais- oder sonstigen Monokulturen sind für nahezu alle Schmetterlings- und Wildbienenarten lebensfeindlich. Das gleiche gilt für überdüngte Wiesen. Durch Unkrautvernichtungsmittel verschwinden Raupen-Futterpflanzen und die Nektarquelle der Falter. Wahrscheinlich spielt auch der Klimawandel beim Rückgang der Insekten eine wichtige Rolle. Doch auch im Kleinen wird es Schmetterlingen und Wildbienen schwer gemacht. Etwa wenn sie in Gärten und Parks nur noch exotische Pflanzen vorfinden, von denen sie sich nicht ernähren können und Kiesbeete in Neubaugebieten immer häufiger werden. In den Kommunen Neuenhaus und Schüttorf wurden daher auf Initiative des BUND Blühstreifen und -felder mit regionalem Saatgut angelegt.

Artenschutzmaßnahmen für den Steinkauz

Für den Steinkauz, eine in Niedersachsen stark bedrohte Eulenart, wurden auf den Streuobstwiesen in Samern du Schüttorf sowie am BUND-Gewässer in Wilsumer Moor an geeigneten Stellen Niströhren angebracht. Zudem wurde hier das Gewässer im Frühjahr von beschattenden Gehölzen freigestellt, um Amphibien Laichhabitate zu bieten.

Kinder- und Jugendarbeit

Auch im letzten Jahr beteiligte sich die Kreisgruppe des BUND an den Ferienpassaktionen der Grafschafter Kommunen. Insgesamt wurden Bausätze für 80 Kinder in Neuenhaus, Nordhorn, Bad Bentheim und Schüttorf vorbereitet und von den Ferienpassinhabern unter fachkundiger Anleitung zu Nistkästen für Meisen und andere Höhlenbrüter verarbeitet. Im Rahmen der „Naturschutzwoche für Kinder“ wurden auch in diesem Jahr Verbände und Schulen zur Beteiligung an der Anfang November stattfindenden Aktion aufgerufen.

Die Naturschutz-AG der Realschule Bad Bentheim reichte zusammen mit dem BUND einen Antrag zur finanziellen Unterstützung eines Projektes im Schulwald der Realschule ein, der von BINGO schließlich genehmigt wurde: Ein Feuchtbiotop im Schulwald, das als Laichhabitat für Grasfrösche dient, aber in trockenen Sommern austrocknete, wurde mit Maschineneinsatz vergrößert und vertieft. An der Grundschule in Quendorf wurde in Zusammenarbeit mit dem BUND eine kleine Streuobstwiese sowie eine Blühfläche aus regionalem Saatgut angelegt. Die Streuobstwiese steht nicht nur räumlich in engem Zusammenhang mit der Blühwiese und dem Wildbienenstand, der im Jahr vorher errichtet worden war. Im Unterricht lernten die Kinder in den vergangenen Wochen, dass in Deutschland derzeit 560 Wildbienen-Arten leben. Viele sind in ihrem Bestand gefährdet, da es zu wenig Nistmöglichkeiten und ein mangelhaftes Nahrungsangebot gibt. 30 Prozent der Wildbienenarten sind sogar auf ganz spezielle Pflanzen angewiesen. Tatkräftig unterstützt wird die Schule in Sachen Umwelt- und Naturschutz vom BUND. Der BUND beriet darüber hinaus Schulen und Arbeitsgemeinschaften sowohl fachlich (Gestaltung eines Schulwaldes) als auch finanziell, zum Beispiel bei der Anschaffung von Materialien. Die Ergänzung und Reinigung der Nisthilfen auf den Streuobstwiesen in Samern, Schüttorf und Uelsen (in Zusammenarbeit mit den Vogelfreunden Niedergrafschaft) sowie die Arbeiten in den Mustergärten im Tierpark Nordhorn wurden im Herbst von Mitgliedern des BUND erledigt.

Walter Oppel weiter erster Vorsitzender

Die Wahlen für den Vorstand brachten folgendes Ergebnis: Die Beiratsmitglieder Barbara Strenge, Hartmut Credé und Reiner Steinkamp stehen fortan nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung. Der Vorsitzende bedankt sich für die in den letzten Jahren geleistete Arbeit, verbunden mit der Überreichung eines kleinen Präsentes. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Walter Oppel, 1. Stellvertretender Vorsitzender Hermann Hindriks, 2.Stellvertretender Vorsitzender: Hans Georg Wystrach, Schatzmeister: Friedbert Troll, Schriftführer: N.N., Beirat: Wibke Wiegand, Astrid Horstkamp, Helga Lindschulte, Dr. Klaus Kaplan, Jens Segchelhoorn, Gerhard Weinberg, Heiner Willenborg-Plettenberg, Jan-Harm Mülstegen, Christoph Gerdes und Carsten Westerhof. Vorstand und Beirat werden einstimmig gewählt.

Ems-Vechte